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Bauausschuss verabschiedet den Bebauungsplan Herrmann-von-Barth-Straße

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Von: Helmut Hitscherich

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Für den Bereich zwischen Pfaudlerweg, Zucalliweg, Höfatsweg , Hermann-von-Barth-Straße, Immenstädter Straße und Heussring wurde ein neuer Bebauungsplan verabschiedet. Der „Franzosenbauer“ und die Grünfläche westlich von XXXLutz sind nicht Bestandteil des Plans.
Für den Bereich zwischen Pfaudlerweg, Zucalliweg, Höfatsweg , Hermann-von-Barth-Straße, Immenstädter Straße und Heussring wurde ein neuer Bebauungsplan verabschiedet. Der „Franzosenbauer“ und die Grünfläche westlich von XXXLutz sind nicht Bestandteil des Plans. © Grafik: Stadt Kempten

Kempten – Wie der Bebauungsplan „Herrmann-von-Barth-Straße“ aussehen soll, darum ging es kürzlich im Bauausschuss. 

Wie kann nachverdichtet und gleichzeitig die Wohnqualität erhalten werden? Das war eine der Fragestellungen.

Bei dem Plangebiet im Südwesten von Kempten handelt es sich um einen gewachsenen, vollständig erschlossenen und bebauten Stadtteil mit einer hohen städtebaulichen Qualität. Entlang der Hermann-von-Barth-Straße befinden sich etliche Geschosswohnungsbauten mit bis zu vier Vollgeschossen. Außerdem prägt der Franzosenbauerhof als Baudenkmal den Straßenzug. An diesem entzündeten sich die Gemüter. „Der Franzosenbauerhof ist als Baudenkmal festgelegt, es sei denn, es wird anders entschieden“, sagte Antje Schlüter, die Leiterin des Stadtplanungsamts. Erwin Hagenmaier (CSU): „Ich bin dafür, dass wir dieses Einzeldenkmal freigestellt lassen. Das hat auch in den Grundstücksverkauf seinen Eingang gefunden. Damals war uns das sehr wichtig, wir haben auf viel Geld verzichtet.“ Theo Dodel-Hefele (Grüne) konnte sich „dennoch vorstellen, dass dort auf der Grundstücksgrenze zwei Gebäude errichtet werden“.

Im Südosten des Geltungsbereiches befindet sich ein Ensemble von eingeschossigen (Winkel-)Bungalows. Ansonsten wird das Gebiet überwiegend durch Einfamilienhäuser geprägt.

Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich zudem markante Grünstrukturen ausgebildet. Die aktuell rechtskräftigen Bebauungspläne haben teilweise sehr großzügige Grundstücke mit einem strikten und verhältnismäßig restriktiven Baurecht zugelassen. Um die vorhandenen Potenziale der großen Parzellen auszunutzen, wurden in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Bauanträge eingereicht, die mehr Wohneinheiten oder ein zweites Vollgeschoss vorgesehen hatten. Aufgrund des geltenden Baurechts mussten diese aber abgelehnt werden. Jetzt wird seitens des Baureferates eine effektivere Ausnutzung der Grundstücke bei gleichzeitigem Erhalt der hohen Wohnqualität angestrebt.

„Nachverdichtungspotential gibt es eher dort, wo Geschossbau ist und nicht, wo Bungalows stehen. Allerdings rechnen wir mit einer langfristigen Entwicklung“, so Florian Eggert vom Stadtplanungsamt. Auf der Grünfläche zwischen Gaishornweg und Heussring kann sich die Verwaltung einen Spielplatz vorstellen. „Aus meiner Sicht kann der Spielplatz dort gebaut werden, obwohl der Straßenlärm erheblich ist“, fand Dodel-Hefele. Für Erwin Hagenmaier ist der Spielplatz „eine gute Idee“.

Im Zuge des Verfahrens wurde die Grünfläche im Osten, gegenüber von XXXLutz – ein Teil ist auch als Bürgerwald bekannt – auf eine mögliche bauliche Nutzung untersucht. Aufgrund der Topografie und der Lage kommt nur eine gewerbliche Bebauung entlang der Immenstädter- und Bahnhofstraße in Frage, eine Wohnnutzung ist laut Untersuchung nicht sinnvoll. Diese „große Grünfläche am Oberstdorfer Knoten hat keine große Relevanz für die Nachverdichtung, daher soll diese Fläche aus dem Geltungsbereich herausgenommen werden“, erklärte Eggert. „Ohne konkrete Baurechtsschaffung ist dort keine Entwicklung möglich“, ergänzte Baureferent Tim Koemstedt.

Der Bürgerwald war vor etlichen Jahren im Zuge einer Pflanzaktion von Bürgerinnen und Bürgern entstanden. Diese Fläche war in der Vergangenheit etliche Male in den Mittelpunkt gerückt. So hatte es einen Antrag gegeben, dort einen Parkplatz für XXXLutz zu errichten. 2016 sollte das Gartencenter Kutter dort angesiedelt werden, was wegen der schwierigen Verkehrsanbindung nicht zustande gekommen war. Nach Informationen des Kreisboten gibt es jetzt wieder zwei Bewerber für diesen Bereich. Erwin Hagenmaier begrüßt, dass diese Fläche aus dem Geltungsbereich herausgenommen wird. „Für mich ist das kein Bürgerwald, sondern ein Verhau. Das ist derzeit keine schöne Eingangssituation für Kempten. Da müsste schon ein Highlight-Komplex hin.“ Koemstedt wies auf den großen Geltungsbereich hin, „die vorhandene Baustruktur muss beibehalten werden, mit dem Boden ist sparsam umzugehen, durch eine Nachverdichtung darf es keine Veränderung der Bebauungsstruktur geben“.

Eine großflächige Nachverdichtung mit Geschosswohnungsbauten ist letztlich nicht vorgesehen. Dennoch sollen in Zukunft bis zu drei Wohneinheiten pro Wohngebäude möglich sein, damit eine moderate Nachverdichtung auf den teilweise sehr großzügigen Grundstücken möglich ist. Auf die alten Beschränkungen der Vollgeschosszahl verzichtet das neue Regelwerk. Dachgeschosse können dann für eine Wohnnutzung ausgebaut werden. Somit besteht künftig die Möglichkeit, auch Wohngebäude mit zwei Vollgeschossen zu errichten, die sich homogen in die Bestandsbebauung einfügen.

Um ein individuelleres Bauen zu ermöglichen, verzichtet man im Bereich zwischen Gaishornweg, Hermann-von-Barth-Straße und dem Grundstück des Kindergartens auf die Festsetzung einer Firstrichtung. Auf den im Süden des Plangebietes liegenden Bungalows sind, nach Prüfung durch das Stadtplanungsamt, weiterhin nur Flachdächer erlaubt. Somit wird gewährleistet, dass der geschlossene, homogene Charakter der Reihenbebauung erhalten bleibt.

Für die bestehenden Geschosswohnungsbauten mit Ausnahme der Gebäude an der Herrmann-von-Barth-Straße, die sich ostwärts der Hochvogelstraße befinden, ist eine Aufstockung von einem Vollgeschoss möglich. Dabei ist das oberste Geschoss als Staffelgeschoss auszubilden, um negative Auswirkungen auf das Straßenbild zu verhindern. Stephan Prause (CSU) hinterfragte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eigentümer aufstocken. Welchen Nutzen haben sie denn von einer Aufstockung?“ Antje Schlüter kann sich vorstellen, dass wenn irgendwann die Gebäudehülle angepasst wird, eine Aufstockung angepackt werden könnte. „Es kann ein Mehrwert entstehen. Die Stadt wird aber nicht auf die Eigentümer zugehen.“ Eine weitere Nachverdichtungsmöglichkeit wird entlang der Immenstädter Straße geschaffen. Hier können künftig ein vier- und ein dreigeschossiges Wohnhaus entstehen.

Mit zwei Gegenstimmen (Theo Dodel-Hefele und Franziska Maurer, beide Grüne) stimmte der Ausschuss dem Vorentwurf und den Änderungen – Herausnahme Franzosenbauer und Grünfläche westlich XXXLutz – dem Bebauungsplan „Herrmann-von-Barth- Straße“ zu.

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