Mutiger Einsatz für die Chapuis-Villa

Gerüchte über möglichen Verkauf der Chapuis-Villa sorgen für Entrüstung

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Die ehemalige SPD-Stadträtin Ingrid Jähnig (r.) hat sogar ihre Zimtsterne stehenlassen, als sie sich spontan zur Ein-Frau-Demo gegen den Verkauf der Chapuis-Villa entschied. Der Einsatz mit Ratsche und Plakat stieß durchaus auf Interesse von Passanten, wie hier von Madeleine Cherrier (l.).

Kempten – Als „sehr spontan“ hat die ehemalige SPD-Stadträtin Ingrid Jähnig ihre Ein-Frau-Demo vor dem Kemptener Rathaus am Mittwochnachmittag bezeichnet. Dort sollte nach ihren Informationen im nichtöffentlichen Liegenschaftsausschuss über einen möglichen Verkauf der Chapuis-Villa beraten werden,

vielen als Villa Viva geläufig, in der die Körperbehinderte Allgäu bis vor Kurzem eine Tagespflege für Schädel-Hirn-Verletzte betrieben hatte.

Dass das geschichtsträchtige, „herausragende Gebäude“ in prominenter Lage als Renditeobjekt verkauft werden soll, „geht mir gegen den Strich“ sagte sie gegenüber dem Kreisbote. Außerdem „sollte so eine wichtige Sache öffentlich diskutiert werden und gehört nicht hinter verschlossene Türen.“ Mit Plakat und Ratsche machte sie vor Sitzungsbeginn auf das Thema aufmerksam und hoffte, dass es bei den Gremiumsmitgliedern, die an ihr vorbei mussten, „etwas bewirkt“. Dass da jetzt ein Investor Geld damit verdienen könnte, ärgere sie besonders deshalb, weil hinter dem Haus ein „sehr starkes bürgerschaftliches Engagement steckt“, ähnlich wie beim Stadttheater. Viele Jahre sei das Gebäude leergestanden, dann sei Anfang der 1990er-Jahre ein Kuratorium gegründet worden, das Geld gesammelt habe, um die Renovierung stemmen und es einer Nutzung zuführen zu können. Jähnig erzählte unter anderem vom Verkauf von „Dachziegel-Lebkuchen“ aus der Bäckerei Grünwald; von einem spontanen Klavierkonzert in der Villa, in dem die damaligen Kantoren Hans Gurski von der St.-Lorenz-Kirche, und Ulrich Knörr von der St.-Mang-Kirche, zusammen improvisiert hätten. Nun will sie für den Verbleib der Liegenschaft in der Kommune kämpfen.

Vor zwei Tagen habe er erstmals mit Erstaunen von den Überlegungen erfahren, sagte Stadtheimatpfleger und 1. Vorsitzender des Heimatvereins Kempten, Tilmann Ritter, auf Nachfrage und fügte entrüstet an: „Ich bin strikt gegen den Verkauf“ der denkmalgeschützten Chapuis-Villa. Sie habe einen bedeutenden Stellenwert in der Kemptener Geschichte und „sollte nicht an jemanden verkauft werden, der irgendwann sagt, jetzt reißen wir sie ab“. Um diese Möglichkeit, die trotz Denkmalschutz bestehe, zu minimieren, „sollte sie in städtischer Hand bleiben“. Darüber hinaus sei sie ein „Baustein“, was die Römersammlung betreffe und die Archäologie ja bereits im Nebengebäude. Mit einem Verkauf „verbaut man sich, überhaupt darüber nachzudenken“, wie das Gebäude eingebunden werden könnte. „Meines Erachtens ist das ein Schnellschuss“, hofft er auf den Weitblick des Gremiums.

Kopfschütteln auch bei den Altstadtfreunden. Vorsitzender Dietmar Markmiller sprach gegenüber dem Kreisboten von einem „strategischen Gebiet“, vor allem bezüglich der Anbindung an den Archäologischen Park Cambodunum (APC). OB Thomas Kiechle habe bei der letzten Jahreshauptversammlung des Vereins ja ausführlich über das geplante Römermusem in diesem Bereich gesprochen, „was wir vollstens unterstützen würden“, auch, weil es die Verbindung zwischen Kemptens Zentrum und Kempten-Ost voranbringen würde. Nun gebe es „offensichtlich Bestrebungen, die wir ganz und gar nicht nachvollziehen können“. Die Informationen, die den Altstadtfreunden zu Verkaufsüberlegungen vorgelegen hätten, „lösten im Vorstand nur Kopfschütteln aus“, hoffen auch sie darauf, dass der Liegenschaftsausschuss am Mittwoch „strategisch entschieden hat“ und die Chapuis-Villa nicht verkaufe.

Für Erleichterung dürfte die Entscheidung des Liegenschaftsausschusses gesorgt haben. Wie Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, am Donnerstagmorgen auf Nachfrage mitteilte, bleibt das Gebäude in städtischer Hand. Man habe sehr wohl die Frage diskutiert, ob die Chapuis-Villa verkauft werden solle. „Interessenten gibt es immer wieder, vor allem in so einer Lage“. Die Idee der Verwaltung, in dem Gebäude eine städtische Kindertagesstätte einzurichten, habe aber aufgrund des großen Bedarfs an KiTa-Plätzen mehr Anklang gefunden. Das Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport solle laut Beschluss des Liegenschaftsausschusses nun prüfen, inwieweit das Gebäude für eine KiTa geeignet ist. Hier gehe es vornehmlich um technische Details und den Einzugsbereich, der wegen der Nähe zur Straße vor allem fußläufig sein müsse. Der Denkmalschutz sei mit der Kindertagesstätte nicht in Gefahr. Das Amt solle nach der Prüfung die Beschlüsse zur Einrichtung der KiTa vorbereiten. Dann müssen noch weitere städtische Gremien über die Frage entscheiden.

„Ob eine KiTa eine langfristige Lösung ist oder nur eine Interimslösung, das ist noch offen“, erklärte Schließl. Da das gesamte Areal langfristig eine Rolle spiele für die Frage, „wie gelangt man zum APC hinauf?, würden auch Untersuchungen laufen, wie man das Areal an den APC anschließen kann. „Denn das schließt sich ja nicht aus.“ Die Entscheidung, ob das Römermuseum, das derzeit im Gespräch ist, in der Chapuis-Villa untergebracht werden kann, ist laut Schießl noch zu früh. „Derzeit prüfen wir noch verschiedene Standort-Optionen“, sagte er.

Christine Tröger/Susanne Kustermann

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