Migrantinnen informieren sich

Reger Andrang herrschte am Freitag bei der beruflichen Informationsbörse für Migrantinnen in den Räumen der „Cometa“ in Kempten. Foto: Kampfrath

Frauen mit ausländischen Wurzeln haben es auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders schwer. Bei einer beruflichen Infobörse in der „Cometa“ in Kempten erkundigten sich am Freitag Migrantinnen, wie sie Chancen verbessern können.

Ein mehrsprachiges Stimmgewirr durchdrang an diesem Freitagnachmittag die Räume der „Cometa“ in Kempten. Frauen unterhielten sich auf Türkisch, Russisch, Englisch, Deutsch und in anderen Sprachen. Doch kurz darauf, während der Vorträge zu verschiedenen Themen, herrschte größtenteils Stille. Die Damen waren aus dem gesamten Allgäu angereist, um ihr Wissen bei dieser beruflichen Infobörse für Migrantinnen zu erweitern. Organisatoren waren das Koordinationsbüro „Frau und Beruf“ Kempten, die Gleichstellungsstellen der Stadt Kempten sowie der Landkreise Oberallgäu und Ostallgäu, das Oberallgäuer Amt für Migration und die Bundesagentur für Arbeit Kempten. Die Veranstaltung fand so großen Zuspruch, dass manche Zuhörerin im Vortragsraum mit einem Platz auf dem Boden vorliebnehmen musste. „Kein anderes Land in Europa ist so stark vom demografischen Wandel betroffen wie Deutschland“, verdeutlichte Anne Güller-Frey von „Tür an Tür“, einer gemeinnützigen GmbH für Integrationsprojekte. Die Arbeitslosigkeit und die Dequalifizierung seien bei Migranten überdurchschnittlich hoch. Die transnationale Koordinatorin stellte die Studie „Brain waste“ – zu deutsch: Gehirnverschwendung – vor. Das Ergebnis: Berufliche Integrationsangebote in Deutschland fehlen, die Potentiale von Migranten werden verschwendet. Zudem mangele es bei den Möglichkeiten zur Anerkennung von Berufsabschlüssen an der nötigen Transparenz. Klappt es dennoch mit einem Arbeitsplatz, entsteht für viele Frauen ein weiteres Problem: Wohin mit meinem Kind? Marion Haugg, stellvertretende Amtsleiterin für Kindertagesstätten der Stadt Kempten, sprach über die verschiedenen Betreuungsangebote. So gebe es derzeit 1826 Kindergartenplätze. „Hier haben wir eine Überversorgung“, sagte Haugg. An Plätzen für Kinder unter drei Jahren mangele es hingegen, wie die jüngste Erhebung ergeben habe. „Hier ist die Warteliste endlos lang“, erklärte sie. Derzeit stünden in Kempten 257 Krippenplätze und 212 weitere Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. „Kempten ist bei den Elternbeiträgen für Krippenplätze bayernweit die günstigste Kommune“, berichtete die stellvertretende Amtsleiterin. Das liege auch an einem Abkommen mit den Trägern der Einrichtungen, wonach die Beiträge gedeckelt werden. Wertvolle Tipps In einer Pause konnten sich die Frauen an zahlreichen Ständen noch mehr Informationen einholen. Beladen mit Broschüren kehrten viele in den Vortragsraum zurück. Sandra Seibold vom bfz Kempten referierte darüber, wie man sich optimal bewirbt. Das Schwierigste sei dabei das Anschreiben. „Wenn sie Kinder großgezogen haben, können Sie als Eigenwerbung aufzählen, dass Sie gut organisieren können“, so die Bewerbungstrainerin. Die Unterlagen sollten optisch einheitlich, dezent und seriös sein. „Der Abdruck einer Kaffetasse auf dem Deckblatt macht keinen guten Eindruck“, sagte Seibold. Astrid Keller, stellvertretende Schulleiterin, informierte über die Wirtschaftssprache Deutsch. Um die Sprachkompetenz zu überprüfen, gebe der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen sechs Schwierigkeitsstufen vor. „Die Prüfungen können beim Goethe-Institut oder bei Telc abgelegt werden“, erklärte Keller. Sie wies auf die verschiedenen Möglichkeiten der Förderung wie den Prämiengutschein und das Meisterbafög hin. Mit den sehr persönlichen Worten von Miriam Duran, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oberallgäu, endete die Informationsbörse. Als Tochter eines Palästinensers habe sie selbst auch einen Migrationshintergrund. „Ich habe mich schon mit der Ausländerproblematik beschäftigt, bevor Thilo Sarrazin schlaue Bücher schrieb.“ Integration sei nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern tatsächlich gewollt. „Sonst gäbe es meine Stelle als Integrationsbeauftragte nicht.“

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