1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kempten

»Mischung aus Klassentreffen und Promi-Gucken«

Erstellt:

Von: Lutz Bäucker

Kommentare

Wahlurne
Symbolbild. © dpa / Michael Kappeler

Kempten/Landkreis – Exakt 1.472 Delegierte der Bundesversammlung wählen am Sonntag (13. Februar 2022) in Berlin den neuen Bundespräsidenten.

Drei Kandidaten stehen zur Wahl, von denen der bisherige Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier als eindeutiger Favorit gilt. Der Kreisbote hat eine Wahlfrau und fünf Wahlmänner aus dem Allgäu nach ihren Erwartungen und Vorbereitungen auf diesen für die deutsche Demokratie so wichtigen Tag gefragt.

Große Ehre für alle

Thomas Gehring, MdL, von den „Grünen“, Mechthilde Wittmann, MdB, und Thomas Kreuzer, MdL, von der CSU, die FDP-Männer Dominik Spitzer, MdL, und Stephan Thomae, MdB, sowie Alexander Hold, MdL, von den Freien Wählern halten die Allgäuer Fahne hoch. „Es ist mir eine besondere Ehre, dabei sein zu dürfen“, sagen sie unisono. Alle Abgesandten aus dem Oberallgäu betonen überdies ihren Stolz darüber, das Staatsoberhaupt unserer Republik wählen zu dürfen. Hold fände es aber gut, wenn die Deutschen dieses selbst in direkter Wahl bestimmen könnten.

Viel Lob für Steinmeier

Steinmeier wird von der Union, der SPD, den Grünen und der FDP unterstützt. Die Freien Wähler hatten bis Redaktionsschluss noch keine abschließende Entscheidung getroffen. Der Ex-Außenminister bekommt von allen Seiten viel Zuspruch. „Er agiert überparteilich, ausgleichend und volksnah“, stellt die Bundestagsabgeordnete Wittmann fest, „er dient nicht dem Zeitgeist, sondern dem Wohl der Bürger.“ Landtagsvizepräsident Gehring attestiert dem Staatsoberhaupt „eine unaufgeregte Amtsführung mit klaren und sachlichen Beiträgen und angemessener Repräsentanz“. Der grüne Politiker aus Gunzesried weist außerdem darauf hin, dass der Präsident „im persönlichen Gespräch viel lockerer ist als bei offiziellen Auftritten“. FDP-Mann Thomae schätzt an Steinmeier dessen Fähigkeit, „klar Position zu beziehen, ohne dabei die Gesellschaft zu entzweien“.

Präsident muss Gesellschaft zusammenhalten

Alle befragten Teilnehmer der Bundesversammlung sind sich darin einig, dass der bisherige und mutmaßlich auch künftige Präsident vor großen Herausforderungen stehen wird. „Er muss die Menschen zusammenhalten“, so Kreuzer; „er muss die Gräben schließen“, ergänzt Spitzer. „Als demokratische Autorität muss Steinmeier rote Linien ziehen“, gegen undemokratisches Verhalten und die Bedrohung unserer Demokratie, sagt Gehring. „Mehr denn je ist überparteiliches, souveränes und empathisches Wirken in die Breite der deutschen Gesellschaft nötig“, betont Mechthilde Wittmann. Die Kemptenerin hält Steinmeier für ein „ausgleichendes Vorbild, unterstützt durch die bescheidene und kluge Präsenz seiner Ehefrau Elke Büdenbender“. Alexander Hold (FW) könnte sich auch eine Bundespräsidentin vorstellen: „Die Zeit wäre reif dafür.“

Ungeschriebene Kleiderordnung

Für die Teilnahme an der Bundesversammlung im Berliner Paul-Löbe-Haus direkt am Ufer der Spree gelten klare Vorgaben. Am Vortag, dem 12. Februar, gilt verpflichtender PCR-Test für alle 1.472 Wahlleute in einem extra aufgebauten Testzentrum; Empfang der Wahlunterlagen, am Sonntag pünktlich ab 12 Uhr Stimmabgabe, jeder muss FFP-2-Maske tragen und wird einzeln aufgerufen. Die ungeschriebene Kleiderordnung illustrieren Gehring und Spitzer so: „Ich ziehe einen schwarzen Anzug und mein bestes weißes Hemd an“, sagt der Grüne. „Anzug und Krawatte reichen, den Smoking lasse ich daheim“, sagt der Liberale. Der Kemptener Hold hatte vor fünf Jahre selbst gegen Steinmeier kandidiert. „Damals sind mir auffällige Outfits bis hin zum schrillen Drag-Queen-Auftritt ins Auge gestochen, das passt nicht“, so der Vizepräsident des bayerischen Landtages, „eine dem Anlass angemessene festliche Kleidung ist für mich selbstverständlich“.

Besondere Stimmung

„Die Stimmung ist feierlich und aufgeregt zugleich“, weiß Wittmann. „Sie wird mit Ausnahme an den radikalen Rändern des politischen Spektrums von einem besonderen Geist der Gemeinschaft geprägt“, berichtet der erfahrene CSU-Wahlmann Kreuzer, der schon vor fünf Jahren Steinmeier mit ins Amt gehoben hat.

Thomas Gehring hat ganz eigene Erfahrungen aus der Bundesversammlung: „Das ist wie eine Mischung aus Klassentreffen und Promi-Gucken, festlich und erwartungsvoll, mit einem besonderen Gefühl bei der Stimmabgabe.“

Das Staatsoberhaupt ins Allgäu einladen

„Wenn wir uns alle als Allgäuer zusammentun, dann“, beginnt Gehring, „kann kaum jemand eine Einladung in unsere wahrlich einmalige Region abschlagen“, spekuliert Thomae. „Wir können es versuchen,“ sagt Spitzer und bekommt Unterstützung von den beiden CSUlern: „Wir werden uns gemeinsam darum bemühen.“ Und Alexander Hold ergänzt : „Ja ,wir sollten ihn wirklich mal einladen.“

Mit Steinmeier auf den Grünten und zum Kässpatzen-Plausch

Bleibt die Frage , was die Allgäuer dem Staatsoberhaupt aus Ostwestfalen bei seiner Visite unbedingt zeigen möchten. Mechthilde Wittmann hat ihren Bundestagswahlkreis im Kopf. „Die Vielfalt zwischen dem Weinbau am Bodensee bis hin zu den Sportmöglichkeiten rund um Oberstdorf.“ Thomas Kreuzer: „Meine Heimatstadt Kempten.“ Stephan Thomae: „Die Macher und Mächeler aus dem Allgäu und unser touristisches Potenzial.“ Mediziner Dominik Spitzer: „Ich lade ihn zum Gespräch mit langjährigen Patienten in meine Praxis ein – das ist wertvoller als jeder Ausflug oder Besuch eines Unternehmens.“ Thomas Gehring: „Ich würde mit ihm auf den Grünten steigen! Ein idealer Ort, um über Zukunftsfragen wie Klimawandel, Verkehrspolitik, nachhaltigen Tourismus und Flächenverbrauch zu reden. Vom Grünten aus sieht man das alles.“ Alexander Hold schließlich würde Steinmeier zum Kässpatzen-Essen auf den Wochenmarkt einladen: „Da kann er dem Gespräch mit den Allgäuern nicht entkommen.“

Auch interessant

Kommentare