"Moment des Innehaltens"

Allgäu-Museum schließt nach 19 Jahren seine Pforten

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Abschied zu nehmen von etwas, das man selbst mit geschaffen hat, tut weh. Das konnte man auch dem 1. Vorsitzenden des Heimatvereins Kempten, Stadtheimatpfleger Tilman Ritter, bei seinen Worten zur Schließung des Allgäu-Museum anmerken.

Kempten – Seinen 20sten Geburtag wird es nicht mehr erleben, das Allgäu Museum, das am 21. März 1999 im Kornhaus seine Pforten für Besucher öffnete. Seither kamen rund 245.000 Menschen, die sich an 7000 Exponaten auf 1500 Quadratmetern, verteilt auf sechs Stockwerke, erfreuen durften.

Darüber hinaus nutzte man den Börsensaal für viele Sonderausstellungen. Nun wird Ende November dicht gemacht und die Verantwortlichen hoffen, viele der Exponate, wenngleich nicht alle, an anderer Stelle öffentlich zugänglich machen zu können. Zuerst überlegte man hinsichtlich der Verantwortlichen, mit einem Festakt die Schließung des Allgäu-Museums zu würdigen. Diese Idee wurde verworfen, denn, so der Leiter des Kulturamtes Martin Fink: „Es liegt kein Grund zum Feiern vor.“ So lud man viele Akteure und Wegbegleiter der letzten 20 Jahre zu einem zwanglosen „Come together“ ein, bei dem Fink einige der Verantwortlichen im Format eines Panoramagesprächs zum Allgäu-Museum interviewte.

Zur Begrüßung im kleinen Saal des Kornhauses stellte Oberbürgermeister Thomas Kiechle fest, dass sich die Tore des Allgäu Museums zwar für immer schließen, dass aber der Umwandlungsprozess der Kemptener Museumslandschaft in regem Fluss und daher die Hoffnung nicht unbegründet sei, dass einige der Exponate an anderer Stelle ausgestellt werden dürften. Viel Lob gab es vom OB an die Verantwortlichen des Allgäu-Museums, das mit seinem Ausstellungskonzept Schlaglichter auf die wesentlichen historischen Ereignisse Kemptens und des Allgäus geworfen habe. Zukünftig würden die drei Säulen „Römerstadt“, „Doppelstadt“ und „Allgäu“ die Grundfeste der Kemptener Museumslandschaft darstellen, gemäß einem der Punkte der Strategischen Ziele 2030 der Stadt Kempten, der da lautet: „Kultur und Tourismus fördern.“

Anekdoten und Erinnerungen

In seinem Panoramagespräch mit Akteuren rund um das Allgäu-Museum verwies der Kulturamtsleiter zuerst darauf, dass sich um das beliebte Museum eine Familie gebildet hat. Und so dankte er allen Museumsführern, Museumspädagogen und vielen anderen ehrenamtlichen Unterstützern wie den Freunden der Kemptener Museen (fkm) für ihr Engagement. „Die Menschen haben das Museum gemacht“, so sein Fazit. Kurzweilige Gespräche, u.a. mit dem 1. Vorsitzenden des Heimatvereins Kempten Tilman Ritter, der Museumsrestauratorin Monika Lingg, Stadtrat Dieter Zacherle und der ehemaligen Museumsleiterin Ursula Winkler, setzten das Programm im kleinen Saal fort. Auch der Begründer des Allgäu-Museums Dr. Rainhard Riepertinger zog ein überwiegend positives Fazit zur kurzen Geschichte des Allgäu-Museum. „Die Namensänderung vom „Heimatmuseum“ zum „Allgäu-Museum“ wurde in den Gründungstagen heiß diskutiert, war aber aus meiner Sicht notwendig, um das neue Ausstellungsformat ein wenig zu entstauben.“ 

Aus Sicht des Museumsexperten sind im Durchschnitt alle 15 Jahre grundlegende Erneuerungen in einem Museum notwendig. Das Allgäu-Museum habe gute Noten von seinen Besuchern erhalten, sei aber in der aktuellen Form nicht zeitgemäß. So fehle zum einen der Anschluss an die Digitalisierung und an zeitgemäße multimediale und beleuchtungstechnische Präsentationsformen. Auch das Thema Inklusion wurde von Riepertinger angesprochen. Dieser empfiehlt zudem eine „harte“ Auswahl an dem, was ausgestellt werden soll und was nicht. Nun bereiten sich alle Akteure darauf vor, mit den Verantwortlichen der Stadt und der Politik auszuwählen, welche der Exponate den Weg in das neue „Kempten-Museum im Zumsteinhaus“ finden werden. Eine Öffnung des neuen Museums wurde am Abend von Kiechle für den Oktober 2019 in Aussicht gestellt. Für Museumsleiterin Christine Müller-Horn steht allerdings fest: „Unsere Objekte sind Teil des kulturellen Erbes der Stadt Kempten und sollten deshalb auch nur vor Ort in Kempten ausgestellt werden.“

Jörg Spielberg

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