Musik aus dem "wilden Osten"

Chef-Organisator Dr. Franz Tröger (v.l.), Heinrich Baur (Gründungsmitglied Freundeskreis Fürstensaalkonzerte e.V., Förderer FürstensaalClassix) und Künstlerischer Leiter Oliver Triendl bei der Vorstellung des diesjährigen Programms. Foto: Bitsch

„Warum gerade Ungarn?” Diese spannende Frage erging, neben anderen, während des Pressegesprächs im Theatercafé an die Initiatoren, Organisatoren und Sponsoren der „FürstensaalClassix“ und des Freundeskreises Fürstensaalkonzerte e.V. Dr. Franz Tröger (Hauptorganisator), Oliver Triendl (Künstlerischer Leiter und Pianist) sowie Heinrich Baur (Gründungsmitglied und Förderer) standen dazu Rede und Antwort. Aus Budapest war außerdem via Skype der diesjährige „Composer-in-Residence”, Komponist und Professor an der Budapester Franz-Liszt-Akademie, László Tihanyi, zugeschaltet.

Im Grunde jedoch beantwortet das Motto des mittlerweile 7. Internationalen Festivals der Kammermusik, das vom 16. bis 23. September in Kempten stattfindet, die Frage selbst: „Éljen a magyar! Ungarn: Kammermusik mit Paprika“. Musik voller Leidenschaft und großer Gefühle, feurig-scharf oder schmeichelnd-mild, westlich orientiert und folkloristisch inspiriert, versprechen die FürstensaalClassix heuer. Musik aus dem „wilden Osten“, wie der ungarische Schriftsteller Györgi Petri sein Heimatland einmal bezeichnete, und die die von den Ost-West-Gegensätzen geprägte Geschichte des Landes auf ihre ganz eigene Art interpretiert und vereint. Mit einem Satz: „Brennend“ heißer, interessanter Stoff für ein musikalisches Festival. László Tihanyi beschreibt seine Musik so: „Ich fühle ungarisch, aber schreibe meine eigene Musik.“ Derzeit komponiert er an seinem Klavierquintett „Rundherum“, das in Kempten zur Uraufführung kommen wird. Andererseits werden bei den „FürstensaalClassix“ auch vertraute Klänge aus früheren Zeiten wie das „Zigeunertrio“ von Joseph Haydn (1732-1809), zeitgenössische Werke von Béla Bartók, Zoltan Kodály oder László Sáry (Triptichon für Violoncello und Cymbalon) zu hören sein. Ein Repertoire, das drei Jahrhunderte ungarische Musikgeschichte umfasst, von Klassik bis Avantgarde, mit Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert. Den Initiatoren, allen voran Dr. Franz Tröger und Oliver Triendl, ist es auch in diesem Jahr gelungen, eine spielfreudige Musiker-elite aus allen Ecken Europas nach Kempten zu holen, die (immer wieder) liebend gerne ins Allgäu kommt und die einzig und allein ihr „musikalischer Paprika im Blut“ antreibt. Heuer mit Schirmherr Mit dem Pressegespräch feierten die „FürstensaalClassix“ eine Premiere – doch damit nicht genug. Zum ersten Mal gibt es einen Schirmherrn für das Festival, den ungarischen Generalkonsul Tamás Mydlo von München. Er kündigte an, nicht nur dem Festivalauftakt, sondern möglichst allen Konzerten beiwohnen zu wollen. Neues "Schnupperkonzert" Neu sind auch die Spielorte der öffentlichen Proben. Täglich ab etwa 9 Uhr können diese kostenlos im TheaterOben und in der Stadtsäge des AÜW, statt wie bisher im Schönen Saal der Sing- und Musikschule, besucht werden. Damit sind die Spielorte nahe am TheaterInKempten (TIK) konzentriert und bieten sowohl Musikern, Musiklehrern und Schulklassen als auch allgemein Interessierten die Möglichkeit mit zu erleben, wie aus einem Musikstück ein „scharfer“ Ohrenschmaus wird. Übersichtlich und benutzerfreundlich präsentiert sich ab sofort die neue Homepage unter www.fuerstensaalclassix.de. Das besondere Highlight in diesem Jahr ist das „Schnupperkonzert“ zum kleinen Preis am Sonntag, 16. September, als Auftakt des Festivals. Musikliebhaber, Freunde der Fürstensaal Classix, aber auch „noch Unentschlossene“ und Neulinge können für zehn Euro einen vielversprechenden Musikabend genießen. Auch wenn es sich nach Wunsch der Festivalmacher in den Besucherzahlen noch deutlicher niederschlagen dürfte, die FürstensaalClassix erfreuen sich längst internationaler Beliebtheit – besitzen sie doch einige Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen Musikfestivals. Laut Dr. Franz Tröger seien hier insbesondere die Herausgehobenheit des Angebots, die Musterhaftigkeit des Gebotenen, die spezifische Eigenart der Darbietung und die eigenständige Prägung durch eine Idee zu nennen. Jährlich steht das Festival unter einem anderen Thema, Land, Region oder Komponisten. Internationale Musikgrößen treffen hier auf noch namenlose Künstler. Bekannte Musikwerke als auch – und das ist besonders hervorzuheben – unbekannte, selten oder noch nie gehörte Stücke werden in gemeinsamen Proben entwickelt und zur Perfektion gebracht. Die familiäre Atmosphäre versetzt die Musiker in höchste Spiellaune, was wiederum nicht nur Musikkennern und -freunden zugute kommt, sondern insbesondere auch Laien, Musikneulingen und eher „Unmusikalischen“ den Zugang zur klassischen Musik ebnet. Auf ein Wiedersehen mit Ragnar Söderlind, dem Composer-in-Residence 2009, freuen sich die Veranstalter des Festivals, sicher aber auch viele „Classix“-Freunde wohl ganz besonders. Denn er wird, neben László Tihanyi, das Festival ebenfalls mit einer Uraufführung bereichern, und zwar mit einer Komposition über eine ungarische Stadt. Auch heuer findet das Festival wieder im TIK statt, da der Fürstensaal derzeit noch nicht wieder für größere Veranstaltungen gebucht werden kann.

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