Natur und Kunst in Harmonie

Stephan Rustige zeigt im "offenen Atelier" Drahtarbeiten und Skulpturen im Wildgarten 

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Das Schwergewicht unter den Freilandobjekten: „Im Staunen geborgen“

Es sind Werktitel, die neugierig machen. Zum Beispiel „Vom Segen der Einsamkeit und dem freien Fluss der Gedanken“ oder „Passwort zum letzten Geheimnis“. Hinter ersterem verbirgt sich eine Drahtarbeit, in der sich die Lötpunkte zu eigenen kleinen Lötskulpturen entwickelt haben; 

letzteres ist eine in mehreren Stufen kolorierte Drahtarbeit, in der geheimnisvolle Buchstaben entschlüsselt werden wollen – „eine sehr schöne Reliefarbeit“, wie ihr Erschaffer, der Künstler Stephan Rustige, findet.

Er zeigt an insgesamt vier Sonntagen (einer davon der vergangene) in seinem „offenen Atelier“ Drahtarbeiten und Freilandskulpturen, die er in dem kontrolliert wild wuchernden Naturgarten in Trunzen sorgfältig in Szene gesetzt hat. Es ist eine Mischung aus neueren und auch alten Werken, die Rustige allerdings mehrmals umgearbeitet hat – auch für ihn Interessant, wie er findet, „weil ich ja immer wieder andere Ansätze hatte“.

Es ist das Spiel mit den Materialien, das Experimentieren damit. Zum Beispiel wurde der Draht in die Malerei von „Verloren im Gestrüpp“ integriert, was eine Herausforderung bezüglich der Stabilität gewesen sei. Für „Metrum“ hat Rustige eine Holzplatte ausgehöhlt und eine „leichte Bewegung“ hineingebracht, hinter strengem Gitterformat. „Die Chaotik liegt hinter dem Käfig“, schmunzelt er. „Affenturm“ heißt ein anderes Werk, für das er Draht mit Lötpunkten, die tatsächlich an kleine Affen erinnern, in einen Sockel einbetoniert hat. Nicht nur hier schlagen die Praktika als Zimmerer und Betonbauer durch, die Rustige für sein dem Kunststudium noch vorgeschaltete Architekturstudium absolvieren musste, und die „alle in die Kunst gewandert sind“.

Auch arbeite er gerne mit Titeln, „weil sie die Verdichtung der Arbeit, der verbale Ausdruck sind“, der während des Arbeitsprozesses entstehe. „Es ist sehr sinnvoll, wenn man während der Arbeit verbal reflektiert“, blickt der Anfang Siebzigjährige beim Rundgang manchmal nachdenklich auf seine Werke.

Seine Skulpturen betrachtet er als Verbindung zum Naturerlebnis, als „Bindeglied zwischen Mensch und Natur“, die durch die künstlerische Bearbeitung verändert werde und so dann wieder zurückgehe. Nochmal eine andere Herausforderung als bei den Arbeiten für den Innenbereich, war für ihn die an Material und Standort im Freien. „Ich musste lernen, wie bewährt sich die Kunst in der wilden Natur“, bei Sturm, Eis, Regen und Sonne, erzählt er davon, dass er die Exponate immer wieder umgearbeitet habe, „bis sie stabil genug waren, um außen zu überleben“. Zum Beispiel bei der Hartschaumskulptur „Im Staunen geborgen“, die ursprünglich für den Innenraum gedacht gewesen sei. Um sie für das Freie tauglich zu machen, habe er dann angefangen sie zu teeren und sie schließlich noch verputzt, damit sich das Styropor nicht mit Wasser vollsaugen könne. Den Kraftakt, die vier großen, mit Teer und Putz sicher nicht gerade leichtgewichtigen Teile an ihren jetzigen Platz zu bewegen, mag man sich nicht vorstellen. Immerhin, in ihrer reduzierten Farblichkeit integrieren sie sich eigenständig und doch unaufdringlich in die sie umgebende vielfarbige Natur. Ebenso unaufdringlich laden noch einige weitere Werke zur Entdeckungstour in den Skulpturengarten ein, wie der aus Draht gefertigte „Himmelsstrecker“, der ein bisschen an einen sehr luftigen Bienenkorb erinnert und der sich, je nach Lichteinfall, manchmal kaum vom Hintergrund abhebt; oder die witzige grafische Drahtarbeit „Draht nach oben“, die sich im Wind bewegt und ans Denken oder nicht denken erinnern soll.

Nicht nur die oft im Detail liegende Vielfalt der Objekte, sondern auch der Spannungsbogen, der sich aus den Gegensätzen von massiveren Skulpturen mit filigranen Drahtarbeiten ergibt, geben der Ausstellung einen besonderen Reiz. Besichtigt werden können sie noch an den Sonntagen 13., 20. und 27. August von 10 bis 18 Uhr in Wiggensbach, Trunzen 5.

Christine Tröger

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