"Wo isch d’Hex?"

Narrensprung der Burghexen Alttrauchburg

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Die musikalische Begleitung bei der Narrenmesse übernahmen die Guggenmusiker von „Los Krachos“.

Weitnau/Kleinweiler – Guggenmusik in der Kirche: Bevor die Burghexen Alttrauchburg Kleinweiler am vergangenen Samstag auf den Kopf stellten, feierten sie eine Narrenmesse in der Pfarrkirche. 

Diakon Roland Pressl war eigens aus Memmingen angereist, um den Wortgottesdienst abzuhalten. Pressl ging in seinen Reden vor allem auf die fröhliche Seite des Christentums ein, denn: „Das Evangelium soll die Menschen froh machen.“ Er bedauerte, dass gerade dieser Aspekt in der Kirche viel zu wenig wahrgenommen wird. In seiner in Reimform gehaltenen Predigt beklagte er daher entsprechend: „Statt ein lautes Liedersingen tut mancher keinen Ton rausbringen“ und bat „Statt nur draußen froh zu sein, bringt Frohsinn in die Kirche rein.“ Zumindest bei diesem Wortgottesdienst wurden beide Wünsche erfüllt, denn wo sonst die Gesänge stehen, spielte die Tannheimer Guggenmusikgruppe „Los Krachos“ gut hörbar auf und erhielt für ihre Darbietungen viele positive Rückmeldungen. 

Die schwäbisch alemannische Fastnacht wird zwar überwiegend im Süden Baden-Württembergs gefeiert, aber auch in der Schweiz und in den angrenzenden bayerischen Gebieten gibt es vereinzelt Narrenzünfte, wenn auch deren Gründung noch nicht so lange zurück reicht. So gibt es etwa seit 2006 die Wetterhexa in Altusried. Noch etwas jünger sind die Kemptener Stadthexen, die erst 2012 gegründet wurden. Die Burghexen Alttrauchburg gibt es seit 1994 und vergangenen Samstag war Kleinweiler fest in Narrenhand. 

Nach der Messe ging es für die Zunftmeister der teilnehmenden Vereine zum internen Zunftmeisterempfang weiter. Der 1. Zunftmeister Siegfried Wiest bedankte sich hier für den Wortgottesdienst und bei den vielen Helfern und Unterstützern, besonders auch bei den Einsatzkräften, ohne die so ein Narrensprung nicht durchführbar wäre. Anschließend begrüßte Wiest zusammen mit dem 2. Zunftmeister Thomas Noack einzeln die angereisten Zünfte, die teilweise ein kleines Geschenk mitgebracht hatten oder eine kleine Einlage in Form eines Gedichtes oder eines Liedes darboten. Am Abend fand der Narrensprung statt. Über 50 Gruppen mit circa 1800 Teilnehmern zogen durch Kleinweiler und eineinhalb Stunden lang erklangen die unterschiedlichen Narrenrufe und die Instrumente der Musikgruppen. Da die meisten Zünfte Hexen- oder Teufelsverkleidungen trugen, war dies bei Nacht noch etwas schauriger anzusehen. Wer dann noch nicht genug hatte, konnte den Abend im Zelt oder in der Halle ausklingen lassen. 

Obwohl vor allem die Abende bei so einem Nachtumzug sehr geräuschintensiv sind, sei die Akzeptanz dieser Veranstaltung sehr hoch, meint Wiest. Nicht zuletzt deshalb, weil die anderen ortsansässigen Vereine die Narrenzunft durch Verkaufsstände unterstützen. Somit waren viele Kleinweiler sowieso in die Feier eingebunden. Hintergrund: Entwickelt hat sich die schwäbisch alemannische-Fastnacht, wie auch der Karneval, aus den Festen, die im Mittelalter vor Beginn der Fastenzeit gefeiert wurden, um die verderblichen Lebensmittel aufzubrauchen. Diese liefen sehr unterschiedlich ab und entwickelten sich dann weiter. Im Zeitalter der Aufklärung wurden die Festlichkeiten teilweise aufgegeben oder verboten, da diese als überholter Brauch galten. Während der Romantik begann sich dann der Karneval neu zu entwickeln und verdrängte die ursprüngliche Fastnacht immer mehr. Ende des 19. Jahrhunderts lebte diese vereinzelt wieder auf. Aber erst seit Anfang des letzten Jahrhunderts laden sich die Zünfte zu den Narrensprüngen ein. Seit Dezember 2014 ist die schwäbisch alemannische Fastnacht nach Antrag eines Narrenverbandes in die nationale Liste der immateriellen Kulturerbe aufgenommen.

Bianka Hauck

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