Was Minimops zum Sieger macht

Es war eine etwas andere Grußansprache, mit der am vergangenen Samstag die zweitägige Kreisschau der Kaninchenzüchter des Kreisverbandes Lindau eröffnet wurde. Als Karin Karg, die Vorsitzende des Kaninchenzuchtvereins Heimenkirch, die Besucher zur Kreisschau willkommen hieß, gackerten im Hintergrund die Hühner. Das Gackern hielt auch bei der kurzen Ansprache des Kreisvorsitzenden Herbert Lommer an. Doch just in dem Moment, als Schirmherr und Bürgermeister Markus Reichart das Wort ergriff, da verstummten die Hühner für einen Augenblick.

„Es ist meine erste Schirmherrschaft“, sagte Reichart, „und ich habe sie gerne übernommen. Es war mir eine große Ehre.“ Er hob die Bedeutung der Vereinsarbeit hervor, ganz besonders im Kinder und Jugendbereich. Hier wird der verantwortungsvolle und artgerechte Umgang mit Tieren vermittelt und gefördert. „Die Vereinsarbeit hat einen Bezug zu Heimenkirch. Was hier geleistet wird, ist für den Ort, es ist für uns alle“, mit diesen Worten dankte er den Organisatoren und eröffnete die Kreisschau. Die Kreiskaninchenschau hat der Kaninchenzuchtverein Heimenkirch in Gemeinschaft mit den Taubenzüchtern und dem Imkerverein organisiert. Insgesamt 135 Tiere waren am Samstag und Sonntag in der alten Turnhalle zu sehen. 13 Aussteller präsentierten ihre Zuchttiere aus 23 verschiedenen Rassen. Auf die Frage, was ihn zur Zucht der kleinen Langohren gebracht hat, sagt der Kreisvorsitzende Herbert Lommerspontan: „Es die Liebe zum Tier, der artgerechte Umgang mit dem Tier.“ In der heutigen Zeit, so erläutert er, würden Tiere allzu oft vermenschlicht. Das Kaninchen sei eigentlich schon immer ein Nutztier gewesen, das Fleisch war beliebtes Nahrungsmittel und in früheren Zeiten waren auch die Pelze sehr begehrt. In der Nachkriegszeit, in den 50ern und frühen 60ern, war das Fleisch der Langohren sehr gefragt und die Tiere wurden auch auf spezielle Felleigenschaften hin gezüchtet. So gibt es Fuchskaninchen, Marderkaninchen und Chinchillakaninchen, ihr Fell wurde auf Farbe und Beschaffenheit der namensgebenden Tiere ausgelegt. Lommer selbst hat sich auf drei Rassen spezialisiert. Er züchtet Zwergrex in der Farbe Castor, Deilenaar, eine Rasse, die aus Holland kommt, und Deutsche Riesenschecken schwarz-weiß. „Minimops“, ein Deilenaar-Rammler von Herbert Lommer, war 2005 Bundessieger, er ist der Vater der ausgestellten Tiere. Und schon liefert der Experte die nächste Erklärung. Siegertitel werden bei den Ausstellungen an einzelne Tiere vergeben, Meistertitel hingegen gehen immer an eine Gruppe. So zum Beispiel an eine Zuchtgruppe mit vier Tieren aus einem Wurf oder an eine Gruppe mit jeweils zwei Tieren aus zwei Würfen. Auch die Jugend macht mit Der Kaninchenzuchtverein Heimenkirch wurde erst 2004 gegründet. Der junge Verein hat zur Zeit 29 Mitglieder, 19 Erwachsene und zehn Kinder- und Jugendliche. Die Kinder bekommen Hilfestellung beim Aussuchen von geeigneten Zuchttieren und sie lernen, den Tieren gegenüber Verantwortung zu übernehmen. So ist für einen sauberen und trockenen Stall in entsprechender Größe zu sorgen. Das Kaninchen soll Bewegungsraum haben und an den Umgang mit Menschen gewöhnt werden. Zahn- und Krallenkontrolle sind genauso wichtig wie das Fellbürsten beim Haarwechsel. Keine Männerdomäne mehr Acht bis neun Jahre wird ein Kaninchen alt. Es dauert aber nur ein gutes halbes Jahr, bis das Tier seine volle Blütezeit erreicht. Die ausgestellten Rammler und Häsinnen sind alle aus den Geburtsmonaten Januar bis Mai 2008. Bis zu vier Jahren seien die Tiere für die Zucht verwendbar, dann würden sie abbauen, erläutert Lommer. „Die Rammler werden dann etwas müde“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, „und die Häsinnen nehmen nicht mehr auf.“ War die Kaninchenzucht früher noch eine echte Männerdomäne, so sind heute drei Viertel der Vereinsmitglieder Frauen. Das beweist Karin Karg. Sie schaut gerade nach ihren Seidenhühnern, die die Eröffnungszeremonie akustisch untermalt hatten. Die Seidenhühner hält sie neben ihren Kleinsiber-hell-Kaninchen, die ein silbrig gefärbtes Fell haben. „Die kommen ganz schwarz auf die Welt“, erklärt sie, „die Silberfärbung setzt dann erst später ein.“ Es war ein informativer und kurzweiliger Ausstellungsbesuch auf der Kreiskaninchenschau.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Das „Große Loch“ im Fernsehen
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten

Kommentare