420 statt 350 Wohneinheiten

Die Pläne der "stadtplanerisch nachverdichteten" Halde Nord liegen im Februar erneut aus

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Eine Ansicht der aktuellen Version des Baugebiets „Halde Nord“: Jetzt finden sich dort mehr Einfamilienhäuser, mehr Doppelhäuser statt Reihenhäuser, und teils größere Grundstücke als vorher. Die Geschosswohnungsbauten wurden aufgestockt und um einen Bau ergänzt. Grafik: Stadt Kempten

Kempten – Der Bauausschuss der Stadt Kempten hat einen neuen Billigungs- und Auslegungsbeschluss für das Baugebiet Halde beschlossen. Nachdem sich die Erschließungskosten als sehr hoch entpuppt hatten (der Kreisbote berichtete), hatte die Stadt den Plan gefasst, dort mehr Wohneinheiten unterzubringen.

Somit sollen sich die Erschließungskosten auf mehr „Schultern“ verteilen. Statt 350 finden sich nun 420 Wohneinheiten auf der Halde Nord. Die Regierung von Schwaben hat indes gefordert, auch den Erschließungsträgervertrag an die neue Kostensituation anzupassen.

Für zusätzliche Wohnfläche sorgen mehrere Maßnahmen. Neben einem weiteren Geschosswohnungsbau im Quartierszentrum sind die Geschosswohnungsbauten insgesamt um ein Stockwerk höher und auch etwas länger geplant als zuvor. Hier finden nun 191 statt ursprünglich 133 Wohneinheiten Platz. Außerdem wurden drei zusätzliche Einfamilienhäuser ins Gebiet eingefügt. Weitere rund zehn Wohneinheiten entstehen dadurch, dass Reihenhausbebauung entlang der zentralen Sammelstraße Doppelhausbebauung weichen soll. Die Bauplätze in den „Premiumlagen“ fallen jetzt zudem größer aus.

Die Umplanungen machen zusätzliche Ausgleichsflächen notwendig. Knapp 2000 Quadratmeter öffentliche Grünfläche im Süd-Westen der Halde wird hierfür umgewidmet. Insgesamt sind die allesamt im Baugebiet ausgewiesenen Ausgleichsflächen 7,9 Hektare groß.

Florian Eggert vom Stadtplanungsamt sprach bei der Vorstellung der überarbeiteten Pläne von einer „geringfügigen Erhöhung der Verkehrszahlen“. Innerhalb von 24 Stunden sei im Gebiet mit 730 Fahrzeugen mehr als bisher zu rechnen. Vor allem der östliche Teil der Tobias-Dannheimer-Straße sei davon betroffen.

Einem Einwand eines Anwohners aus dem bestehenden Wohngebiet Halde, der ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und den Wegfall von Parkplätzen in der Straße „Auf der Halde“ befürchtet, gaben die Bauausschussmitglieder nicht statt. Die Begründung: Die verkehrliche Mehrbelastung sei dort nur moderat. Der Stellplatzschlüssel und die öffentlichen Parkplätze würden ausreichen. Nichts desto trotz macht größere Verkehrsaufkommen im Neubaugebiet selbst einen passiven Lärmschutz bei 19 Wohneinheiten notwendig. Dort müsse darauf geachtet werden, die Schlafzimmerfenster in Richtung straßenabgewandter Seite zu bauen oder eine schallgedämpfte Lüftungseinheit vorzusehen.

Für vertretbar hielt das Gremium die Anregung des Grundstücksbesitzers, der ein Einfamilienhaus bauen und einen Kniestock errichten will. Die Wandhöhe bei Satteldachbebauung wird von 5,60 Metern auf maximal 7,30 Meter erhöht. Trotzdem soll es bei den bisher festgelegten zwei Vollgeschossen bleiben. Sein Anliegen, einen der Spielplätze zu verlegen, hielten die Räte aber nicht für gerechtfertigt.

Die Umplanungen machen es erforderlich, auch den Erschließungsträgervertrag anzupassen. Dieser ist seit März 2019 gültig. „Damals wurde mit Baukosten von 30 Millionen Euro kalkuliert“, sagte Ulrich Härle, der Leiter von Bauverwaltungs- und Bauordnungsamt, „ohne Baunebenkosten und Grunderwerb.“ Inklusive Baunebenkosten, Grunderwerb und Honorar für Bayerngrund sei man jetzt bei einer Summe von rund 45 Millionen Euro. Auch die Bauflächen und die Geschossigkeit müssten geändert werden. Die Regierung von Schwaben hatte die Anpassung gewünscht, weil Bayerngrund Kostenerstattungsverträge abschließt, die eine Gewährleistungserklärung nötig machen. Dieses kreditähnliche Rechtsgeschäft verlange zudem eine Genehmigung durch die Rechtsaufsichtsbehörde.

Für die Aufstockung der Wohneinheiten hatte man sich entschieden, weil das Gelände sehr schwierig ist zu erschließen, besondere Vorkehrungen für den Fall von Starkregenereignissen getroffen werden müssen und weil die Kosten im Bau gestiegen sind. 

Susanne Lüderitz

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