Hof abgebrannt

Ein ganzes Dorf rückt zusammen

+
Beim Brand des Hofes in Überbach wurden der Heustock und das Dachgeschoss völlig zerstört. Jetzt bereitet das gefrorene Löschwasser Probleme.

Überbach – Am 30. November stand der Hof der Familie Schwegele in Überbach bei Dietmannsried in Flammen. Das Haus ist seitdem unbewohnbar. Geschätzter Schaden: 250 000 Euro. Jetzt rückt das ganze Dorf zusammen und hilft, so gut es geht.

Innerhalb von nur zwei Tagen kamen so Spenden in Höhe von über 6500 Euro zusammen, mit denen die größte Not fürs Erste gelindert werden soll. Auf den ersten Blick und unter der glitzernden Schneedecke sieht alles gar nicht so schlimm aus. Zwar mussten beim Brand des Hofes (der, wie der Brandgutachter des Landeskriminalamtes feststellte, durch Mäusebisse an Elektrokabeln ausgelöst worden war) sechs Feuerwehren anrücken und knapp 200 Helfer brauchten über sechs Stunden, um das Feuer zu löschen. Doch das Haus steht noch. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Scheiben der Gauben im Dachgeschoss geborsten sind und im Dach ein großes, verkohltes Loch klafft. Auch die aufgerissene Stallwand, die einen Blick auf das dahinter liegende, schwarz verfärbte Chaos gibt, lässt erahnen, dass der Schaden im Inneren des Gebäudes weitaus größer ist, als die weitgehend intakte Fassade vermuten lässt. Das Dachgeschoss ist komplett ausgebrannt und wo das Feuer nicht gewütet hat, sind schwere Löschwasserschäden entstanden. 

 Keine Verletzten 

Anton Schwegele, der ehemalige Maurer, der das Haus 1970 gekauft und für seine neunköpfige Familie umgebaut hatte, bestätigt: „Da drin ist so ziemlich alles kaputt. Überall steht das Wasser drin und wenn man Schubladen oder Schränke aufmacht, ist alles eingefroren.“ Elektrogeräte und Möbel, Erinnerungsstücke – alles ist verloren oder beschädigt, das Haus ist derzeit nicht bewohnbar. Trotz des Schocks versuchen Marie-Luise und Anton Schwegele den Kopf nicht hängen zu lassen. Der Rentner und Hobby-Landwirt, der zwei Tage nach dem Brand seinen 76. Geburtstag beging („Das war vielleicht ein Geburtstagsgeschenk!“, meint er sarkastisch), ist froh, dass, abgesehen von einer Katze, weder Menschen, noch seine Tiere – er besitzt zehn Schafe, zwei Ponys, einundzwanzig Hühner, einen Gockel, fünf Enten, Hasen, Katzen und einen Hund (sie alle konnten vorübergehend anderweitig untergebracht werden) – ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Zwei der Hausbewohner hatten sich beim anfänglichen Versuch, das Feuer mit einem Gartenschlauch zu löschen, Rauchvergiftungen zugezogen, konnten das Krankenhaus aber glücklicherweise nach kurzer Zeit wieder verlassen. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die den Geschädigten nun aus dem ganzen 450-Seelen-Dorf, in dem jeder jeden kennt, entgegenschlägt, macht das Ehepaar sprachlos und dankbar. Nachbarn brachten Kleidungsstücke, Gemeindevertreter halfen bei der Suche nach Wohnmöglichkeiten für die über Nacht obdachlos Gewordenen, Feuerwehrler aus dem Dorf trugen am Tag nach den Brand stundenlang und mit Hilfe eines Kranes, den der örtliche Zimmerer zur Verfügung gestellt hatte, den noch immer schwelenden Heustock ab. Die Dorfbevölkerung, sowie die fünf örtlichen Vereine spendeten auf einen Aufruf zweier Mitbürgerinnen hin innerhalb von zwei Tagen mehr als 6500 Euro. Und auch von Außerhalb kam Hilfe: Das Aktionsbündnis Allgäu, ein Zusammenschluss von Blaulichtverbänden und dem Stadtjugendring Kempten, spendet 1500 Euro Soforthilfe. „Mit so etwas hatten wir überhaupt nicht gerechnet“, gibt Anton Schwegele zu. „Das ist ein großer Trost, für den wir uns bei allen, die uns geholfen haben, ganz ganz herzlich bedanken möchten!“ Wie es mit dem beschädigten Haus weitergeht, ob es abgerissen oder saniert werden wird, liegt im Ermessen der Versicherung. „Wir haben keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht“, seufzt Anton Schwegele. „Da müssen wir uns überraschen lassen.“ Sabine Stodal

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Stadtgeschichte: Die Kemptener Illerbrücken im Wandel der Zeit Teil 2
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren

Kommentare