"Morgen nicht in der Pfanne"

Zwei gefährdete Fischarten schwimmen jetzt wieder in der Iller

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Über 5000 Nasen schwimmen seit Donnerstag wieder in der oberen Iller. Früher gab es Nasen als Stockfisch auf dem Oktoberfest. Die Fischereiexperten hoffen, dass die Tiere schon diese Saison ablaichen und sind sich sicher, dass der ehemals heimische Fisch in einigen Jahren wieder einen natürlichen Bestand aufweisen wird.

Waltenhofen – Am Donnerstag entließ das Landesamt für Umwelt über 7000 Nasen und Barben, die in der Teichanlage der Dienststelle Wielenbach aufwendig nachgezüchtet wurden, in die Iller bei Waltenhofen-Rauns. Ziel ist, wieder einen normalen Bestand der Fische in der oberen Iller aufzubauen. Bei traumhaften Frühlingswetter waren Vertreter und Verantwortliche des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, des Landesamt für Umwelt und der Fischereifachberatung Schwaben sowie interessierte Gäste zum Besatztermin erschienen.

Die einst weit verbreiteten Barben und Nasen sind in etlichen bayerischen Gewässern bedroht und kommen derzeit auch in der oberen Iller kaum mehr vor, was unter anderem in Wanderungshindernissen durch Wehre und Kanalisierung begründet ist. Insgesamt stehen 90 Prozent der Flussfische in der aktuellen bayerischen Roten Liste. Weltweit gesehen gelten die Gewässerlebewesen als die bedrohtesten Arten überhaupt. Die seit 2000 gültige europäische Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, bis 2027 die Gewässer in einen guten Zustand zu bringen, bzw. einen sehr guten Zustand zu erhalten. 

Der Illerabschnitt bei Waltenhofen-Rauns ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Fluss nach und nach renaturiert wird. Dazu gehört nicht nur der Besatz mit Fischen, sondern im Vorfeld großräumige ökologische Baumaßnahmen, die erst die Lebensgrundlage für die Fische schaffen. 

Zuständig für die Renaturierungsarbeiten ist das Wasserwirtschaftsamt Kempten. In Rauns ist die Iller bisher über 900 Meter verbreitert worden, eingebaut sind unter anderem flache Kiesflächen als Laichplatz und Barrieren zum Anstauen von Schwemmholz als Unterschlupf. Die um 1910 bei Rauns erfolgte Kanalisierung ist damit auf einem weiteren Flussstück rückgängig gemacht. „Es wird natürlich einige Zeit dauern, bis die Natur sich wieder ausbreitet“, informiert das Wasserwirtschaftsamt. 

Zurzeit sei die Iller bei Waltenhofen noch in einem mäßigen Zustand. Am Seifener Becken – hier wurde vor gut zehn Jahren weiträumig renaturiert – ist der Gewässerzustand mittlerweile gut, ein Defizit an Fischen besteht jedoch immer noch. Verpflichtung zum Artenschutz Nicht ganz einfach ist es, die Grundlage für die ökologischen Maßnahmen zu schaffen. 

„Wir brauchen die anliegenden Grundstücke, der Antransport von unzähligen LKW-Ladungen mit Boden ist eine Herausforderung, und die Uferverlegung verlangt auch Baumfällungen“, sagt Dr. Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung Schwaben. Er zeigte sich aber auch begeistert über ein weiteres gelungenes Projekt der Iller-Renaturierung. „Die Fische landen sicher nicht morgen in der Pfanne von Anglern“, beruhigte er etwaige Skeptiker. 

750.000 Euro kostete die bisherige Renaturierung in Rauns, der Weiterbau ist in Planung. Der Präsident des Fischereiverbandes Schwaben, Hans-Joachim Weirather, fügt hinzu, dass die Summe nachhaltig und dauerhaft gut angelegt sei. „Wir besinnen uns mit solchen Projekten auf die Verpflichtung zum Artenschutz.“ Ein positiver Ausblick: „Derartige Maßnahmen sollten in zehn bis 15 Jahren nicht mehr nötig sein.“

Annette Mayr

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