Netzwerk Familie unterstützt Familien und Senioren

Dietmannsrieder helfen Dietmannsriedern

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Die Familienpatinnen Brigitta Dietrich, Doris Raab, Angelika Dill mit Jugendpflegerin Nadja Arnold.

Dietmannsried – In der Gemeinde Dietmannsried wird das Miteinander groß geschrieben. Beim Netzwerk Familie etwa engagiert sich ein knappes Dutzend ehrenamtlicher Helferinnen, so genannte „Familienpatinnen“ (Männer sind derzeit leider nicht mit dabei), für Familien und Senioren im Ort, die im Alltag Unterstützung verschiedenster Art benötigen. Während der Corona-Krise ist das Netzwerk als Einkaufshilfe aktiv.

Das Netzwerk Familie wurde bereits vor elf Jahren (2009) von den kirchlichen Kindergärten und dem damaligen katholischen Gemeindepfarrer Helmut Guggemos gegründet, 2019 ging die Trägerschaft aus organisatorischen Gründen an die Marktgemeinde Dietmannsried über. Hier koordiniert Jugendpflegerin Nadja Arnold die vertraulich behandelten Einsätze der Familienpatinnen. „Deren mögliche Aufgaben sind vielfältig. Im Kern geht es aber immer darum, Begegnungen und Beziehung zwischen Menschen zu vermitteln", erklärt Nadja Arnold. Mal leisten die Patinnen einsamen, alten Menschen Gesellschaft, gehen mit ihnen spazieren oder helfen beim Einkaufen, ein andermal unterstützen sie junge Familien bei der Kinderbetreuung, etwa indem sie sie zum Spielplatz begleiten. Eine kleine Gruppe stellt schon seit Jahren einen Krankenhaus-Besuchsdienst, eine Dame ist Lesepatin eines Grundschulkindes und eine weitere Gruppe singt regelmäßig für die Bewohnerinnen und Bewohner des örtlichen Seniorenheims und schenkt damit Freude. Manchmal sind die Patinnen auch der Schlüssel zu mehr Eigeninitiative, beispielsweise, indem sie Senioren zum Singen, Nähen oder geeigneten Veranstaltungen mitnehmen und so die Hemmschwelle des Erstkontaktes zu überwinden helfen.

Brigitta Dietrich, Angelika Dill und Doris Raab sind solche Familienpatinnen. Die beiden Erstgenannten sind schon von Anfang an dabei, Doris Raab seit sieben Jahren. Sie alle haben schon zahlreiche Unterstützungen geleistet und nennen einige Beispiele, natürlich streng anonym: „Ich war gut eineinhalb Jahre lang eine Art `Leihoma´ bei einer Familie mit drei Kindern, die selbst keine Großeltern vor Ort haben“, berichtet Brigitta Dietrich. „Meist war ich einmal pro Woche für drei, vier Stunden da, um mit den Kindern zu spielen, sie zum Turnen zu bringen oder abends bettfertig zu machen.“ Das Verhältnis sei sehr herzlich gewesen, erinnert sich die heute 80-Jährige. Angelika Dill widmete sich einer Seniorin. „Da die Dame mit Schwindelanfällen zu kämpfen hatte und sich darum nicht mehr alleine aus dem Haus traute, fuhr ich sie immer zu ihren Arztterminen.“ „Da baut sich mit der Zeit schon ein Vertrauensverhältnis auf“, sind sich die drei helfenden Engel einig.

Wie die Hilfesuchenden und die Helfer zusammenkommen, erklärt Nadja Arnold: „Manchmal wenden sich die Familien oder Angehörige von Senioren direkt an mich oder an ein Mitglied des Netzwerks – dazu gehören die evangelische Gemeindepfarrerin Andrea Krakau, der katholische Gemeindereferent Christian Zengerle sowie bisher die gemeindliche Jugendbeauftragte Sonja Köhler-Kramer und die Seniorenbeauftragte Evelyn Breher (die gemeindlichen Posten werden in der neuen Legislaturperiode neu besetzt) –, manchmal werden sie über Kita, Schule oder Kirche an uns vermittelt. „Wir schauen dann gemeinsam, welche der Patinnen Zeit hat, wer die Aufgabe gern übernehmen möchte und wo es auch menschlich gut passen könnte. In der Regel endet die Patenschaft mit dem Ende der schwierigen Situation.“ Ganz wichtig sei es, im Vorfeld klar abzustecken, worum es genau geht – pflegerische Tätigkeiten erledigen wir beispielsweise gar nicht – und welchen Zeitrahmen die Unterstützung einnehmen soll. „Man soll und muss achtsam Grenzen setzen“, betont sie. Dies und viele andere Ratschläge und Informationen werde neuen Familienpaten bei der Schulung, die vor Beginn dieses Ehrenamts stattfindet, an die Hand gegeben. Zwei bis dreimal pro Jahr finden zudem Treffen statt, bei denen alle Familienpaten zum Austausch zusammenkommen. „Ich selbst bin natürlich die ganze Zeit bei Fragen und Problemen ansprechbar“, sagt Nadja Arnold.

Neue Familienpaten, auch gerne junge Leute und Herren seien jederzeit herzlich willkommen. Warum sich jemand auf diese Weise für seine Mitmenschen einsetzen sollte, wissen Brigitta Dietrich, Angelika Dill und Doris Raab. „Das ist keine Einbahnstraße. Es macht eigentlich immer Spaß und gibt einem viel. Ein Nebeneffekt ist, dass man dabei selbst mehr Kontakte knüpft, auch zur jüngeren Generation, das ist doch schön“, sind sich die Drei einig. Aktuell müssen fast alle Unterstützungsleistungen aufgrund der Kontaktbeschränkungen ruhen. „Die meisten unserer Patinnen sind selbst im Rentenalter und gehören damit per Definition einer Risikogruppe an“, so Nadja Arnold. „Während dieser Zeit bieten wir die Vermittlung von örtlich angebotenen Einkaufshilfen und stehen als Gesprächspartnerinnen am Telefon zur Verfügung.“ Wer Interesse hat, selbst Familienpate zu werden, oder wer Unterstützung benötigt, kann sich bei der Gemeindeverwaltung Dietmannsried oder direkt bei Nadja Arnold melden. Telefon: 08374/ 58 20 20.

Sabine Stodal

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