Mulmiges und Wohlriechendes

Martin Rieg vom Wasserwirtschaftsamt demonstriert mit Wasser und Schwamm die Macht des Wassers. Foto: ons

Was ist, wenn ein „finsterer“ Mensch anrückt und ein Ausweichen nicht mehr möglich ist? Für Oberkommissar Winfried Martin gibt’s da nur eines: laut sein, entschieden auftreten. Mit ausgestreckter Hand dem potentiellen Täter ein lautes „Stopp“ entgegenrufen. Letzteres lässt er immer wieder üben im Rahmen seines Selbstbehauptungs-Seminars. Es ist eines von sechs Seminaren der 5. Wochenend-Universität für Menschen mit Behinderungen.

Zusätzlich ließ Kameramann Thomas Brigaldino in seinem Workshop Kameraschwenks üben und auch erste Filmbearbeitungsschritte ausführen. Gut belegt war auch das Seminar mit Kräuterfrau Petra Le Meledo-Heinzelman. Handlungsorientiert ging sie zu Werke, ließ ihre „Studenten“ Spitzwegerich-Blätter in den Handflächen reiben, um diese im Falle von Insektenstichen und anderen kleinen Verletzungen auf die Haut legen zu können. Angetan zeigten sich die Seminarteilnehmer vom Duft des Lavendelbüschleins, das die Kräuterfrau mitgebracht hatte. Vielfach verwendbar sei dieser Rosenbegleiter, so Meledo-Heinzelmann: Als Mückenvertreiber, als Tee- und Gewürzpflanze und auch als Duftöl, das gegen Unruhe und Kreislaufbeschwerden eingesetzt werden könne. Von der Sache her eher trocken musste natürlich das Europa-Seminar von Professor Dr. Ernst Führich wirken. Ob er in 50 Minuten tatsächlich eine Begeisterung für Europa weckte? Dieses Vorhaben sei dahingestellt, denn einige „Studenten“ hatten eher ein mulmiges Gefühl, als das Schlagwort von der „Euro-Rettung“ fiel. Dennoch erfuhren die Seminaristen so einiges, beispielsweise die Gründungsmotivationen und Regierungsorgane der EU. Eher Mulmiges führte auch Dipl.-Ingenieur (FH) Armin Rieg vom Wasserwirtschaftsamt vor Augen. Da war der Film mit Urgewalten und Unwettern in den Bergen. Da gab es Lichtbilder vom Augusthochwasser 2005. Und eben einige Versuche. Zum Beispiel das Begießen eines Schwammes, der die große „Regen“-Menge schon bald wieder abgeben musste. Dagegen zeigte der Physiotherapeut Gerd Gradwohl eher triumphale Fotos. Wie er als Sehbehinderter 2006 bei den Paralympics die Goldmedaille im Bereich Ski-alpin gewann. Und danach von Prominenten wie Bundespräsident Horst Köhler oder auch Fußballidol Uwe Seeler beglückwünscht wurde. Allerdings: Die harten Trainingsbedingungen blieben dem Publikum nicht verborgen. Und so zeigten sich einige Seminaristen später doch sehr ermutigt. Denn auch Menschen mit Behinderungen könnten Großes schaffen, hieß es unisono. Verschiedene Wege Die unterschiedlichen Wege und Zermonien der Menschen auf dem Weg zu ihrem Gott offenbarte der evangelische Pfarrer Friedrich Martin, der über Weltreligionen referierte. Über den Wissendurst der 110 Teilnehmer mit ihren 30 Betreuern freute sich Organisatorin Ursula Ullemair. Sie dankte den vier Institutionen, die diese Wochenend-Uni ermöglicht hatten: Körperbehinderte, Lebenshilfe, die Allgäuer Werkstätten und natürlich die Hochschule. Durch ihr Engagement habe man, so Ullemair, das Grundrecht auf Bildung für alle realisiert. Allerdings, für Geschäftsführer Reinhold Scharpf (Körperbehinderte Allgäu) solle es solche Bildungsanreize das ganze Jahr über geben. „Vielleicht kann die Volkshochschule bei ihrem Programm die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung noch mehr berücksichtigen“, so Scharpf.

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