"Motor der Jugendarbeit"

Die Jugendlichen spenden Norman B. Graue von den „Wendejacken“ Applaus. Foto: Kampfrath

Wo einst Trockenhauben und Frisiertische lagerten, frönen Jugendliche seit nunmehr 25 Jahren ihren Hobbys. Gemeint ist das Jugendzentrum Bühl in der Reinhartser Straße 6, das am 16. Mai 1986 seine Pforten öffnete. Am vergangenen Samstagnachmittag feierten die Jugendlichen mit ihren Betreuern und Gästen dieses Jubiläum bei strahlendem Sonnenschein.

An diesem Festtag waren alle irgendwie Jugendliche. Vom Säugling bis zum Senior waren alle Altersgruppen vertreten. Vor dem Eingang des Gebäudes, das bis 1986 als Lager für Friseurbedarf diente, waren mehrere Bierbänke aufgestellt. Auf den Tischen lagen türkisfarbene Kugelschreiber und gelochte Zettelchen, auf denen die Anschrift des Jugendzentrums Bühl abgedruckt war. Darauf sollten die Feiernden später ihre Wünsche verewigen und per Heliumluftballon gen Himmel schicken. Wunschlos glücklich schien die Stadtjugendbeauftragte Regina Liebhaber (SPD) zu sein. Sie freute sich nicht nur wegen des schönen Wetters, sondern auch über das zahlreiche Erscheinen der Jugendlichen und Gäste. „1986 ist viel passiert. Lady Gaga wurde geboren. Deutschland verlor bei der Fußball-WM in Mexiko das Finale gegen Argentinien“, sagte die ehemalige Vorsitzende des Kemptener Stadtjugendrings (SJR), der Träger des Jugendzentrums ist. Sie erinnerte die Anwesenden zudem an tragische Momente des Jahres 1986, wie den verheerenden Supergau in Tschernobyl. Dank an Frick Liebhaber begrüßte unter anderem Referatsleiter Benedikt Mayer und die SPD-Stadträte Siegfried Oberdörfer und vor allem Ludwig Frick, der von 1975 bis 1999 Vorsitzender des SJR war. „Ohne ihn gäbe es euer Haus nicht“, meinte sie zu den Heranwachsenden. Der Jugendtreff sei ein Ort, an dem man seine Freizeit verbringen und sich einen Rat holen könne. Darüber hinaus böten die Betreuer Unterstützung bei der Bewerbung. „Ich wünsche euch allen, dass es Entscheidungen und Momente in diesem Haus gibt, die euch persönlich weiterbringen.“ Sie hofft, auch noch das 50-jährige Jubiläum des Treffs mitfeiern zu können. Die Eröffnung sei aus heutiger Sicht ein gewagter Schritt gewesen, verdeutlichte Johannes Messe in seiner Ansprache. „Die Mitarbeiter sind der Motor der Jugendarbeit“, fuhr der stellvertretende Vorsitzende des SJR fort. Jugendarbeit sei nichts Statisches, sondern immer in Bewegung. Die sei unter anderem durch die Verkürzung der Schulzeiten und das „interaktive Internet“ bedingt. „Durch den demografischen Wandel wird die anwaltliche Begleitung der Jugendlichen immer wichtiger“, so Messe. Als letzter Redner trat Richard Altergott auf. „Ich habe hier so gut wie alle Veränderungen mitbekommen“, sagte der 18-Jährige. Ohne das Jugendzentrum wäre er jetzt wahrscheinlich arbeitslos. „Ich habe hier am Computer all meine Bewerbungen geschrieben.“ Dabei hätten ihm die Betreuer sehr geholfen. „Meine Deutschkenntnisse und Rechtschreibung waren zuvor, äh, naja“, erzählte Richard. Er habe es gut gefunden, dass nach drei Jahren mit drei Frauen mit Christian Wanner „endlich ein Mann“ als Betreuer auf den Bühl gekommen sei. Im Jugendzentrum habe er viele verschiedene Hobbys wie Billard, Tischtennis und Basketball für sich entdeckt. „Es war immer eine verdammt geile Zeit hier. Die Betreuer zeigten mir, dass man auch ohne Stress zu machen ein cooler Hund sein kann“, betonte der Auszubildende. Für seine Worte erntete Richard viel Applaus und Lob. Die Leiterin des Jugendzentrums Bühl, Nicole von Struensee, wies kurz auf das Programm hin. Wie die anderen Mitarbeiter des SJR war sie froh darüber, dass Kurt Achthaler unter den Gästen war. Der ältere Mann ist Besitzer und Wirt des benachbarten Lokals „Zapfhahn“. Nach Kaffee und Kuchen herrschte bei der Luftballonaktion großer Andrang. Ein Junge mit glatten, schwarzen halblangen Haaren sang begeistert: „Helium, Helium“. Amira (12) wollte nicht verraten, was sie auf ihren Zettel geschrieben hatte. „Mein Wunsch bleibt geheim.“ Als der Wind die bunten Luftballons davontrug, meinte ein anderes Mädchen: „Mein Ballon ist voll hässlich“. Keinerlei Beschwerden gab es hingegen beim Auftritt der beiden „WendeJacken“ Norman B. Graue und Nadine Schneider. Mit ihrem Improvisationstheater kamen die Schauspieler gut bei den Jugendlichen an. In einer Szene stellten sie auf Wunsch der Teenager Mutter und Sohn in einer Heimatfilmkomödie dar. „Sei froh, dass dei Vatter it do isch“, allgäuerte „Mutter“ Nadine. „I wois it amol, wer mei Vatter isch. Wahrscheinlich der Mutschatscho“, antwortete „Sohn“ Norman, wobei ihm sein junges Publikum diesen spanischen Namen eingeflüstert hatte.

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