Vorsichtig kalkulieren und behutsam verändern

Nahe und ferne Zukunftspläne

Allgäuer Festwoche in Kempten
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Wie zufrieden sind die Allgäuer mit ihrer Festwoche? Die Ergebnisse der Umfrage wurden diskutiert.

Kempten – Von den Unwägbarkeiten, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, ist auch der Wirtschaftsplan des Messe- und VeranstaltungsBetriebs für 2021 geprägt, den Martina Dufner, Leiterin des städtischen Eigenbetriebs, dem Werkausschuss vorstellte. Neben den saisonalen Märkten – Advents- oder Weihnachtsmarkt, Kathreine- und Händlermarkt – gehören zu den Aufgaben des Eigenbetriebs die Organisation und Durchführung des Wochenmarkts und der Festwoche sowie die Bewirtschaftung von Kornhaus, Residenz, Allgäu und Markthalle.

Als städtisches Sondervermögen pflegt der Betrieb eine eigene Buchhaltung und rechnet mit den Ämtern, die für ihn tätig werden, Verwaltungskosten ab. Dadurch könne er eine Vollkostenrechnung vorlegen und eine hohe Transparenz gewährleisten, erläuterte Dufner. Für seinen neuen Wirtschaftsplan sei das Unternehmen davon ausgegangen, dass im kommenden Jahr alle Märkte und Messen, einschließlich der Festwoche, stattfinden werden. Angesichts der unklaren Rahmenbedingungen habe man vorsichtig kalkuliert, die zu erwartenden Erträge niedrig angesetzt und relativ hohe Ausgaben veranschlagt.

Die womöglich auch 2021 noch notwendigen Hygienekonzepte verursachten zusätzliche Kosten und verringerten häufig die Einnahmen. So könnten etwa während der Wintersaison des Wochenmarkts weniger Stände in der Markthalle untergebracht werden, wodurch die Pachteinnahmen sänken; gleichzeitig habe man zusätzliche Aufwendungen, um den Marktbeschickern, die im Freien bleiben, die nötige Infrastruktur bieten zu können. Das sanierungsbedürftige Kornhaus erbringt laut Dufner bis zu seiner Wiedereröffnung keine Einnahmen, müsse aber weiterhin unterhalten werden.

Nachdem die ehemalige Reithalle als Lagerraum für Weihnachtsmarkthütten und Festwochenausrüstung nicht mehr zur Verfügung stehe, seien zudem die Lagerungskosten erheblich gestiegen. Für die Festwoche müsse man nach 35 Jahren den Zeltbau neu ausschreiben, weil das langjährige Partnerunternehmen diese Dienstleistung zukünftig nicht mehr anbiete. Da das Ergebnis der Neuvergabe völlig offen sei, habe sie für diesen Posten einen Puffer eingeplant, begründete Dufner ihr Konzept.

Gemeinsam mit dem Amt für Gebäudewirtschaft plant der Eigenbetrieb, den Auf- und Abbau der Festwochenanlagen im neugestalteten Stadtpark so zu optimieren, dass an dieser Stelle „Ressourcen“ eingespart werden könnten. Ob die Allgäuer Festwoche 2021 stattfindet, will man im April entscheiden, auch um Händlern, Ausstellern und Dienstleistern rechtzeitig eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Neben Investitionen von 40.000 Euro für die Festwoche, seien für die bauliche Untersuchung der Allgäuhalle 50.000 Euro eingeplant, um so künftige Nutzungsmöglichkeiten zu ermitteln.

Der Weihnachtsmarkt soll für 135.000 Euro neue Hütten und Lichterketten bekommen. Für die Umbauarbeiten im Kornhaus seien zwar viele Ausschreibungen noch nicht abgeschlossen, doch Dufner zeigte sich optimistisch, dass man den veranschlagten Kostenrahmen einhalten werde. Obwohl das Stadttheater ab dem kommenden Jahr als eigenständiger Eigenbetrieb aus dem Messe- und Veranstaltungs-Betrieb ausgegliedert sei, falle die Gewinn-und-Verlust-Rechnung mit einem Defizit von 996.500 Euro „schlechter“ aus als 2019, und das in einer Zeit, in der „uns der Haushalt in den nächsten Jahren alles abverlangt“, wie Helmut Berchtold (CSU) kritisch anmerkte.

Dufner erwiderte, eine „Planung als Punktlandung“ sei in einer derart ungewissen Situation nicht möglich, und versicherte, man werde sparen, „wo immer möglich“. Der Werkausschuss nahm den vorgestellten Wirtschaftsplan einstimmig an. Der Wirtschaftsplan 2021 des Messe- und VeranstaltungsBetriebs kann im Bürgerinfoportal der Stadt unter https://ratsinfo.kempten.de/bi/info.php eingesehen werden.

Umfrage zur Zukunft der Festwoche

Das Gremium informierte sich außerdem über die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Zukunft der Allgäuer Festwoche. Der Messe- und Veranstaltungs-Betrieb hatte das Mittelstands-Institut der Hochschule Kempten mit der Umfrage beauftragt, Prof. Dr. Alfred Bauer stellte dem Ausschuss die gemeinsam mit Christiaan Niemeijer erarbeitete Auswertung vor. Das Institut hatte von 10. August bis 11. September Anwohner, Aussteller, Dienstleister und Mitwirkende sowie Stadträtinnen und Stadträte schriftlich befragt und unter Bürgerinnen und Bürgern eine Online-Umfrage durchgeführt. (Der Kreisbote berichtete.)

Die Quote der Rückmeldungen lag je nach Gruppe zwischen 20 und 75 Prozent, was Bauer als Zeichen dafür wertete, dass die Festwoche „den Menschen wichtig“ sei. Die 496 Online-Fragebögen und insgesamt 197 schriftlichen Interviews spiegelten wider, dass die Allgäuer Festwoche als „regionaler sozialer Treffpunkt für Jung und Alt“ wichtig und beliebt sei. Besondere Wertschätzung genieße die typische „bunte Mischung“ aus Heimatfest, Kulturtagen und Wirtschaftsausstellung. Neben Multiple-Choice-Fragen zur Bedeutsamkeit einzelner Angebote und Eigenschaften der Festwoche waren die Befragten auch eingeladen, eigene Ideen, Wünsche oder Änderungsvorschläge einzubringen.

Ein großes Anliegen ist vielen die regionale Ausrichtung der Angebote und auch Nachhaltigkeit und Traditionspflege sind für zahlreiche Interviewte wichtige Messethemen. Hans-Peter Hartmann (FW), Festwochen-Beauftragter des Stadtrats, zeigte sich „erschrocken“ darüber, dass ein Viertel seiner RatskollegInnen nicht teilgenommen habe; war aber auch erfreut über deren große „Bürgernähe“, die sich darin äußere, dass sich die Antworten aus dem Stadtrat weitgehend mit denen der übrigen Befragten deckten oder die gleiche Tendenz aufwiesen.

Auffallend sei, laut Bauer, welch unterschiedlichen Stellenwert das „kulturelle Programm“ bei Stadträten und Bürgern genieße. Während 84 Prozent der 33 teilnehmenden RätInnen angegeben hatten, dies sei aus ihrer Sicht „wichtig“ oder „sehr wichtig“, stimmmten dem nur 52 Prozent der online befragten Bürgerinnen und Bürger zu. Während Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, mit Blick auf die Bürgerbefragung meinte, das „Glas“ sei doch „halb voll“, und auch dieser Teilnehmergruppe eine „hohe Kulturaffinität“ bescheinigte, äußerte Berchtold Zweifel am Konzept des kulturellen Rahmenprogramms: Kunstausstellung und Konzertabende im Residenzhof seien mit einem „Riesenaufwand“ verbunden und es stelle sich die Frage: „Können wir es besser machen? Machen wir was Anderes?“

Die übrigen Wortmeldungen zu diesem Thema widersprachen ihm jedoch: Ingrid Vornberger (SPD) erinnerte daran, dass die Konzerte „bei schönem Wetter immer gut besucht“ seien; Hartmann lobte das passende „Ambiente“ und befand, „eine Stadt wie Kempten muss sich so etwas leisten“; Dufner erinnerte daran, dass sich der damalige Werkausschuss bewusst für günstige Eintrittspreise entschieden habe und auch die Kulturförderung eine Aufgabe des Eigenbetriebs sei. Besonders bemerkenswert fanden die Ausschussmitglieder unter den frei formulierten Vorschlägen der Befragten den Wunsch, Eintrittskarten online kaufen zu können, eine bessere ÖPNV-Anbindung der Festwoche und eine größere Auswahl an vegetarischen, veganen und Bio-Speiseangeboten sowie alkoholfreien Getränken.

Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) und Berchtold erklärten, die Stadt verfüge über ein „fertiges“ Online-Ticketing-System, das für die Festwoche lediglich eingebunden werden müsse. Für die zukünftige Gestaltung der Allgäuer Festwoche, so Kiechle zusammenfassend, gelte weiterhin das bewährte Erfolsgrezept, wenige und überlegte Veränderungen vorzunehmen und „das Vertrauen in die Tradition beizubehalten“. Die Umfrageergebnisse sind online unter www.festwoche.com zu finden.

Antonia Knapp

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