Musiknacht-Jubiläum glückt

„Heute Nachmittag waren meine Nerven angespannt bis zum Zerreißen“, so beschrieb Ira Wild, die Leiterin des Gästeamtes Weiler-Simmerberg, die Situation im Vorfeld der Musiknacht „Kleine Kunst auf kleinen Plätzen“. Zwischen 15 und 16 Uhr am vergangenen Samstag war noch ein heftiger Regen über Weiler niedergegangen, doch am Abend klarte der Himmel auf und es war trocken. Die Entscheidung, die Musiknacht stattfinden zu lassen oder abzusagen, war diesmal wirklich schwer. Doch mit dem Ende des Regens löste sich die Anspannung und Tausende belohnten die mutige Entscheidung der Organisatoren mit dem Besuch der Musiknacht. Schon zum zehnten Mal konnten sich die Gäste an dem vielseitigen Musikangebot auf den kleinen Plätzen in Weiler erfreuen.

Bereits vor dem offiziellen Beginn waren die Musiker von „Latin Love Affair“ durch nichts mehr aufzuhalten. Sie legten schon kurz vor 20 Uhr einfach los und heizten dem Publikum auf dem Widmannsplatz mit südamerikanischen Rhythmen ein. Die Spielfreude war ihnen sichtlich anzumerken. Nur wenige Schritte weiter vor der Raiffeisenbank machte sich kurz darauf die „Boogie Connection“ ans Werk. Thomas Scheytt griff in die Tasten seines E-Pianos, Hiram Mutschler gab den Takt am Schlagzeug an und Christoph Pfaff griff in die Saiten seiner Gitarre. Blues und klassischer BoogieWoogie waren hier zu hören. Teils melancholisch und getragen, dann wieder schnell und rhythmisch, die Programmfolge, die die drei Musiker virtuos präsentierten, war abwechslungsreich und breit gefächert. Schwarze Haare, schwarz geränderte Brille, akkurat gestutztes Oberlippenbärtchen, schwarzer Pullover und dunkle Jeans, so saß Thomas Scheytt an seinem Piano. Bis auf die glänzenden Lackschuhe, mit denen er den Takt stampfte, bot der Pianist ein eher unspektakuläres Bild. Scheytt lebt den BoogieWoogie, das war nicht zu übersehen und noch viel weniger zu überhören. Mit 17 Jahren entdeckte er seine Liebe zu dieser Musikrichtung und heute gehört er wohl zu den besten Boogie-Pianisten im ganzen Land. Seine Finger tanzten über die Tasten, er demonstrierte sein Können und zog das Publikum in seinen Bann. Kraftvoll und wandlungsfähig auch die Stimme von Christoph Pfaff. Wunderbar intonierte er Musikklassiker wie den getragenen Titel „Ain´t Nobody´s Business“ von Jimmy Witherspoon oder die flotte Chuck Berry Nummer „Sweet Little Sixteen“. Kein Wunder, dass es vor der Bühne der „BoogieConnection“ schon kurz nach 20 Uhr kaum noch ein Durchkommen gab. „Die Vielfalt der Musikrichtungen ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse“, wusste Erwin Feuerle zu berichten. Die Idee, die aus einem Tourismuskonzept der 90er Jahre stammt, hat sich zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Marktgemeinde Weiler-Simmerberg entwickelt. „Es ist eben keine normale Kneipennacht wie man sie kennt, wir spielen nicht drinnen, wir spielen draußen“, erklärt Feuerle das Konzept. Die Gemeinde Weiler bietet sich dazu gerade an, immer wieder gibt es kleine Plätze, die für die Auftritte wie geschaffen sind. Sie bieten Akteuren und Publikum ein herrliches Ambiente und sie schirmen ab, sodass sich die Musik nicht störend überlagert. Und vielseitig war das Musikangebot auch in diesem Jahr. Von Folk bis Country Auf dem Kirchplatz gab es Partysound mit den „Allgäuer Dorfmusikanten“, der Liedermacher Werner Specht trat mit seiner Gruppe vor dem Haus Elisabeth auf, der „Big Band Club Dornbirn“ swingte vor dem Gästeamt und „Erik & the Peacemakers“ boten Westcoastmusik und Countrysongs vor der Druckerei Holzer. „Die Lanigans“ brachten am Hausbach Irish Folk-Rock zu Gehör und gleich zum Auftakt stand der Nachwuchs der Jugendmusikschule mit verschiedenen Formationen auf der Bühne. Eine gelungene Veranstaltung und die Wallfahrt, auf die sich Ira Wild jedes Jahr im Vorfeld der Musiknacht begibt, hat diesmal eindeutig geholfen. Für gutes Wetter und ein Gelingen der Veranstaltung war sie mit zwei Kolleginnen in einem fünfstündigen Fußmarsch von Weiler nach Sommersbach zur dortigen Kapelle gepilgert.

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