OB überrascht mit ganz neuer Idee: Historische Chance im Stadtpark

Hat die Orangerie als Heimat der Stadtbibliothek bald ausgedient?

+
Für den aus allen Nähten platzenden Standort der Stadtbibliothek in der Orangerie könnte sich durch eine Idee des OB schon bald der „Knoten lösen“.

Kempten – Seit der Gestaltungsbeirat in seiner Sitzung vom 24. November 2016 angeregt hatte, dem Neubau des Sparkassengebäudes am Ort der Tiefgarageneinfahrt auf der Ostseite ein Gebäudependant zu geben, hat der Gedanke OB Thomas Kiechle nicht mehr losgelassen, die einmalige Chance zu ergreifen, an einer Stelle im Stadtpark, an die er gar nicht zu denken gewagt habe, eine von Fachleuten befürwortete Bebauung zu realisieren.

„Für mich ist klar gewesen, dass ein Gebäude hier öffentlich sein muss, weil wir ja auch in einen öffentlichen Bereich eingreifen“, sagte der OB auf Nachfrage des Kreisboten, und hob die einmalige Chance hervor, hier etwas „offenes und besonderes“ zu schaffen, auch als Alternative zur jetzigen wenig schönen, überdachten Tiefgarageneinfahrt.

Zunächst habe er an Kunst gedacht oder „eine kombinierte Nutzung“, dann sei der Schritt nicht mehr weit gewesen zu einer „ganz öffentlichen Nutzung“ und schließlich zur Stadtbibliothek.

Damit würde im Herzen der historischen Stiftsstadt ein „natürlicher Publikumsmagnet“ entstehen, der bestens über die ZUM angebunden und erreichbar wäre sowie in der Nähe etlicher Schulen liege - insgesamt „ein großer Mehrwert und außerordentlicher Gewinn für die nördliche Innenstadt“.

Auch für die Orangerie „löst sich der Knoten“, freute sich Kiechle. Denn so könne eine nachhaltige Lösung für die Stadtbibliothek realisiert werden, die seit Jahren aus allen Nähten platze und in der die fehlende Barrierefreiheit ein Problem sei. Zugleich seien viele anderweitige Nutzungen der Orangerie denkbar, eventuell sogar in Verbindung mit dem benachbarten Klecks-Gebäude. Als eine mögliche Vision sehe er zum Beispiel ein Café in dem sich Kemptener und Besucher begegnen; „wir haben einen „wunderbaren Saal“, in dem etwas mit Kunst und/oder Ausstellungen denkbar sei..... „es ist ein Gebäude für die Stadt“, in dem die Öffentlichkeit Raum haben soll, steht für ihn fest.

Dass sich hier eine nie wiederkehrende Chance biete, hätten in einer ersten Reaktion auch die Bürgermeister und die Vertreter der Stadtratsfraktionen so wahrgenommen. Kiechle ist überzeugt, dass Andrea Graf, Leiterin der Stadtbücherei, mit der er noch diese Woche Gespräche führen wolle, ebenso von der Idee begeistert sein werde, wie die Sparkassen-Vorstände, die „den öffentlichen Mehrwert und die Chance, die sich hier ergibt“, sähen.

Kiechle will seinen Vorstoß rasch konkretisieren, zumal er befürchtet, dass „ein Investor zugreift“, wenn das jetzt nicht „in eine bestimmte Richtung gebracht wird“., Bereits am vergangenen Montag (nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe) hat sich der Gestaltungsbeirat auch im öffentlichen Sitzungsteil erneut mit dem Areal und der noch jungen Idee des Oberbürgermeisters befassen dürfen (Bericht folgt in der kommenden Samstagsausgabe). Laut Kiechle mit Themen wie Gebäudekubatur, Größe des Umrisses, Abstandsflächen etc.. Der Flächenbedarf für die Stadtbibliothek liege zwischen 2500 und 3200 Quadratmetern, also „deutlich mehr“ als am jetzigen Standort, da er sich an den modernen Anforderungen an eine Bibliothek orientiere. Sicher ist sich Kiechle schon jetzt, dass das Gebäude „eine gewisse Dominanz“ bekommen werde, allein schon deshalb, weil die Tiefgarageneinfahrt darin integriert werden müsse.

Mit seiner Idee überrascht hatte der OB den Stadtrat im Anschluss an den öffentlichen Sitzungsteil vergangenen Donnerstagabend. Die ersten Reaktionen von Gremiumsmitgliedern: Für eminent wichtig halte er die architektonische Qualität der Gestaltung. Hier dürfe kein Zweckbau errichtet werden, so Alexander Hold (FW), sondern etwas, auf das man in Kempten stolz sein könne. „Einen Traum in den Raum gestellt“ sah Andreas Kibler (CSU); eine „einmalige Chance“ Siegfried Oberdörfer (SPD); von einer „bestechenden Lösung“ sprach Ullrich Kremser (FDP); „die Idee hat was“ meinte Thomas Hartmann (Grüne). 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) nannte den Gedanken „faszinierend“ und zeigte sich froh darüber, ohne zeitliche Zwänge über dieses wertvolle Areal nachdenken zu können. Dass sich mit einer solchen Lösung auch viele Fragen erledigen, die ein Anbau für die Bücherei an die Orangerie aufgeworfen hätte, zum Beispiel hinsichtlich des Bolzplatzes und eines Eingriffes unter den Hofgarten, wäre aus Sicht des Dritten Bürgermeisters Josef Mayr ein großer Vorteil.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Achtsamkeitstrainerin Grit Ulrike Tautenhahn übt mit Interessierten
Achtsamkeitstrainerin Grit Ulrike Tautenhahn übt mit Interessierten
Äpfel und Gemüse für die Kita
Äpfel und Gemüse für die Kita
Exhibitionist manipuliert Motorrad
Exhibitionist manipuliert Motorrad

Kommentare