In der Mitte angekommen

Gertrud Knoll und Bürgermeister Josef Mayr (rechts) ehren Albrecht Hung, Heinz Böhm, Elmar Lange und Peter Mittermair (v.l.) für ihr Engagement. Foto: Kampfrath

Sie sitzen im Rollstuhl oder haben andere Einschränkungen. Und sie wollen helfen. Das bekundeten viele Frauen und Männer mit Behinderung bei der Auftaktfeier von „Du + ich = WIR – Mach mit“. Mit diesem Projekt will die Impulse-Bürgerservice gGmbH gehandicapten Menschen den Einstieg ins Ehrenamt erleichtern.

Der übervolle Saal im Kemptener Haus der Senioren ließ Jürgen Schulz staunen. „Ich bin überrascht, dass so viele da sind. Aber je mehr, desto schöner“, sagte der Geschäftführer des Impulse-Bürgerservice. In seiner Begrüßung zitierte er Albert Schweitzer mit den Worten: „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel.“ Behinderten Menschen sollten alle Möglichkeiten des gesellschaftlichen Lebens offen stehen, also auch das soziale Engagement. Diese Ansicht vertrat Josef Mayr, Bürgermeister Kemptens (CSU). „Weil ich in meiner Jugend noch das Gegenteil erlebt habe, freut es mich, dass Menschen mit Behinderung in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“ Das Ende der Möglichkeiten sei indes noch nicht erreicht. Die Arbeit im Ehrenamt gebe Menschen das wichtige Gefühl, gebraucht zu werden, meinte Klaus Meyer als stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe Bayern. Die Stiftung des Verbands fördert das Projekt. Er hoffe, dass die Aktion die Zeit überdauert und zu einer festen Größe in Kempten wird. Claudia Holtkamp hatte sich im Vorfeld in die Weiten des Internets begeben. „Ich tippte die Kombination ‚Menschen mit Behinderung’ und ‚Ehrenamt’ als Suchbegriffe ein, aber es gab kaum Treffer“, erzählte die Referentin der Behindertenhilfe des paritätischen Wohlfahrtsverbands Bayern. Sie glaubt, dass durch das Projekt die Suche im Internet künftig erfolgreicher sein wird. Dass man trotz Handicaps im Ehrenamt viel erreichen kann, bewiesen vier Männer. Gertrud Knoll, stellvertretende Oberallgäuer Landrätin, und Josef Mayr überreichten die Urkunden. Heinz Böhm aus Durach engagiert sich in Schulen, wo er mit Schülern über das Thema Behinderung spricht. Der blinde 73-Jährige kümmert sich außerdem um Hausbesuche beim bayerischen Blinden- und Sehbehindertenverein, wo er auch sonst recht aktiv ist. Gefragter Rat Peter Mittermaier aus Sonthofen hat einen gelähmten Arm und macht einmal wöchentlich Gymnastik mit Demenzkranken in Immenstadt. Er leitet seit vielen Jahren die Reha-Sportgruppe des TV Sonthofen und eine Selbsthilfegruppe für Osteoporosekranke. Elmar Lange aus Kempten kämpft bei der Münchener Initiative „Basta“ gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker. Da er einst selbst seelische Probleme hatte, leitet er die Selbsthilfegruppe der Psychiatrieerfahrenen in Kempten. Albrecht Hung schließlich ist erster Vorsitzender des Behinderbeirats der Stadt Kempten. Wegen der Barrierefreiheit ist der Rat des Rollstuhlfahrers oft beim Hoch- und Tiefbau gefragt. Schließlich sollten die Menschen mit Behinderung noch erfahren, wo sie sich ehrenamtlich engagieren können. Zur Seniorenbetreuung Altstadt gehören ein Alten- und ein Pflegeheim. Dort sollen die Helfer mit den Bewohnern spazieren gehen, Gespräche führen und Dekorationen basteln, wie Slavia Tillich und Elena Mennicke erklärten. Rudi Goschler vom Haus International sucht Ehrenamtliche mit Geduld und Humor, die dort mit den Kindern lernen und sie bei den Hausaufgaben betreuen. Schöne Stunden durch Spielenachmittage sollen Engagierte den Senioren in der Begegnungsstätte „Kastaniengarten“ Altusried ermöglichen. Das wünschten sich Sonja Wiesner und Maria Winkler. Eine Menge Arbeit wartet auf die Ehrenamtlichen bei der Stadtgärtnerei Kempten. So sollen die Helfer den Weg um den Schwabelsberger Weiher instand setzen, wie Michael Eisenhauer berichtete. Michael Kaps vom Zentralfriedhof Kempten braucht Ehrenamtliche für die Pflege so genannter Sozialgräber. Das sind Gräber, um die sich niemand kümmert, da der Verstorbene keine Angehörigen hatte. Die Idee für diese Aktion kam von den Allgäuer Werkstätten. Auch beim Technischen Hilfswerk in Sonthofen und Kempten können sich Menschen mit Behinderung einbringen. Zuvor müssen sie allerdings eine Grundausbildung durchlaufen. Dem Ruf „Mach mit“ folgten fast alle der behinderten Zuhörer. Bei der Projektbörse trugen sie sich in Listen für ihre gewünschte Einsatzstätte ein. Den Kontakt stellt dann schließlich die Impulse-Bürgerservice gGmbh her.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare