Wohnungslosenhilfe in Kempten

150 Menschen leben in städtischen Unterkünften für hilfesuchende Personen

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Das Thema Wohnungslosigkeit diskutierten jetzt im Audimax der Hochschule Kempten (v.l.): Jörn Scheuermann Koordination Wohnungslosenhilfe Südbayern, Kemptens Sozialreferent Thomas Baier-Regnery, Moderator Prof. Dr. jur. Claus Loos (Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten), Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Kerstin Schreyer, Diakonie-Chefin Indra Baier-Müller und Johann Fleschhut (stellvertretender Bezirkstagspräsident, Freie Wähler).

Kempten – Eine kreisfreie Stadt mit Frauenhaus, Bahnhofsmission, Wärmestube, mit Unterkünften für Wohnungslose in der Nähe einer Justizvollzugsanstalt – das kann nur Kempten sein!

Dementsprechend schmunzelte Thomas Baier-Regnery, Sozialreferent der Stadt, über die „anonyme Nennung“ zur „Wohnungslosenhilfestruktur“ in einer aktuellen Studie. Der Hintergrund allerdings ist ernst: Tatsächlich leben in Kempten derzeit circa 150 Menschen in städtischen Unterkünften für hilfesuchende und bedürftige Personen – Frauen wie Männer, darunter auch alleinstehende Frauen mit Kindern. Betreut werden diese über die Diakonie und das Quartiersmanagement Kempten-Ost. Anlass zur Diskussion bot sich über die Fachveranstaltung „Wohnen+“ an der Hochschule Kempten, die auch an der Studie beteiligt war.

Des Weiteren wurde die Veranstaltung zum Thema Wohnungslosenhilfe von der Koordination Wohnungslosehilfe Südbayern und dem süddeutschen Institut für empirische Sozialforschung e.V. (sine) mitorganisiert. Dass das Thema unter den Nägeln brennt, machte die große Teilnehmerzahl aus dem Allgäu und darüber hinaus deutlich. Staatsministerin Kerstin Schreyer (Familie, Arbeit und Soziales) sowie Johann Fleschhut (stellvertretender Bezirkstagspräsident, Freie Wähler) nahmen teil. Wie wird das Problem in Kempten angegangen? Seit einem halben Jahr arbeitet Christian Koops in der Stadt Kempten daran, Menschen vor einer Zwangsräumung und damit dem Abdriften in die Wohnungslosigkeit zu bewahren. 

Nach seiner Halbjahresbilanz hatte er damit über 70 mal Erfolg. Gleichzeitig wird über Sanierung die Wohnqualität der Unterkünfte verbessert. Statt Ölöfen haben die Wohnungen in einem ersten Schritt Warmwasser und eine Zentralheizung erhalten. Parallel hat das Diakonische Werk über das Bayerische Sozialministerium zwei Vollzeitstellen bewilligt bekommen. Diese werden auf drei Personen aufgeteilt. Michaela Pommer und Stefanie Merle haben bereits ihre Arbeit zum 1. Dezember aufgenommen. Ein weiterer Mitarbeiter soll folgen. Im Laufe des Januars können alle drei dann in das Büro an der Reinhartser Straße einziehen. Schnittstellen suchen und finden Viele anspruchsberechtigte Menschen wüssten nicht um ihren sozialhilferechtlichen Anspruch oder seien nicht in der Lage, diesen zu verfolgen oder durchzusetzen. 

Die Konsequenz: Sie verharren in den Einrichtungen der ordnungsrechtlichen Unterbringung der Gemeinden oder werden an die nächstgrößere Kommune verwiesen. Die gemeinsame Studie von Sine und der Hochschule Kempten sieht eine Lösung in einem besseren Schnittstellenmanagement zwischen ordnungsrechtlich unterbringender Gemeinde, örtlichem Sozialhilfeträger und freier Wohlfahrtspflege. Prof. Dr. Patricia Pfeil von der Hochschule Kempten arbeitete an der Studie mit. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion konnte Moderator Prof. Dr. jur. Claus Loos nur knapp die Teilnehmer der Runde befragen. Diakonie-Chefin Indra Baier-Müller kritisierte hierbei die Beschränkung der Projektgelder auf ein Jahr. „Was passiert danach?“ 

Hierzu meinte Staatsministerin Kerstin Schreyer, es gehe darum eine Starthilfe zu leisten. Sie sah in erster Linie die Kommunen und Landkreise in der Pflicht. „Es geht nur um eine Anschubfinanzierung.“ Stellvertretender Bezirkstagspräsident Johann Fleschhut fand es wichtig, die politischen Verästelungen zu minimieren. „Das ist ein Irrgarten.“ Baier-Regnery stellte für Kempten fest: „Wir sind sozial- und ordnungsrechtlich nah beieinander.“ Der Wohnungsmarkt sei angespannt, dennoch: Es gibt in Kempten immer noch etwa ein Drittel sozialen Mietwohnraum, das sind 6300 Wohnungen unter sechs Euro pro Quadratmeter. Für Baier-Müller und Baier-Regnery ist es wichtig, dass es nicht allein bei dieser einen Fachveranstaltung bleibt, sondern sich die Kommunen und Landkreise künftig weiter zu dem Thema austauschen. 

Mori

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