Wieder Kontrolle in Dietmannsried

Miserable Zustände in einem Oberallgäuer Kuhstall: Rund 240 Rinder haben Klauenprobleme

+

Oberallgäu – Wie das Landratsamt Oberallgäu meldet, führte das Veterinäramt Oberallgäu am Mittwoch eine großangelegte unangekündigte Kontrolle in einem rinderhaltenden Betrieb in Dietmannsried durch.

Hinzugezogen hatten die Veterinäre Vertreter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). An der Hofstelle in Dietmannsried werden rund 480 Milchkühe und 100 Kälber gehalten. Die Kontrolleure überprüften am Mittwoch den Gesundheits- und Ernährungszustand jedes einzelnen Tieres. Rund die Hälfte aller Rinder weist zum Teil erhebliche Klauenprobleme auf und ist tierärztlich behandlungsbedürftig, so Andreas Kaenders, Spressesprecher des Landratsamtes. Eine Kuh war in solch schlechtem Zustand, dass sie getötet werden musste, informierte Kaenders nach Redaktionsschluss unserer Zeitung.

Darüber hinaus befänden sich weitere Tiere in einem schlechten Ernährungszustand. Dass es Probleme mit dem Tierschutz und dem Betriebsmanagement auf dem Hof gibt, war den Behörden bekannt. Bereits in 2019 war das Veterinäramt mehrmals zu Kontrollen vor Ort; immer wieder seien verschiedene Anordnungen getroffen worden, unter anderem, die lahmenden Tiere dem Tierarzt vorzustellen. Die Auflagen seien aber nicht eingehalten worden, wie jeweils die Nachkontrollen ergeben hätten. Mittlerweile steht ein Tierhaltungsverbot im Raum – die dafür notwendigen rechtlichen Schritte habe das Landratsamt bereit im Dezember eingeleitet. 

kb/Susanne Lüderitz



Kommentar von Susanne Lüderitz: 

Immer noch "Wachsen oder weichen" 

Die Meldungen gleichen sich: Nach dem Tierskandal in Bad Grönenbach, der Missstände in einem Betrieb mit rund 1800 Milchkühen zutage förderte, meldete das Landratsamt Oberallgäu im Dezember, dass es auf einem 94 Tiere beherbergenden Bauernhof in Dietmannsried nicht mit rechten Dingen zuging. Dort bemängelte das Veterinäramt wiederholt die Klauenhygiene und den schlechten Fütterungszustand der Kühe – fast wie im aktuellen Fall. Jetzt im Januar betrifft es einen Hof mit 480 Tieren. 

Es wird Zeit, sich einmal den Ursachen zuzuwenden! Warum sind es vor allem die großen Höfe, die die Probleme trotz Aufforderung nicht in den Griff bekommen? Werden die Tierhalter mit der Arbeitsmenge nicht fertig und können sich wegen ihrer abzuzahlenden Stallbaukredite keine Angestellten leisten? Warum beteuert die Politik, die kleinen Höfe schützen zu wollen, überschüttet sie aber gleichzeitig mit Auflagen, die sich nur die großen leisten können? 

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
Renommiertes Rusquartet spielte am Montagabend im Stadttheater
Renommiertes Rusquartet spielte am Montagabend im Stadttheater

Kommentare