Thomas Kiechle wird mit 51 Prozent zum neuen Kemptener Oberbürgermeister gewählt

"So sehen Sieger aus!"

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Eindeutige Angelegenheit: Mit großem Vorsprung entscheidet Thomas Kiechle von der CSU die Wahl zum Kemptener Oberbürgermeister für sich. Newcomer Martin Bernhard verzeichnet mehr als einen Achtungserfolg. Für Thomas Hartmann dürfte das eigene Abschneiden eine besonders große Enttäuschung sein. Auch Ullrich Kremser von der FDP hatte sich im Vorfeld mehr erhofft.

Kempten – Als CSU-Stadtrat Peter Wagenbrenner gegen 19.20 Uhr den Schlachtruf „So sehen Sieger aus!” anstimmt, besteht kein Zweifel mehr: Thomas Kiechle, gemeinsamer Kandidat von CSU und Freien Wählern, wird neuer Oberbürgermeister.

Wenige Minuten zuvor hatte Wahlleiter Wolfgang Klaus im Feuerwehrgerätehaus bestätigt, was sich seit kurz nach 18 Uhr bereits abzeichnete: Kiechle schafft mit über 50 Prozent die Wahl zum Rathauschef auf Anhieb, zu einer Stichwahl am 30. März wird es somit nicht kommen. 

Spannung sieht anders aus: Bereits mit der Auszählung der ersten Stimmbezirke um kurz nach 18 Uhr zeichnete sich eine klare Mehrheit für den gemeinsamen Kandidaten von CSU und Freien Wählern ab. Bei gut 52 Prozent liegt Kiechle zu diesem Zeitpunkt. „Wenn das so bleibt, verstehe ich die Welt nicht mehr”, stöhnte da bereits ein entgeisterter Stadtrat aus der Opposition. 

Die kommenden Minuten bringen mit jeder Aktualisierung der an die Wand projizierten Grafik aber Gewissheit: Kiechle wird mit über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen bereits im ersten Wahldurchgang ins Rathaus einziehen. Zu der von vielen im Vorfeld der Wahl erwarteten Stichwahl am 30. März wird es somit nicht kommen. „Kempten ist und bleibt ein schwarzes Nest”, zischt resigniert eine Stadträtin der SPD. 

Als Thomas Kiechle um 19.08 Uhr mit seiner Frau und den drei Töchtern den Raum betritt, brandet unter den Anwesenden Applaus auf. Kiechle nimmt fast etwas verlegen und schüchtern wirkend die Gratulationen von CSU-Kreisvorsitzendem Thomas Kreuzer und CSU-Fraktionsvorsitzendem Erwin Hagenmaier entgegen. Auch die bereits anwesenden Gegenkandidaten Martin Bernhard (SPD), Thomas Hartmann (Grüne) und Michael Hofer (UB/ödp) gratulieren dem Wahlsieger. 

Offiziell ist dessen Wahl zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Das erledigt wenige Augenblicke später Wahlleiter Wolfgang Klaus, der zusammen mit OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) um 19.12 Uhr in den Raum kommt. Um 19.14 Uhr verkündet er das vorläufige amtliche Endergebnis: 51,09 Prozent für Kiechle, 23,03 Prozent für Bernhard, 11,75 für Thomas Hartmann. Neuer Applaus brandet auf. Stadtrat Peter Wagenbrenner reißt die Arme in die Luft, umarmt den Nächstbesten, der neben ihm steht, und stimmt den Schlachtruf „So sehen Sieger aus!” an.

 OB Netzer gratuliert derweil seinem Nachfolger „ganz, ganz herzlich”. „Ich wünsche ihm eine glückliche Hand”, sagt er in Richtung des Wahlsiegers. Aber auch die übrigen Kandidaten lobt das noch amtierende Stadtoberhaupt und spricht von „einem fairen, einem engagierten Wahlkampf”.

 "Ein gutes Gefühl" 

Kiechle kann sich unterdessen kaum vor Gratulanten und Reportern retten. „Ein gutes Gefühl” sei es, bereits im ersten Anlauf die 50-Prozent-Hürde übersprungen zu haben, gibt Kiechle geduldig zu Protokoll. „Die Mischung aus Persönlichkeitswahl und inhaltlichen Punkten hat zu diesem Ergebnis geführt”, sagt er. Auch er dankt seinen Gegenkandidaten „für einen sehr fairen Wahlkampf”. Dieser werde sicherlich die Arbeit im Stadtrat erleichtern. 

Auch bei den Freien Wählern (FW) ist die Erleichterung groß, dass Kiechle entgegen vieler Befürchtungen bereits im ersten Durchgang die 50 Prozent schafft. „Ich war von Anfang an zuversichtlich, dass wir nicht in die Stichwahl müssen”, frohlockt FW-Vorsitzender Herbert Karg. Er habe von Anfang an auf 51,01 Prozent für Kiechle getippt. Nun seien es sogar noch etwas mehr geworden. Dennoch soll der Abend für ihn noch zu einer großen Enttäuschung werden. Denn was Karg zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Er wird nicht mehr im neuen Stadtrat vertreten sein. 

In all dem Trubel müssen sich die Kandidaten immer wieder für Fotos für die zahlreichen Fotografen aufstellen und Interviews geben – obwohl die Fragen doch alle irgendwie die gleichen sind.

 Die Überraschung dieser Wahl, der erst 31-jährige SPD-Newcomer Martin Bernhard, wirkt indes in all dem Trubel ein bisschen niedergeschlagen. „Ich bin enttäuscht, dass ich nicht in die Stichwahl gekommen bin”, so Bernhard. 

Noch schlimmer ist der Abend für Thomas Hartmann von den Grünen, der sich bei seinem dritten Anlauf als OB-Kandidat im Vorfeld einiges ausgerechnet hatte. „Das ist ein unerwartet schlechtes Ergebnis für mich persönlich”, sagt er mit versteinerter Miene. „Ich kann nicht verstehen, wofür 12 Jahre Stadtratsarbeit gut waren”, lässt er seiner Enttäuschung freien Lauf. 

Schwache Wahlbeteiligung 

Souverän gibt sich dagegen Michael Hofer, der sich als Kandidat der UB/ödp ohnehin keine realistischen Chancen ausgerechnet hat. Zwar ist auch er erstaunt, dass es zu keiner Stichwahl kommt, sagt aber: „Wir kriegen einen guten OB. Er muss sich nur von seinen Hintermännern lösen.” 

Ullrich Kremser, Kandidat der FDP, kommt zusammen mit seinem Kreisvorsitzenden Dr. Dominik Spitzer erst ins Feuerwehrgerätehaus, als der größte Trubel schon vorbei ist. Auf den Fotos wird er deshalb später fehlen. Dass es zu keiner Stichwahl kommt, habe er „so nicht erwartet”, sagt er draußen im Flur. Und: „Ich bin maßlos über die Wahlbeteiligung enttäuscht.” 

Tatsächlich ist die Wahlbeteiligung an diesem Sonntag für eine Kommunalwahl mit gleich sechs Kandidaten schockierend niedrig. Mit 41,44 Prozent sind gerade einmal 21 057 von insgesamt 50 817 Wahlberechtigten an die Urnen gegangen. Das sind nochmals weniger als vor sechs Jahren.

Matthias Matz

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