Das könnte Sie auch interessieren

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Abnehmer für Minischweine gesucht

Abnehmer für Minischweine gesucht

Abnehmer für Minischweine gesucht
Jointreste aufgegessen

Jointreste aufgegessen

Jointreste aufgegessen

Verhaltene Freude

Beschluss für Naturerlebniszentrum Allgäu löst gemischte Gefühle aus 

+
Sommer wie Winter bei Einheimischen und Touristen beliebt: Grasgehren, hier vom Riedberger Horn aus fotografiert.

Landkreis/Kempten/München – Ein Bayerisches Artenschutzzentrum in Augsburg und ein Zentrum Naturerlebnis alpin am Riedberger Horn sollen Schwaben künftig zur Naturschutzregion Nummer 1 im Freistaat machen und somit ein Qualitätssprung im Arten- und Naturschutz in Bayern vollzogen werden.

„Es freut mich, dass die zentrale Fachstelle und damit die Bündelung des Knowhows für den Arten- und Biotopschutz in Schwaben angesiedelt werden“, schreibt Thomas Kreuzer, CSU-Fraktionsvorsitzender im Landtag und Kemptener Abgeordneter, in einer Pressemitteilung. „Mit dem Naturerlebnis alpin entsteht im Allgäu zudem ein wichtiger Impulsgeber für Bildungsangebote zu Umwelt- und Naturthemen, der sich insbesondere mit ökologischen Fragestellungen des Alpenschutzes befasst“, so Kreuzer weiter. Der Standort in der Region am Riedberger Horn soll zum Erhalt des alpinen Gebietes als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten beitragen und eng mit dem Naturpark Nagelfluhkette kooperieren. „Künftig werden dort Konzepte für den Erhalt der Biodiversität unter gleichzeitiger Nutzung der Hochlagen durch nachhaltigen Tourismus, Landwirtschaft und Bergwaldwirtschaft entwickelt“, so der CSU-Politiker. Im geplanten Ausstellungszentrum werde es demnach Ausstellungen für Besucher geben und Ranger sollen Naturführungen anbieten und die Menschen für Naturschutz sensibilisieren. Ferner soll die Hochschule Kempten Gemeinden in ganz Bayern bei der Entwicklung von innovativen Naturerlebniskonzepten unterstützen. 15 Millionen Euro und 20 neue Stellen werden laut Pressemitteilung für das Naturerlebnis alpin am Riedberger Horn eingeplant.

Trotz Skepsis sieht Bund Naturschutz "Chance"

Beim Bund Natur mischt sich Freude mit Skepsis. „Die Show auf der Zugspitze“ werde den Herausforderungen nicht gerecht, meinte Richard Mergner, Landesvorstand Bund Naturschutz Bayern e.V., auf Nachfrage des Kreisboten. Er verweist unter anderem auf die Zunahme von Extremwetter nicht nur in Bayern. „Da wäre anderes nötig“, hat er dabei Maßnahmen für Klimaschutz, Energiesparen und Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien im Auge. Auf Deutschlands höchstem Berg hatte Ministerpräsident Markus Söder vergangene Woche sowohl das endgültige Aus für einen dritten Nationalpark als auch die „Naturoffensive Bayern“ verkündet.

Unter Söder als Ministerpräsident sei die Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern gestoppt und Umweltministerin Ulrike Scharf „in die Wüste geschickt worden“, richtete Mergner seine Kritik vor allem gegen die CSU-Landtagsfraktion, die „den Suchprozess massiv gestoppt“ habe. Kritisch sah er auch, dass es bei der Änderung des vor 40 Jahren beschlossenen Alpenplans am Riedberger Horn geblieben sei (wie mehrfach berichtet, war die Änderung trotz Protesten im Landtag beschlossen worden; die Pläne für den umstrittenen Bau einer Skischaukel sind inzwischen auf Eis gelegt). Bei einer Natur-

offensive „wäre es konsequent gewesen, die Änderung zurückzunehmen“. Trotzdem freue sich der Bund Naturschutz über das Alpinzentrum, betonte Mergner. Es sei eine „Chance fürs Allgäu“ und „wir begrüßen jedes Umdenken“, aber zur Wahrheit gehöre auch, dass das Zentrum ohne Riedberger Horn nicht gekommen wäre. Skeptisch sei er allerdings bei den „unter Haushaltsvorbehalt“ stehenden 20 angekündigten Planstellen, da deren „Finanzierung noch völlig offen ist“. 

Die entscheidenden Beratungen über den Doppelhaushalt 2018/2019 seien erst nach den Landtagswahlen und somit „ist es erstmal ein ungedeckter Scheck“, über den hier gesprochen werde. Umweltschutz und nachhaltiger Tourismus seien immer auch eine Verpflichtung für den Artenschutz und so „enorme Herausforderungen“ von Entwicklungen wie E-Bikes in den Bergen oder „Verkehrslawinen“, die in die Tourismusorte rollen, zu meistern. 

Da Ministerpräsident Söder darüber hinaus auch nur noch umweltverträglichen Skitourismus wolle, fand Mergner es verwunderlich, dass das 26.000 Kubikmeter große Grasgehren-Speicherbecken für künstliche Beschneiung „nach wie vor geplant ist“, wovon zudem für den Klimaschutz wertvolle Moorflächen betroffen seien. „Wir wollen nicht, dass es gebaut wird.“

Freundeskreis Riedberger Horn teilt Skepsis

Auch Martin Simon, Sprecher des Freundeskreises Riedberger Horn, sieht die Naturoffensive der CSU skeptisch. „Solange das Riedberger Horn nicht den alten Status der Schutzzone C des Alpenplans zurückerhält, können die Pläne für eine Skischaukel wieder aktuell werden. 

Die Einrichtung eines Besucherzentrums in den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang gewährleistet ja nicht, dass das Riedberger Horn von künftigen Erschließungen unangetastet bleibt. Da der Alpenplan geändert ist, sind die rechtlichen Hürden für eine Erschließung zukünftig deutlich geringer. Und noch sind Stimmen in der Region, die sich für den Skiverbund einsetzen, nicht gänzlich verstummt. Dies kann der Freundeskreis Riedberger Horn so nicht hinnehmen.“

Dabei begrüßt Simon durchaus, dass sich die beiden Gemeinden zu Modelldörfern entwickeln und Besucher für einen verträglichen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden sollen. Allerdings sei gerade im südlichen Oberallgäu zu beobachten, dass Infrastruktur für Massentourismus und Sensibilisierung für Natur und Umwelt nebeneinander existieren und Besucherinformationen über die wahren Belastungen des Naturhaushaltes hinwegtäuschen können. So ziele auch die sogenannte Naturoffensive der CSU in die falsche Richtung, wenn nur Bildungskonzepte und keine Schutzkonzepte umgesetzt würden.

„Nur eine ehrliche und konsequente Darstellung der Schutzgebiete mit begrenzter Erschließungsmöglichkeit einerseits und den touristischen Nutzungsräumen andererseits kann zu einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Konsens zwischen Schützen und Nützen der Natur- und Kulturlandschaften führen“, meint der Freundeskreis Riedberger Horn mit seinen rund 5000 Unterstützern in der Region.

kb/Christine Tröger

Das könnte Sie auch interessieren

Gegen "immer mehr, mehr, mehr"

Schüler gehen erneut für mehr Klimaschutz auf die Straße

Schüler gehen erneut für mehr Klimaschutz auf die Straße

Stadttheater Kempten

Berolina Ensemble spielt sechstes Meisterkonzert 

Berolina Ensemble spielt sechstes Meisterkonzert 

"Ein Schultag zum Bäumepflanzen bitte!"

Stadt Kempten hört Anliegen der Schüler

Stadt Kempten hört Anliegen der Schüler

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Japanische Trommelkunst in der Big Box Allgäu
Japanische Trommelkunst in der Big Box Allgäu
Schönes und Nützliches zum kleinen Preis im Second-Hand-Laden in Thingers
Schönes und Nützliches zum kleinen Preis im Second-Hand-Laden in Thingers
Schüler gehen erneut für mehr Klimaschutz auf die Straße
Schüler gehen erneut für mehr Klimaschutz auf die Straße

Kommentare