Miese Stimmung

Ein Bauer muss melken, heuen und Zäune reparieren können. Das hat irgendwann mal zum Teil gestimmt. Der Alltag eines Bauern sieht inzwischen jedoch ganz anders aus: Wenn die Arbeit am Melkcomputer erledigt ist, geht es am PC weiter, von wegen Kanapee oder Füllebänkle. Zu den Fachbereichen Saldierung, Milchquote, CC (Cross Compliance), Pachtverträge oder Kulap (Kulturlandschaftsprogramm) könnte Erich Krug eine Menge erzählen. Der Geschäftsführer des BBV Kempten ist Fachmann auf seinem Gebiet, entsprechend gespickt mit Agrarterminologie war sein Referat im „Gasthaus Bären“ bei der Jahreshauptversammlung des Bayrischen Bauernverbandes Altusried.

Angesichts solchen Hintergrundwissens musste sogar Bürgermeister Heribert Kammel, der schon oft bei solchen Versammlungen Flagge gezeigt hat, zugeben, dass er nicht so richtig vertraut mit dem Stoff ist. Muss er ja auch nicht, sein Anliegen war viel wichtiger: Er appellierte an die Solidarität der Landwirte, die erkennbar in den Tagen des Milchboykotts in diesem Jahr gelitten hat. „Altusried ist ein Synonym für eine funktionierende und leistungsstarke Milchwirtschaft, jeder einzelne Bauer in unserer Gemeinde trägt wesentlich dazu bei“, betonte Kammel. „Dass es keine allein seligmachende Problemlösung für die augenblickliche Misere bei den Erlösen für Milch und Milchprodukten gibt, hat wohl jeder begriffen“, so der Rathauschef in seinem Grußwort weiter. Was von Referent Krug außerdem angesprochen wurde, war auch für Laien verständlich. Erbschaftsteuer, Pachtverträge, Altersversorgung und Hofübergabebestimmungen sind Begriffe, mit denen jeder was anfangen kann. Bei der Düngeverordnung ist dann allerdings schon wieder Schluss. Ein Beispiel aus dem richtigen Leben war hingegen wieder für alle nachvollziehbar: Bei einer Wahlveranstaltung in Lindau war der jetzige Ministerpräsident Horst Seehofer zu hören mit der Aussage, der Selbstbehalt von 300 Euro beim Agrardiesel werde fallen. Wenige Wochen später verkündete der Bundesrat lapidar, dies sei nicht finanzierbar. Krug wagte die Vermutung, dies habe Seehofer (damals noch Agrarminister in Berlin) bereits in Lindau gewusst. Auf den Gesichtern der Landwirte im Saal meinte man daraufhin die Erkenntnis ablesen zu können: „Mit uns Bauern kann man`s ja machen.“ Schlechte Entwicklung Still wurde es dann, als Hubert Dennemoser in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der AEW über die Milchpreisentwicklung im Lande sprach und einen Blick ins restliche Europa wagte. Fast alle Kurven zeigten nach unten, eine Besserung beim Milchpreis sei nicht in Sicht. Der emotionslose Vortrag des Experten der Allgäuer Emmentaler Werke Kimratshofen zerstörte die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu den geforderten 48 Cent. Was betroffen machte, war die Feststellung, dass in Österreich zehn Prozent der Milchprodukte auf dem Müll landen. Das sei allerdings kein Grund zur Schadenfreude, da in Deutschland die Menge nicht viel geringer sei, es gebe eben nur keine Statistik, die mit vergleichbaren Zahlen dienen könne. Zu der Rundfunkmeldung, dass ein neuer Milchlieferboykott geplant sei, wenn die Politik die Kuh nicht vom Eis bringe (gemeint ist damit laut Romuald Schaber der von Brüssel angedachte Milchfond), gab Roland Veit, seines Zeichens BBV-Obmann von Altusried, zu bedenken, dass aus seiner Sicht der Erfolg der ersten Wegschüttaktion nicht so durchschlagend gewesen sei. „Eine Wiederholung ist meines Erachtens nur eine von mehreren vorstellbaren Maßnahmen,“ formulierte der für weitere fünf Jahre wiedergewählte Landwirt aus Bruggmers vorsichtig.

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