Mord oder Totschlag?

Widersprüche und ungenaue Angaben haben den Prozessauftakt im Verfahren gegen den Füssener Michael K. am vergangenen Donnerstag geprägt. Der 28-Jährige soll im August seine Freundin erwürgt und dann ihren Leichnam zerstückelt und im Wald versteckt haben (Der KREISBOTE berichtete). Mit gesenktem Kopf – die dunkelblonden Haare ganz kurz geschoren – und ohne eine Regung nach außen zu zeigen, vernahm der ehemalige Zeitsoldat die Anklageschrift, die der Oberstaatsanwalt Peter Koch verlas.

Michael K. wird beschuldigt, im August vergangenen Jahres seine 23-jährige Freundin Sulanee G., eine Deutsche thailändischer Abstammung, in der gemeinsamen Wohnung in Füssen erwürgt zu haben. Kurz darauf habe er sie in der Badewanne zerstückelt und die Leichenteile an fünf verschiedenen Stellen in der Umgebung um Füssen versteckt. Da er keinen Führerschein und kein Auto besitzt, habe er die Teile im Rucksack transportiert und auf mehrere Male per Fahrrad weggebracht. Was hat ihn zu dieser Tat bewogen? Hat er heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt? Welches waren seine Motive? Um auf diese und eine Menge anderer Fragen Antworten zu finden, beleuchtete der vorsitzende Richter zunächst ausführlich die Kindheit des Angeklagten. Michael K. wurde 1981 in Brandenburg geboren und wuchs dort zusammen mit vier Geschwistern auch auf. Als die Eltern sich scheiden ließen, wurde die Familie auseinander gerissen. K. kam mit etwa sechs Jahren zusammen mit einem Bruder in ein Heim, die restlichen Geschwister wurden anderswo untergebracht. Mehrmals hätten er und sein Bruder versucht, daraus abzuhauen. Das Heim ermöglichte ihm zumindest den Besuch der Grund- und Hauptschule und ein so genanntes praktisches Jahr. Mehrere abgebrochene Lehren und Gelegenheitsjobs folgten. Er gab an, seinen Vater gar nicht mehr zu kennen und seine Mutter seit vielen Jahren nicht mehr gesehen zu haben. Nur mit seinem Bruder habe er noch Kontakt. Fahnenflüchtig 2004 wurde Michael K. in die Bundeswehr nach Füssen eingezogen. Nach der Grundausbildung verpflichtete er sich für zwei Jahre als Zeitsoldat. Er wurde jedoch alsbald fahnenflüchtig und dafür zu so Arbeitsstunden verurteilt. Danach war er arbeitslos, hielt sich mit Schwarzarbeit über Wasser. Im Herbst 2005 lernte er Sulanee G. anscheinend in einer Bar kennen und bezog kurz darauf mit ihr eine gemeinsame Wohnung in Füssen. K. gab auf die Fragen des Richters zwar Auskunft, widersprach sich jedoch häufig und machte selten eindeutige Aussagen. Auch seine Tat gab er nur teilweise zu. Der unbeteiligten Zuhörerschaft im Gerichtssaal dürfte es wohl schwer gefallen sein, den Tathergang in der Tatnacht vom 16. auf den 17. August vergangenen Jahres korrekt zu rekonstruieren. Obwohl der Angeklagte bei einer der ersten Vernehmungen durch die Polizei seine Tat angeblich detailliert beschrieben hatte, konnte er sich nun nicht mehr erinnern, warum und wie er den Mord verübt habe. „Plötzlich ist mir schwarz vor Augen geworden und als ich wieder zu mir kam, lag sie neben mir und meine Hände waren an ihrem Hals.“ Daraus habe er geschlossen, dass er sie getötet haben müsse. Anschließend habe er erfolglos versucht, sie wieder zu beleben. Daraufhin habe er sie ins Schlafzimmer gezogen und auf das Bett gehievt. Dann habe er sich neben sie gelegt und sei eingeschlafen. Nachdem er wieder erwacht war, habe er sich im Internet Anleitungen zur Beseitigung von Leichen herunter geladen. Am nächsten Tag kaufte er in einem Füssener Baumarkt verschiedene Werkzeuge, um sein Vorhaben zu realisieren. Die Staatsanwaltschaft vermutete ein Mordmotiv aus Eifersucht. Denn Sulanee G. wollte sich angeblich vom Angeklagten trennen, was ihr wohl auch ihre Familie geraten habe. Zudem sei sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann eingegangen. Mitteilungen auf dem Handy der Getöteten und entsprechende E-Mails würden dies eindeutig belegen. Versöhnung statt Streit? K. behauptete stattdessen, am Abend des Mordes habe er sich mit G. wieder versöhnt und sie hätten sogar gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet. Es blieben also viele Fragen nur unzureichend oder gar nicht beantwortet. Gutachten und Zeugenaussagen müssen wohl noch einige Unklarheiten und Missverständnisse klären. Die Verteidigung plädiert auf Totschlag, da sie derzeit keine Merkmale eines heimtückischen Mordes erfüllt sieht.

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