"Ein absoluter Gewaltexzess"

Für die Misshandlung seines sieben Monate alten Sohnes wird ein 22-Jähriger verurteilt

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Zu 14 Jahren und sechs Monaten wurde der 22-Jährige diese Woche verurteilt. 

Kempten/Kaufbeuren – Der Prozess um die mutmaßliche schwere Misshandlung mit Todesfolge an einem sieben Monate alten Säugling aus dem Ostallgäu ist am Mittwoch vor dem Landgericht Kempten zu Ende gegangen.

Der angeklagte 22-jährige Kindsvater wurde wegen Mordes und Widerstandes gegen die Staatsgewalt mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Davon wird er fünf Jahre und neun Monate im Gefängnis verbringen und anschließend in eine Entziehungsanstalt wechseln. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der angeklagte Vater soll im August 2018 seinen sieben Monate alten Sohn heftig geschüttelt, gegen Möbel geschlagen und mit enormer Kraft gegen seinen eigenen Körper gepresst haben, so dass beide Schlüsselbeine des Kindes brachen. 

Er habe an dem besagten Abend auf seinen kleinen Sohn aufgepasst, da die Mutter des Kindes bei einer Freundin ein paar Häuser weiter den Abend verbrachte. Da der Säugling immer wieder weinte und sich nicht beruhigen ließ, habe er das Baby so schwer misshandelt, dass es zwei Tage später an seinen schweren Verletzungen starb, so die Ermittlungen. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Vater seinem Sohn in menschenverachtender, brutalster Weise massive Gewalt angetan habe. 

Der vorsitzende Richter sprach von „einem absoluten Gewaltexzess“. Das Motiv der Tat: niedrige Beweggründe, der Frust über seine Lebenssituation, das Ende der Beziehung und der Kontakt der Kindsmutter zu ihrem Ex-Freund, so der Richter. So sei das weinende Kind dem Angeklagten am Abend der Tat extrem lästig gewesen. Er hätte die nur 400 Meter entfernte Mutter anrufen können, habe sich aber erst nach seinem Gewaltausbruch bei ihr gemeldet, so der Vorsitzende. 

Für die Kammer gab es keinen vorgefassten Tatplan. Auch eine nachhaltige Zermürbung oder nervliche Überforderung über Wochen und Monate sah sie nicht. Der Angeklagte sei aber durch sein großes Suchtproblem in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. Seine Aggressivität machte auch nicht Halt vor den Polizeibeamten. Als sie ihn im Krankenhaus festnehmen wollten, habe er nach ihnen getreten. Einer der Beamten erlitt eine Nasenbeinfraktur. 

Erste Schwierigkeiten habe der Angeklagte laut psychiatrischem Gutachter bereits in der Schule gehabt: die vielen disziplinarischen Verwarnungen hätten sich wie ein roter Faden durch sein Leben gezogen. Er sprach von zahlreichen Vorstrafen wegen Körperverletzung bis hin zu Drogenhandel. Im Alter von 16 Jahren habe er eine Ausbildung als Koch begonnen, doch der berufliche Werdegang des Angeklagten habe sich schwierig gestaltet. Alkohol- und Drogenkonsum hätten schnell zugenommen und zum Ausbildungsabbruch geführt sowie immer wieder zum Verlust von Arbeitsstellen. 

Nachdem die Kindsmutter sich von ihm getrennt habe, habe sein Alkohol- und Drogenkonsum immer mehr überhand genommen. Am Tattag seien 2,13 Promille Alkohol in seinem Blut gemessen worden. Der Angeklagte müsse vollkommen ausgetickt sein, sagte der Rechtsmediziner aufgrund des Obduktionsergebnisses. Während der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine lebenslange Gesamtfreiheitsstrafe gefordert hatte – „Der Beklagte wollte auch die völlig arglose Kindsmutter bestrafen“ –, plädierte der Verteidiger auf Totschlag. Der Angeklagte, der während der Verhandlungstage keine Angaben zum Tathergang gemacht hatte, nutzte das Schlusswort, um sein Bedauern zu bekunden. Mit den Tränen kämpfend meinte er, es tue ihm leid für alle Beteiligten. 


Christine Reder

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