Verkehrsprojekte vorgestellt

Tempo 30 kommt

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Zu jedem Zeitpunkt wurden Bürger und Beteiligte bei der Schaffung eines zeitgemäßen Mobilitätskonzepts 2030 von den Verantwortlichen mitgenommen. Am vergangenen Donnerstagabend wurden nun die Verkehrsprojekte vorgestellt, die im Innenstadtbereich Kemptens zur Verkehrsentlastung bei gleichbleibender Erreichbarkeit umgesetzt werden sollen.

Kempten – Auch in Kempten verstärkte sich in den letzten Jahrzehnten der bundesweite Trend zu immer mehr motorisiertem Individualverkehr in der Innenstadt. Dass es hierbei immer häufiger zu Konflikten zwischen den einzelnen Nutzern und ihren Ansprüchen an die Verkehrsinfrastruktur kommt, ist augenscheinlich und wirft massive Probleme auf.

Allein an neuralgischen Hot Spots wie an der Kronenstraße/Querungsstelle Rathausplatz/Rathausstraße kommt es täglich zu Konflikten zwischen Autofahrern, Fußgängern, Fahrradfahrern, Lieferverkehr und ÖPNV. Lösungen müssen her. Deshalb hatten sich die Verantwortlichen der Stadt unter der Federführung von OB Thomas Kiechle und dem Leiter des Tiefbauamtes und Verkehr, Markus Wiedemann, das Ziel gesetzt, ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept 2030 aufzustellen.

In einem breiten Bürgerprozess hat die Stadt die Leitziele zum Mobilitätskonzept evaluiert. So wurde konkret ein Handlungsbedarf für den Innenstadtbereich erarbeitet, der folgende Mängel aufzeigte: Hohe Verkehrsbelastung im sensiblen Innenstadtbereich, Zerschneidung des Kulturviertels durch den Verkehr auf der Salzstraße, Memminger Straße und Prälat-Götz-Straße und ausbaufähige Radwegeverbindungen sowie Querungsdefizite im Fußverkehr. Das heißt, es gibt zu viele Autos, die in der Innenstadt fahren oder rumstehen. Wer vom Marstall zur Kunsthalle möchte, braucht „Querungsgeduld“ und es wäre schön, wenn der ein oder andere auch mal aufs Rad steigen würde, um in Kempten wohin zu gelangen. Im Bereich der Kronenstraße teilt sich der motorisierte Individualverkehr die Fahrbahn mit Müttern mit Kinderwägen, da diese den zugeparkten Bürgersteig nicht nutzen können, weil dort die Fahrzeuge derer stehen, die an dieser Stelle Döner oder Butterbrezen kaufen möchten.

Die Umsetzung beginnt

Nun lud die Stadt Kempten, die gemeinsam mit den Planungsbüros Urbanes Wohnen München, VCDB und SVU die Leitziele des Mobilitätskonzeptes nach Auswertung von Bürgerbefragungen erstellt hatte, Beteiligte und Verantwortliche zu einer weiteren Zusammenkunft ein. In dieser sollte zum ersten Mal dargelegt werden, wie die Leitziele von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden können. „Jetzt geht‘s ans Eingemachte“, mit diesen Worten stellte OB Kiechle die rund 60 Gäste des Abends auf die fünfte Phase des Mobilitätskonzeptes ein. Nach Begrüßung der Gäste durch Jan Weber-Ebnet von Urbanes Wohnen aus München, schritten Tobias Schönefeld, SVU, und Matthias Zöbisch, VCDB, an den Laptop, um die Anwesenden im Einzelnen über die geplanten Maßnahmen des Mobilitätskonzeptes 2030 zu informieren.

Es wird wehtun

Im folgenden sind die Maßnahmen aufgeführt, die als erforderlich gelten, wenn das erstellte Mobilitätskonzept 2030 seine Leitziele erfüllen soll. Grundsätzlich funktionieren alle aufgeführten Punkte nur unter der Prämisse, wenn die Fahrtgeschwindigkeit aller Fahrzeuge auf allen Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt auf Tempo 30 herabgesetzt wird. Das Tempolimit von 30 km/h ist vorgesehen für die Salzstraße, den südlichen Teil der Memminger Straße, der Prälat-Götz-Straße, den nördlichen Teil der Rottachstraße, der Beet- hovenstraße, des Freudenbergs, der Burgstraße und der Illerstraße. Keine der nachfolgend aufgeführten Punkte kann in die Tat umgesetzt werden, wenn die Höchstgeschwindigkeit auf diesen Hauptverkehrsstraßen nicht auf Tempo 30 herabgesetzt wird: Einführung und Überwachung von Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt; Schaffung einer neuen Eingangsituation in die historische Innenstadt am Kreisverkehr Rottachstaße/Kronenstraße/Pfeilergraben (Unterführung verschwindet); Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für Fußgänger und Radfahrer im Bereich der Sankt-Mang-Brücke; Verbesserung der Querungsmöglichkeiten an der Illerstraße; Neuordnung des Straßenraums in der Salzstraße zwischen Poststraße und Beet- hovenstraße und Verbesserung der Querungsmöglichkeiten in der Beethovenstraße, Freudenberg und Burgstraße.

An folgenden Stellen sind grundsätzliche Veränderungen und Weiterentwicklungen an bestehenden Verkehrssituationen geplant: Entwicklungsmöglichkeiten für die Kronenstraße als Vorrangsbereich für den Fußverkehr; Entwicklungsmöglichkeiten für das Hauptstraßennetz in der östlichen Stiftsstadt; Weiterentwicklung des Vorrangbereichs für den Fußverkehr am Residenzplatz; Verkehrsberuhigung und gestalterische Aufwertung des Straßennebennetzes; Verkehrsberuhigung im Bereich Taubenweg/Mittleres Entenmoos; Verbesserung der Querungsmöglichkeiten über die Salzstraße in Höhe Eberhardstraße und Schließung von Netzlücken im Radverkehr und Schaffung moderner Radverkehrsanlagen.

Jede Stimme wird gehört

Nach den dezidierten Ausführungen der verantwortlichen Projektleiter Tobias Schönefeld von SVU und Matthias Zöbisch von VCDB, hatten die eingeladenen Gäste die Möglichkeit in einer 20-minütigen Pause das Gehörte zu sammeln und eigene Anregungen und Ideen mittels Notizen an kleinen Steckfahnen auf einem ausgebreiteten Übersichtsplan der Innenstadt zu verorten. Anschließend gab es eine Diskussionsrunde, bei der seitens der Beteiligten und Verantwortlichen viele Wünsche und Anregungen geäußert wurden.

Wurde am vergangenen Donnerstag Abend nur über den Straßenverkehr im Zentrum Kemptens gesprochen, wird es am 16. Mai eine ähnliche Veranstaltung zum Stadtgebiet geben, das innerhalb des Rings liegt und Ende Juli folgt laut Plan ein letztes Treffen zur Verkehrssituation in der Gesamtstadt. Für den September wurde eine Abschlussveranstaltung eingeplant. Final ist ein Beschluss zum Mobilitätskonzept 2030 im Stadtrat für Ende 2017 vorgesehen. „Kempten ist eine Stadt, die aktuell einen guten Mittelplatz im Ranking vergleichbarer Städte hinsichtlich der Probleme des innerstädtischen, motorisierten Individualverkehr innehat. Was positiv hervorzuheben ist, ist die breite öffentliche Diskussion hierüber und die Einbindung der Bürger im Lösungsprozess hin zu einem modernen, effizienten Mobilitätskonzept für die Zukunft“, so unisono die beiden Projektleiter Schönefeld und Zöbisch, die aus Sachsen stammen und als Planer bundesweit Projekte dieser Art begleiten.

Jörg Spielberg

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