Moderner Bauernhof mit Tradition

Monika Mayer (links) nimmt sich Zeit für Besucher. Als Mutter und gelernte Erzieherin kann sie gut mit Kindern umgehen und beantwortet geduldig alle Fragen. Foto: Würzner

Lederhose und Laptop. Tradition und Moderne. Eine neue und die bewährte Methode, den abseits gelegenen Bauernhof im Oberallgäu zu finden. Entweder Frohnhofen 1 in den Navi eintippen und sich überraschen lassen, wohin die Reise geht, oder grob in Richtung Depsried – Wolfen – Hohenrad fahren und unterwegs nach dem Weg fragen. „Sie wollen zum Oafrer?“ Ein fragender Blick lässt eine Erklärung der weiteren Fahrstrecke folgen. Im Allgäu haben alte Höfe einen Hausnamen, der auch durch Einheirat nicht verändert wird. Beim Ziel unserer Fahrt war die Namensgeberin die Ur-Urgroßmutter vom jetzigen Bauern, hieß Afra und war offensichtlich eine allseits respektierte Bäuerin. Solange der Hof existiert, erinnert der Hausname an sie.

Die Begrüßung von Monika Mayer ist herzlich, sie ist es gewohnt Gäste zu empfangen. Sie engagiert sich im Kampf der Bauern für einen fairen Milchpreis, ihr Hof ist immer das Ziel vieler Neugieriger beim Tag der offenen Stalltür. Die 46-jährige gelernte Erzieherin ist in Kempten, Auf dem Bühl, geboren und aufgewachsen, wollte immer schon Bäuerin werden. Durch die Heirat mit Franz, dem ein Jahr älteren Mechaniker, der den elterlichen Hof übernommen hat, ist der Wunsch erfüllt worden. Die Töchter, 13 und 19, haben bisher offen gelassen, ob ihr Herz an der eigenen Scholle hängt, die von ihren Vorfahren seit 1748 beackert wird. Opa und Oma, die gleich nebenan im Austrag wohnen, würden sich freuen. Die Enkelin und ihr Mann würden einen nach ökologischen Prinzipien geführten Betrieb mit 33 ha und 42 Kühen übernehmen, der ständig erneuert und erweitert wurde. Der Stall ist erst vor 12 Jahren gebaut worden, nach dem damaligen Stand der Technik. Seitdem tragen die Kühe einen Computerchip um den Hals statt einer Kuhglocke, die Futtermenge und deren Zusammensetzung werden nach Milchleistung berechnet. Von Hand wird seitdem auch nicht mehr gemolken, nicht einmal bei Stromausfall. Dann springt ein Notstromaggregat ein und hält die Melkmaschine am Laufen. Die Hörner der Butterhirsche, wie sie von respektlosen Stadtmenschen auch genannt werden, wurden mit der Erfindung des Laufstalls abgeschafft und die Kälbchen sehen Steiff-Tieren ähnlich. Sie haben sogar zwei Knöpfe im Ohr. Anhand dieser Marken kann der Lebensweg von der Geburt bis zum Schlachthof nachvollzogen werden. Neuerdings werden die Löcher für die Seriennummern ausgestanzt, das gewonnene Gewebe wird histologisch untersucht um Krankheiten auszuschließen. Künstliche Besamung Beim Rundgang wird deutlich, dass sich letztendlich alles um die Tiere dreht, das lebendige Kapital eines Milchbauern. 70 000 Euro sind hier wiederkäuend versammelt, Franz kennt sie alle beim Vornamen. So um die 50 Kilo wiegt ein Kalb bei der Geburt, in eineinhalb Jahren bringt es circa 400 auf die Waage. Die entscheidende Veränderung im Leben eines Schumpen steht nun an. Was früher der Stier erledigte, wird jetzt durch künstliche Besamung erreicht. Die Produktion von Nachkommen. Vorteil der unromantischen neuen Version ist die gezielte Auswahl des Spenders. Milchleistung, Fruchtbarkeit, eine leichte Geburt und Futterverwertung können wie in einem Versandhauskatalog ausgesucht werden. Wenn es nicht klappt, wird aus der Kuh eine Wurstkuh. Das Leben mit den Tieren bestimmt den Tagesablauf. Um fünf Uhr klingelt der Wecker, jeden Tag, ohne Ausnahme. Nach dem Melken und Füttern gibts Frühstück für die Zweibeiner, unterbrochen vom Dienst als Mama-Taxi. Der Tag bis zum nächsten Melken um 17 Uhr ist abwechslungsreich. Im Frühjahr nimmt die Pflege der Zäune viel Zeit in Anspruch, im Sommer das Mähen und Silieren vom Gras. Im Herbst will der Fuhrpark samt Maschinen gepflegt werden. Jahreszeitlich unabhängig ist die Waldarbeit und was im Stall so anfällt. Klauenputzen, Geburtshilfe. Und immer wieder der leidige Papierkrieg. Franz hat sich schon lange nicht mehr zum Mittagsschlaf aufs Kanapee gelegt, irgend etwas ist immer zu tun, und sei es nur Nachbarschaftshilfe. Und Monika geht in Altusried Theater spielen, wenn sie sich nicht ausgelastet fühlt. Milchpreis hin oder her, die Mayers würden mit niemandem tauschen wollen. Auf eigenem Grund und Boden im Einklang mit der Natur zu leben, ein hochwertiges Nahrungsmittel herzustellen und die Landschaft im schönen Allgäu eben genau so zu erhalten, ist mit Geld allein nicht aufzuwiegen. Und sollte wieder Vernunft einkehren bei den Verbrauchern und die Arbeit eines Bauern wieder gerecht entlohnt werden, gilt immer noch die alte Weisheit: „ Hat der Bauer das Geld, hats die ganze Welt.“

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