"Es muss was passieren"

Die CSU-Spitze will sich in Berlin und Brüssel für einen fairen Milchpreis und die finanzielle Entlastung der Milchbauern einsetzen. Wie, das hat sie jetzt in einem Positionspapier festgelegt. Staatssekretär Dr. Gerd Müller warb vergangenen Mittwoch in der CSU-Geschäftsstelle vor Vertretern von Bauernverband, des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der Presse für das Papier. Die Bauernvertreter hießen den Maßnahmenkatalog durchaus gut, mahnten aber gleichzeitig an, dass er nur auf dem Papier noch gar nichts Wert ist.

Vor einem Höfesterben ab kommenden Herbst warnte Andreas Steidele, Kreisvorsitzender des BDM. Angesichts eines Milchpreises von etwa 24 Cent pro Liter fehlen den Allgäuer Milchbauern rund drei Millionen Euro monatlich. „Das ist Geld, das wir sonst investiert hätten“, erklärte er. Zur finanziellen Entlastung hat die CSU-Spitze vergangene Woche deshalb mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, die es jetzt gilt Bundes- und Europa weit durchzudrücken. Zum Beispiel wollen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, Müller, Seehofer und Co. die Direktzahlungen der EU an die Bauern auf Mitte Oktober vorziehen. Brüssel zahlt die Landwirte sonst im Dezember aus. Das werde zwar die Bauern nicht retten, meinte Alfred Enderle vom Bauernverband, „aber es nimmt den Druck von den Betrieben“. Bedingungen angleichen Viel wichtiger ist den Bauern dagegen eine europaweit einheitliche Steuer auf den Agrardiesel. In Deutschland müssen die Landwirte mit die meisten Steuern auf den Diesel in ganz Europa zahlen. In Frankreich, den Niederlanden oder Dänemark sei diese Abgabe verschwindend gering – eine Wettbewerbsverzerrung, meinen die Landwirte. Im CSU-Positionspapier verspricht das Bundeslandwirtschaftsministerium zumindest gute Absichten. Harsche Kritik übte Müller am Einzelhandel, der alle seine Versprechen bezüglich verantwortungsvoller Milchpreise gebrochen habe. Anders als beim Benzin, wo in der Kette vom Erzeuger über den Veredler bis an die Tankstelle die Maxime „Wer bietet mehr?“ zu gelten scheine, unterbieten sich Molkereien und Einzelhändler stattdessen im Preis. Er plädierte dafür, neue Märkte zu erschließen und neue Marketingstrategien zu entwickeln. Eine „Milchland Deutschland“-Marke müsse her, um heimische Milchprodukte entsprechend zu bewerben, und das nicht nur in Allgäuer Supermärkten. Auch im Ausland sah Müller noch Potential, „die Märkte liegen brach“, meinte er gar. Dafür müssen Bauern wie Molkereien jedoch mitziehen. Ein großer Markt sei zum Beispiel Japan, wo die Nahrungsmittelpreise rund dreimal so hoch seien wie bei uns, ein Markt, der mit hohen Absatzpreisen locke. Von den Allgäuer Erzeugern habe er niemanden begeistern können, mit ihm zu einer Lebensmittelmesse nach Tokio zu fahren. Ebenso sträuben sich laut Müller die Molkereien, an Modellschulen testweise Milchgetränke in Automaten anzubieten, kritisierte er. Gentechnikfreie Milchprodukte im Sortiment einer namhaften deutschen Supermarktkette zu platzieren, sei kürzlich trotz großen Aufwandes gescheitert, nämlich an der mangelnden Nachfrage des Kunden, erklärte Steidele. „Wir brauchen wieder ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“, ergänzte er.

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