Junge Asylbewerber locken Fernsehen und Radio nach Dietmannsried

Muslimische Sternsinger

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Das Kamerateam, das die Sternsingergruppe über drei Stunden begleitete, drehte unter anderem in der katholischen Pfarrkirche Dietmannsried.

Dietmannsried – Das war eine Aufregung heuer bei den Sternsingern in Dietmannsried! Zuerst kam ein Kamerateam des Bayerischen Fernsehens und direkt im Anschluss der Bayrische Rundfunk, um über eine Besonderheit zu berichten: Unter den rund 50 Sternsingern der Gemeinde waren nämlich auch drei muslimische Asylbewerberbuben aus Pakistan.

Dreieinhalb Stunden lang begleitete das Fernsehteam die Sternsingergruppe, in der Ali Husnain (14) mit seinen beiden Brüdern Ali Zain (10) und Ahmad Anas (8) als Heilige Drei Könige verkleidet mitwirkten, um Spenden für Kinder in Not zu sammeln. In dem rund dreiminütigen Beitrag, der daraus entstand, sind sie dabei zu sehen, wie sie zusammen mit ihren einheimischen Sternsinger-„Kolleginnen“ Jana, Linda und Lilli von Haus zu Haus gehen, um dort ein Lied zu singen, die traditionellen Sprüche aufzusagen und den Segen 20*C+M+B+16 („Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“) mit Kreide an die Tür jedes Spenders zu schreiben (bzw. als Folie aufzukleben).

Die Jungen kommen aus Pakistan und leben mit ihrer verwitweten Mutter und ihren beiden Schwestern seit rund eineinhalb Jahren in einer Asylbewerberunterkunft in Dietmannsried, wo sie auch zur Schule gehen. Zwar waren sie auch schon im vergangenen Jahr als Sternsinger unterwegs, damals jedoch ohne mediales Aufsehen. Dass Muslime an dem jahrhundertealten katholischen Brauch teilnehmen, sieht der Dietmannsrieder Organisator der Sternsinger, Thomas Fetzer, absolut nicht als Problem. „Die Jungen sind uns ausdrücklich herzlich willkommen. Ich finde es klasse, dass sie mitmachen!“, betont er und erinnert: „Schließlich stammten die Drei Heiligen Könige auch aus einem fernen Land. Zudem sind die Sternsinger eine weltweite Aktion. Unter anderem werden damit 17 Projekte allein in Pakistan unterstützt. Warum sollten da also gerade Kinder aus Pakistan nicht mitwirken dürfen?“Die drei Buben hätten von sich aus gerne helfen wollen, um ein bisschen von dem Guten zurückgeben zu können, das ihnen hier widerfahren sei, sagt Fetzer. Ein positiver Nebeneffekt des Ganzen sei, dass sie dabei noch besser integriert würden und auch christliche Traditionen kennenlernten.

"Gut und lustig" 

Ali Zain, Ali Husnain und Ahmad Anas hat das Ganze jedenfalls großen Spaß gemacht. „Gut und lustig“ sei es gewesen, sind sie sich danach einig. Vor allem über die Süßigkeiten, die sie geschenkt bekamen, hätten sie sich sehr gefreut. „Aber die Dreharbeiten waren auch ein bisschen anstrengend“, geben sie zu. Schließlich musste die Gruppe ihr Lied vor jedem gefilmten Hauseingang dreimal singen und zudem unzählige Male dasselbe Stück der Straße auf und ab gehen, bis alles zur Zufriedenheit des Fernsehteams im Kasten war. Der Beitrag wurde am 4. Januar in der Sendung „Abendschau – Der Süden“ im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt (Hier der Link zum Film in der Mediathek: www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau-der-sueden/sternsinger-dreikoenig-dietramsried-100.html). Als er zudem im Rahmen des Dankesessens für die jungen Helfer, das die Familie Fetzer alljährlich zum Abschluss der zwei Tage veranstaltet, gezeigt wurde, war den Dreien die Mischung Unwohlsein, sich auf der großen Leinwand zu sehen und Stolz deutlich anzumerken.

Stolz können sie übrigens alle sein, die rund 50 Kinder und Jugendlichen, die im Hauptort Dietmannsried und in Überbach unterwegs waren. Sie bekamen heuer einen rekordverdächtigen Spendenbetrag von 8264,89 Euro zusammen. Deutschlandweit wurden mehr als 45 Millionen Euro gesammelt.

Sabine Stodal

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