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Öffentliche Anschuldigungen gegen Dufner für den OB nicht hinnehmbar

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Von: Helmut Hitscherich

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Allgäuer Festwoche
Die Debatte um die Allgäuer Festwoche zog sich in der vergangenen Woche vom Werkausschuss bis in die Stadtratssitzung. © Archivbild: Lehmann

Kempten – Im Anschluss an die Tagesordnung der Stadtratssitzung vom vergangenen Donnerstag entbrannte eine emotionale Debatte darüber, was von der diesjährigen Allgäuer Festwoche übrigbleibt.

Im Vorfeld wurden vom Festwochenbeauftragten Hans-Peter Hartmann (FW) in der Öffentlichkeit schwere Vorwürfe gegenüber Martina Dufner, Geschäftsführerin Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb, erhoben, weil die Allgäuer Festwoche nicht in gewohnter Form stattfinden kann – Ausfall der Wirtschaftsmesse wegen Zeltmangel. Sie habe sich nicht intensiv um Zelte bemüht und auch keinen Plan B parat gehabt, warf der Festwochenbeauftragte des Stadtrates ihr vor.

Dass die Allgäuer Festwoche, nach Corona, nun wieder nicht in altgewohnter Form stattfinden kann, sei für alle eine große Enttäuschung, so ein sichtlich angesäuerter Oberbürgermeister Thomas Kiechle. „Was in den letzten Tagen und heute geschehen ist – als ob man das an einer Person festmachen kann – entbehrt jeder Grundlage. Eine Person in der Öffentlichkeit dafür verantwortlich zu machen und an den Pranger zu stellen, geht mit mir nicht. Wir können damit nur verlieren.“ Er habe zu Dufner vollstes Vertrauen und „halte auch an ihr fest“, zumal sie ihren Job immer gut gemacht habe. An der Festwoche soll mit Nachdruck festgehalten werden, wie Kiechle hervorhob. Zwei Festwirte hätten aber auch Probleme mit Personal und Bedenken wegen der Pandemie. „Wir haben alle Hände voll zu tun, dass wir etwas Vernünftiges hinbekommen. Wir müssen zusammenstehen und zusammenrücken und das öffentliche Anschuldigen unterlassen“, betonte der Oberbürgermeister. Er forderte die Mitglieder des Stadtrates auf, sich einzubringen. „Nicht übereinander sondern miteinander reden. Wenn es Kritik gibt nutzt mir eine inhaltslose Kritik nichts.“ Kiechle zeigte sich sehr zuversichtlich, dass es eine Festwoche gibt, aber eine andere.

Ein weiterer Diskussionepunkt war, ob die Festwoche ohne die Wirtschaftsmesse überhaupt Allgäuer Festwoche genannt werden darf.

Für Helmut Berchtold (CSU) war die Organisation im Eigenbetrieb nicht vollumfänglich auf diese Situation vorbereitet. Er kritisierte die Berichterstattung in der Presse, dass die Festwoche ausfällt. „Im Werkausschuss gab es keinen Beschluss, dass die Festwoche ausfällt.“

Laut Klaus Knoll (FW) sind jetzt alle Stadträtinnen und Stadträte gefordert, damit eine Festwoche oder was auch immer auf die Beine gestellt wird. „Es wird zwar keine Wirtschaftsausstellung, wir brauchen Festwirte, Kulturveranstaltungen, jeden Tag eine andere Band. Für 2023 und 2024 müssen wir jetzt schon Überlegungen anstellen. Wir müssen mit der Verwaltung an einem Strang ziehen.“

Laut Andreas Kibler (FW) finden überall Volksfeste statt. „Wir in Kempten waren nicht imstande, eine Wirtschaftsausstellung auf die Beine zu stellen. Wir können nicht die Aufgabe von Frau Dufner übernehmen und haben keine Verantwortung, dass es keine Zelte gibt.“ Er befürchtet eine schleichende Veränderung der Festwoche hin zu einem Volksfest.

Laut Festwochenbeauftragtem Hartmann gibt es schon länger Kritik, die nie angekommen ist. „Ich komme nicht blank in eine Sitzung, ich hätte einen Plan B erwartet. Es ist eine Wirtschaftsausstellung, die gerade jetzt nach der Pandemie notwendig gewesen wäre. Wenn jemand ohne Konzept in die Sitzung kommt, hauts mir den Vogel raus.“ Laut Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl steht nicht nur Dufner, sondern das gesamte Team mit Ehrgeiz zur Festwoche.

Er erläuterte den Beschaffungsvorgang der Zelte. In der Vergangenheit gab es auf die europaweiten Ausschreibungen immer nur ein Angebot von der Firma Röder. Seit Bekanntwerden im Sommer 2020, dass diese Firma den Zeltbau nach der Festwoche 2021 aufgebe, sei intensiv nach einer neuen Firma gesucht worden. Die Festwoche sei aber hoch kompliziert. „Das sind keine quadratischen Zelte“, so Schießl.

Ein Vergleich mit Festzelten auf der grünen Wiese sei unlauter. „Unsere Zelte stehen auf festem Untergrund, z.B. Tiefgaragen, und benötigen daher feste Fundamente. Mit einem Zelthering ist es da nicht getan. Ferner muss die Statik des Unterbaus berücksichtigt werden“. Potentielle Bewerber sollten sich den Zeltaufbau bei der Festwoche 2021, welche ausgefallen sei, anschauen. Beim „Sommer im Stadtpark 2021“ habe eine Firm das aufgebaute Zelt (Halle 6) besichtigt und die Absicht geäußert die Zelte für die Festwoche aufzubauen. Es handele sich hierbei um 27 Zelte, zwölf davon mit einer Spannweite von über zehn Meter. Die Firma Röder habe ihre Zelte zwischenzeitlich verkauft. Einem Kauf der Zelte erteilte er eine Abfuhr: zu teuer, zu unwirtschaftlich. Man hätte u.a. eine Lagerhalle mit 500 Quadratmetern benötigt, einen Zeltbaumeister fest anstellen müssen und jedes Mal nach einer Aufbaumannschaft suchen müssen.

Der Werkausschuss sei am 31. Januar über fehlende Angebote informiert worden. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine hätten die Firmen keine Zelte mehr, weshalb es keine weiteren Angebote gegeben habe. „Man hat nichts schleifen lasse, einer Person kann man keinen Vorwurf machen, da alle daran gearbeitet haben“, so Schießl.

Laut Thomas Hartmann (Grüne) gibt es bei Erfolg viele Väter, bei Misserfolg nur eine Person. „Man konnte früher bestellen und hat es bekommen. Das ist für die nächsten Jahre vorbei, darauf müssen wir uns einstellen. Niemand nutzt es, einen Schuldigen zu suchen.“ Nur gemeinsam könne die Festwoche wieder auf die Beine gestellt werden.

Erwin Hagenmaier (CSU) erkennt die große Erwartungshaltung der Menschen an und kann verstehen, dass es öffentliche Kritik gibt. „Gott sei Dank sind wir kein Fußballverein, wo man Kritik nur innen äußern darf. Am Ende des Tages zählt nur das Ergebnis, deshalb kann ich die Kritik gut verstehen.“ Er hinterfragte, wie es sein könne, dass in Bad Dürkheim der Wurstmarkt in gewohnter Weise stattfindet, und verwies auf die schleppende Sanierung des Kornhauses. Auch da sei zu spät mit der Planung begonnen worden. In einem Schreiben an den Oberbürgermeister und die Mitglieder des Stadtrates verwahrt sich Dufner aufs Schärfste gegen die ihr gegenüber in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe.

Lesen Sie auch: Allgäuer Festwoche: Einige Stadtratsfraktionen sprechen von „Armutszeugnis“

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Alle dachten, nach dem Ende der Pandemie können wir eine Allgäuer Festwoche wie gewohnt durchziehen. Doch die Rechnung wurde ohne den Wirt gemacht. Es gab keine Zelte für die Wirtschaftsmesse. Damit verliert die Festwoche ihren Charakter und Alleinstellungsmerkmal ein weiteres Jahr. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Jetzt einer einzelnen Person die Schuld für dieses Desaster zuzuweisen, ist „bösartig“. Was war die Aufgabe von Martina Dufner? Möglichst eine normale Festwoche, wie in den vergangenen Jahren, auf die Beine zu stellen. Allen Beteiligten war frühzeitig bekannt, dass es eventuell Probleme bei der Zeltbeschaffung geben könnte, da die einzige Firma ihren Geschäftszweig Zeltaufbau nach 2021 aufgeben wird. Dufner hat darauf auch hingewiesen. Man hat sie mit ihrem Hilferuf alleine gelassen. In der Regel ist es doch so, dass wenn ein Angestellter, egal in welcher Position, dem Vorgesetzten und dem Kontrollorgan – in diesem Fall dem Werkausschuss – mitteilt, dass es Probleme hinsichtlich der Zielerreichung – Durchführung der Festwoche erhebliche Probleme gibt – der Auftragsgeber helfend eingreift und nach gemeinsamen Lösungen gesucht wird. Diese Verantwortung trägt sowohl der Oberbürgermeister als auch der Werkausschuss, egal was der ein oder andere Stadtrat von sich gibt. Hätte man bei der Zeltbeschaffung auf die europaweite Ausschreibung verzichten können? Ich denke, in solch einer Krisensituation ja, vielleicht hätte man dann Zelte rechtzeitig ordern können. Was wäre denn geschehen? Benachteiligte Firmen hätten ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer beantragen können, um ein ordentliches Vergabeverfahren zu erreichen. Notfalls hätte man mit einer Konventionalstrafe rechnen müssen. Da es aber kaum bis gar kein Interesse am Zeltaufbau gab, hätte man vielleicht mit einem Interessenten einen Vertrag abschließen sollen. Besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Man kann nur hoffen, dass alle aus dieser Situation etwas gelernt haben.

Helmut Hitscherich

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