Stadtverwaltung in der Verantwortung?

Schweizer kehren Kempten den Rücken

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Im Streit um das "große Loch" operieren die Investoren künftig von Berlin aus.

Kempten/Berlin – Die Schweizer Grundstücksgemeinschaft Ritter&Kyburz GbR, Besitzer des „großen Lochs“, hat ihren Sitz von Kempten nach Berlin verlegt. Das teilten die Eidgenossen am Freitag in einem Brief an den Kreisbote mit.

Als Grund nannten sie Drohanrufe und ein zerkratztes Auto. Gleichzeitig kündigen die Schweizer aber an, „mit allen gebotenen juristischen Mitteln“ ihr Baurecht weiter zu verfolgen. 

Nach Drohanrufen („Verpisst euch, ihr Schweizer!“) und nachdem eines ihrer Autos mit Züricher Kennzeichen mutwillig zerkratzt worden sei, ist die Ritter&Kyburz GbR von Kempten nach Berlin umgezogen. Mitverantwortlich machen die Eidgenossen dafür die Stadtverwaltung Kempten: „Leider ist aber die Polemik und Agitation der Stadt Kempten bei einigen wenigen 'Bürgern' nicht ohne Wirkung geblieben und zwar der Gestalt, dass wir Ziel von Telefondrohungen wurden“, schreibt die Grundstücksgemeinschaft. Natürlich handle es sich dabei lediglich um „eine verschwindende Minderheit“ der Bürger, nichtsdestotrotz müsse von einer weiteren Eskalation ausgegangen werden, heißt es weiter. 

Im gleichen Schreiben an „verehrte Geschäftsfreunde und Partner“ betonen Ritter&Kyburz einmal mehr, weiter um die Genehmigung von Einzelhandel westlich des Forum Allgäu „mit allen gebotenen juristischen Mitteln“ kämpfen zu wollen. 

"Absolut daneben" 

Bei Kemptens Baureferentin Monika Beltinger stoßen die Grundstücksbesitzer mit ihren Äußerungen allerdings auf Unverständnis. Der Vorwurf der Agitation und Polemik sei „in der Formulierung absolut daneben“, so Beltinger am Montag gegenüber dem Kreisbote. „Wir haben niemanden angegriffen, sondern nur der Öffentlichkeit mitgeteilt, was wir zu tun haben“, spielte sie auf verschiedene Mitteilungen der Stadt beispielsweise zur Sicherheitslage am „großen Loch“ an. „Das waren sachliche Pressemitteilungen. Wir sorgen nur für die Sicherheit der Bevölkerung“, betonte sie. 

Schließlich hätten die von den Schweizern selbst beauftragten Gutachter Sicherheitsmängel festgestellt und bestätigt. Daher habe sie auch kein Verständnis für die Aussagen von Thomas van der Heide, Anwalt der Schweizer, der im Kreisbote die Sicherheitslage rund um die Baugrube als weniger dramatisch als von der Stadtverwaltung dargestellt bezeichnet hatte. „Wer hier polemisch ist, das würde ich anders sehen”, so Beltinger.

Den neuen Bebauungsplan (B-Plan) „Westlich Forum Allgäu” hat der Bauausschuss am morgigen Donnerstag, 25. Juli, zu beraten. Entschieden werden muss schließlich die Billigung und Auslegung des Plans, der regelt was künftig auf dem Areals des „großen Lochs” erlaubt ist und was nicht. Zwar wollte sich Baureferentin Monika Beltinger auf Anfrage des Kreisboten im Vorfeld der Sitzung wie gewohnt nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Als gesichert gilt nach dem Normenkontrollverfahren-Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) aber, dass die Stadtverwaltung dort nicht zentrenrelevanten Einzelhandel wird zulassen müssen – also beispielsweise Tierfutter oder Autos. 

Innenstadtrelevanter Einzelhandel soll dort dagegen weiterhin ausgeschlossen bleiben (der Kreisbote berichtete). Da die Investoren der Ritter&Kyburz GbR aber weiterhin auf Einzelhandel in diesem Bereich bestehen (siehe eigener Artikel auf Seite 3), ist ein erneutes Aufeinandertreffen beider Partei vor dem VGH wahrscheinlich.

Matthias Matz

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