Deutsch-Israelische Gesellschaft Kempten-Allgäu feiert 20-jähriges Bestehen

Überzeugte Freunde Israels

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Dr. Johannes Gerster hält in Kempten eine mitreißende Festrede zum Thema „65 Jahre Israel – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft”.

Kempten – Sie verbindet eine ganz besondere Beziehung zum gelobten Land: die Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Uta Hoffmann gründete am 29. November 1993 die Arbeitsgemeinschaft Kempten-Allgäu.

Das 20-jährige Bestehen feierten vergangene Woche Mitglieder und Gäste im Haus International. Die israelische und deutsche Flagge sowie eine Menorah schmückten den Raum. „In den zwei Jahrzehnten des Bestehens hat die DIG unter tatkräftigem Einsatz unserer Waldbeauftragten Erika und Ernst Mayer Geld für den Kempten-Allgäu-Wald in der Negevwüste gesammelt und so einen Beitrag zur weiteren Begrünung des Landes Israel geleistet”, berichtete Luis Kornes, Vorsitzender der DIG Kempten-Allgäu. 

„In diesem Jahr konnte der Wald, bestehend aus 5000 Bäumen, feierlich eingeweiht werden.“ Im Gemeinderaum der Markuskirche habe der Verein den Sederabend vor dem Pessachfest mit traditionellem Essen gefeiert. „Da es in Kempten keine Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gibt, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, auch über das Judentum immer wieder Vorträge anzubieten. Die Hauptaufgabe der DIG aber ist es, das Land Israel in den Fokus zu stellen.“ Der Kontakt zur israelischen Botschaft und zum Münchener Konsulat sei eng. Die DIG Kempten-Allgäu habe beschlossen, das SOS-Kinderdorf Neradim im Negev finanziell zu unterstützen. 

„Im Namen der Stadt sage ich ein herzliches Dankeschön, da die Deutsch-Israelische Gesellschaft seit zwei Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag für ein tolerantes Miteinander ohne Antisemitismus leistet“, bekräftigte Bürgermeister Josef Mayr (CSU). Er wünschte der DIG viel Erfolg bei der Fortsetzung ihres Weges. Mayr überreichte Kornes einen Scheck der Stadt Kempten über 200 Euro. „Es wird oft ein bisschen verschwiegen, dass es in Europa eine jüdisch-christliche Tradition gibt“, erklärte Dr. Johannes Gerster in seiner Festrede. Er lobte, „dass hier ein Häuflein Menschen steht, das sich für das Lebensrecht der Juden in Israel einsetzt.“ 

Nur wenige wüssten, dass es bereits seit Theodor Herzl die Forderung nach einem jüdischen Staat in Palästina gebe. Noch in der Nacht der Gründung am 14. Mai 1948 sei Israel von fünf benachbarten Staaten überfallen worden. „Hauptmotor für die Gründung waren nicht die Vereinigten Staaten, sondern die UdSSR, die hoffte, in dem neuen Staat einen ideologischen Verbündeten zu finden“, berichtete Gerster, der in Israel neun Jahr lang als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung arbeitete. „Dieses Israel war in dieser Zeit bis zum Ende des Kalten Krieges ein Stück Objekt der Weltpolitik und ist es bis heute.“ 

Schuld sind die anderen 

Im Bereich der Wirtschaft und Wissenschaft gehöre das Land bei den Erfindungen zur weltweiten Spitze. „Israel ist von einem reinen Agrarstaat zu einem Hightech-Land allererster Güte geworden.“ Israel befinde sich in einem undemokratischen Umfeld voller Gewaltbereitschaft und Aggression. „Wenn ein israelischer Soldat oder Polizist einen Palästinenser erschießt, bekommt er ein Zivilverfahren und ein militärisches Verfahren“, berichtete der ehemalige Präsident des Bundesverbands der DIG. Wenn man in Deutschland frage, was Ursache für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sei, würden schätzungsweise 80 Prozent den Siedlungsbau in den Autonomiegebieten nennen. „Ursache für den Konflikt ist aber, dass die arabische Welt mit wenigen Ausnahmen nicht bereit ist, den Staat Israel zu akzeptieren.“ In dem Land herrsche Religionsfreiheit, man könne dort eine katholische Kirche oder eine evangelische Kirche bauen. „Bauen Sie einmal in Saudi-Arabien oder in der Türkei eine Kirche! Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen.“ 

Über 90 Prozent der israelischen Frauen gingen arbeiten, was bei den Palästinenserinnen fast nie der Fall sei. Die Arbeitslosigkeit sei bei den Palästinensern viel höher als bei den Israelis. In Wirklichkeit gebe es drei Konflikte: den Kampf um das Land, den religiösen Konflikt um die Stadt Jerusalem und den Kampf des Fundamentalismus. „Religion wird missbraucht, um die Leute aufzustacheln.“ Der Kampf zwischen dem Fundamentalismus und der Demokratie der westlichen Welt werde in Israel ausgetragen. In den vergangenen Jahren sei eine Lösung des Konflikts schwieriger geworden durch die Machtübernahme der Hamas, die Unruhen in den Nachbarländern und die Entwicklung, dass Weltmächte verschwinden. „Wir haben nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch aus politischen Gründen die Aufgabe, Israel zu helfen. 

Dass das hier in Kempten geschieht, weiß ich“, meinte der Festredner. Maria Lancier, stellvertretende Vorsitzende der DIG Kempten-Allgäu, erinnerte daran, dass derzeit das Chanukka-Fest gefeiert wird. Sie entzündete die siebente Kerze des Chanukka-Leuchters.

Franziska Kampfrath

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