Millionen Jahre alte Zeitzeugen

Noch ist es eher ein Geheimtipp, das kleine Haus abseits der Hauptstraße. Dennoch hat schon so mancher Insider von weit her den kleinen versteckten Weg gleich beim Kemptener Edelweißwerk nach Leutenhofen gefunden, um dort in die Welt von Joachim Willi einzutauchen. Seit zehn Jahren pflegt der von Beruf KfZ-Mechanikermeister nämlich ein etwas ausgefallenes Hobby, das ihn möglichst zweimal pro Woche in die Schweizer Alpen auf 2000 bis 3000 Metern Höhe treibt. Er ist passionierter Kristallsucher.

Kommen Besucher in seine Ausstellung, die er in einem liebevoll renovierten alten Kellergewölbe neben seinem Wohnhaus eingerichtete hat, bekommen sie neben zahlreichen Geschichten auch eine Menge an profundem Fachwissen geboten. Seine Passion wirkt ansteckend und die faszinierenden steinernen Gebilde der Natur ziehen den Blick magisch auf sich. Hunderte Bergkristalle und weitere mineralogische Pretiosen wie Aragonit, Pyrit oder Calcit hat Willi mit seinem seit sieben Jahren immer gleichen Kristallsucher-Kollegen schon aus unwirtlichen Höhen in verschiedenen Schweizer Gebieten geborgen – alles Handarbeit, wie er stolz versichert. Da die Vorschriften Bohren und Sprengen untersagen, „arbeiten wir mit kleinen Eisenstangen und Pickeln“, schildert er die mühsame und nicht ganz ungefährliche Arbeit, meist ungesichert in steilen Wänden. „Verletzungen sind da an der Tagesordnung“, spricht er aus Erfahrung. Es sei immer eine Überraschung was man finde, denn man wisse nie vorher, was ein Ort verberge. „Manchmal hat man nach zehn Stunden Arbeit auch gar keinen Fund oder alles ist unbrauchbar.“ Wertvolle Zeitzeugen Ebenso weiß er von Höhepunkten zu berichten, wie dem 400 Kilogramm schweren Fund, bei dem sie insgesamt „vierzehn Mal hingefahren und aufgestiegen sind um alles zu holen“. Hinter den edlen Glasvitrinen präsentieren sich die „meist 15 Millionen Jahre alten“ Zeitzeugen, die, wie Willi erklärt, „bei hohem Druck um 3000 Bar und einer Temperatur von 450 °Celsius 10000 Meter unter Meeresniveau bei der Gebirgsbildung entstanden sind“. Drei Aragonit-Säulen reihen sich anmutig aneinander, die aber „gewachsen sind“ und nur aussähen wie Tropfstein, so sein Hinweis. Ein Blickfang von vielen ist auch der mit grünem Chloritsand gefüllte Bergkristall, in dessen durchsichtigen Quarzen schwarze Rutilnadeln zu sehen sind. Alles über Jahrmillionen natürlich entstanden und gefärbt, schüttelt er über die vielen heute im Handel angebotenen künstlich gefärbten Steine den Kopf. Da kaufe eine Mutter einen Bergkristall für das Wohlergehen ihres Kindes, „der radioaktiv bestrahlt wurde und diese Radioaktivität permanent abgibt“, erklärt er die möglichen Folgen. Magie der Steine Stolz zeigt Willi das Prunkstück dieser Saison: eine große, besonders schöne Bündner Schieferplatte mit Pyritwürfeln, die, wie er meint, auch der absolute Besucherliebling sei. Viele Funde hat er auf seiner Homapage www.bergkristall-treff.de sichtbar gemacht, wenngleich ein Bild seines Erachtens nie an die Magie des echten Steines heranreiche. Dass sein Herz an all den unter Mühen geborgenen winzigen bis beeindruckend großen Steinschönheiten hängt, ist nur verständlich. Allein Platzgründe zwingen ihn, sich doch immer wieder schweren Herzens von dem einen oder anderen Stück zu trennen – zur Freude der Ausstellungsbesucher. Telefonische Anmeldung zur Ausstellungsbesichtigung (gerne auch abends oder am Wochenende) ist unter den Telefonnummern 08303/884 oder 0171/8270414 machbar.

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