"Sprich uns an und hab Spaß!"

Mitglieder des Beirats für Menschen mit Behinderung wollen Berührungsängste abbauen

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Sie setzen sich ein für die Gleichberechtigung der Menschen mit Behinderung (v.r.): Albrecht Hung, 1. Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung, Michaela Rathmacher, stellv. Vorsitzende, Martin Haertle, Alexandra Borner (Caritas Allgäu) und Werner Hüttensberger.

Kempten – Sind die Tankstellenstutzen auf der richtigen Höhe? Wie komme ich in das Gebäude? Wie gelange ich in die erste Etage? Kann ich den ÖPNV nutzen? Wo ist die nächste öffentliche Toilette?

Dies sind alles Fragen, mit denen sich die Meisten von uns überhaupt nicht beschäftigen. Denn diese alltäglichen Dinge sind so gestaltet und Gebäude so eingerichtet, dass wir sie problemlos nutzen können. Nicht so einfach ist dies für Menschen mit Behinderungen: Zu oft stehen sie heute noch vor unüberwindbaren Hürden oder sind auf Hilfe von anderen angewiesen. Dadurch sind sie „außen vor“, am Rande unserer Gesellschaft.

Im Rahmen des bundesweiten Protesttages für Menschen mit Behinderung am 5. Mai hatte der Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Kempten kürzlich einen Aktivstand im Forum Allgäu, um die Menschen für das Leben mit Einschränkungen zu sensibilisieren und sich für ihre Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft einzusetzen. „Sprich uns einfach an und hab Spaß“, war das Motto des Aktivstandes. Ziel war es vor allem, Berührungsängste abzubauen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sie für ihr Leben zu sensibilisieren. Denn erst durch Reden erfährt man von Problemen, Schwierigkeiten und wie die Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen zusammen in unserer Gesellschaft leben. Albrecht Hung, 1. Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung, erzählte im Gespräch von einem Erlebnis, als er mit dem Zug nach München fahren wollte. Damals musste er in Buchloe auf den Schienenersatzverkehr ausweichen, um in die Landeshauptstadt zu gelangen. Als der Bus, mit Rollstuhlsymbol auf dem Fenster, vor ihm angehalten hatte, stellte sich heraus, dass der Bus zwar eine Rampe aber keinen Stellplatz für einen Rollstuhl hatte. Halbe Sachen bringen nichts. „Sicherlich gibt es auch in Kempten noch Optimierungsbedarf“, so Alexandra Borner von der Caritas Allgäu, „aber im Vergleich zu anderen Städten ist Kempten schon weit.“ So gebe es spezielle Ampelanlagen, rollstuhlgerechte Fahrwege zum Rathaus und eine Inklusionsbeauftragte, die die Anliegen der Menschen mit Behinderung vertrete. Und gemäß dem Aktionsplan der Stadt Kempten werden auch erst noch einige Projekte umgesetzt.

Schön sei es, dass es Menschen in Kempten gebe, die offene Ohren für die Anliegen der Menschen mit Behinderung hätten, so Hung. So hatte er vor einiger Zeit dem Betreiber des McDonalds-Restaurant in Kempten vorgeschlagen, einen Tisch für Rollstuhlfahrer einzubauen. Prompt hatte er damit Erfolg, für Hung ein Zeichen der Anerkennung. Und was halten Menschen mit Behinderung von einer Seilbahn in Kempten? Über die Barrierefreiheit der Seilbahn hätte er noch nichts gelesen, so Hung. Ratsam wäre, die Gondeln entsprechend großräumig zu planen, schließlich müssten Rollstuhlfahrer und Kinderwagen darin Platz finden.

Tamara Lehmann

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