Kleinteilig & klimatisch günstig

Neuartiges Regenwassermanagement im Neubaugebiet Halde

Als kleine grüne Oasen sollen die Tiefbeete zusätzlich wirken. Darunter findet sich die Rigole als Regenrückhalt
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Als kleine grüne Oasen sollen die Tiefbeete zusätzlich wirken. Darunter findet sich die Rigole als Regenrückhalt.
  • VonHelmut Hitscherich
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Kempten – Die zunehmenden Starkregenereignisse machen bei der Erschließung neuer Baugebiete in puncto Regenwasserbewirtschaftung ein Umdenken notwendig.

Daher will die Stadt hier neue Wege gehen. Das Wasser soll möglichst vor Ort gespeichert werden, damit auf große Rückhaltebecken verzichtet werden kann. Man will im Baugebiet eine möglichst hohe Wasserverdunstung erzielen, um auf aufwändige Ableitungen mit großer Verrohrung verzichten zu können. Das Ziel ist „mehr verdunsten und wenig ableiten“, sagte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann in der Sitzung des Bauausschusses.

Klassisch: Wenig Verdunstung, viel Abfluss

Bei einer klassischen Regenbewirtschaftung mit Ableitung des gesammelten Niederschlagswassers wird das Regenwasser über Straßeneinläufe gesammelt und zusammen mit dem Abfluss aus den Privatgrundstücken über Regenwasserkanäle abgeleitet. Letztendlich wird das Wasser in dem bestehenden Regenrückhaltebecken neben der Iller gepuffert und dann in den Fluss eingeleitet. Zur Ableitung sind große und teure Rohrdimensionen erforderlich.

Bei dieser Lösung nimmt die Verdunstung im Baugebiet stark ab genauso wie die Grundwasserneubildung. Dagegen nimmt der Oberflächenabfluss sehr stark zu, was in Anbetracht der sich häufenden Starkregen problematisch sein könnte, so Wiedemann. Das vorhandene Regenrückhaltebecken war ursprünglich für das Baugebiet Halde dimensioniert. Bei der angestrebten Erweiterung des Gewerbegebietes Stiftsbleiche nach Norden könnte bei einer alternativen Regenwasserbewirtschaftung im Baugebiet Halde hierfür Rückhaltevolumen freigehalten werden.

Regenwasserspeicher auf jedem Baugrundstück

Eine alternative Regenwasserbewirtschaftung „Halde“ sieht folgendermaßen aus: Im Baugebiet werden 240 individuelle Regenwasserspeicher auf den Baugrundstücken erstellt. Entlang der Sammelstraße entsteht eine 1.600 Quadratmeter große naturnahe Sickermulde, sowie 70 Tiefbeet-Rigolen mit Begrünung, die über das gesamte Baugebiet verteilt sind. Durch diese Regenwasserbewirtschaftung werde sichergestellt, dass der Biotopweiher nicht als Zwischenpuffer verändert werden muss und der Bachlauf zwischen Baugebiet und Weiher naturnah gestaltet werden kann. 

2,5 Millionen Liter Wasser werden durch die Maßnahmen im gesamten Baugebiet gespeichert und nur langsam und verzögert abgeleitet. Die Menge entspricht etwa dem Inhalt des Sportbeckens im Stadtbad, oder 16.000 Badewannen. In der Summe werden aus dem Bereich der Halde nur rund 250 Liter pro Sekunde abgeleitet. Bei der klassischen Bewirtschaftung wären es dagegen 1.600 Liter pro Sekunde. 

Am Rückhaltebecken an der Iller kann 50 Prozent des Volumens eingespart und für die Gewerbeerweiterung verwendet werden. Aus den Tiefbeeten wird der neue Bachlauf zum Erhalt des Biotopweihers gespeist.

Unter anderem 70 Tiefbeet-Rigolen sollen entlang der Sammelstraße im Baugebiet Halde Nord eingebaut werden. Von dieser lokalen Rückhaltung versprechen sich die Verantwortlichen einige Vorteile.

Bei beiden Lösungen – konventionell und alternativ – seien die Kosten zwar annähernd gleich, ökologisch betrachtet biete die Rigolen-Entwässerung Vorteile. Diese Tiefbeete stellten eine innovative Neuerung in der Niederschlagswasserbewirtschaftung dar: Eine Regenwasserspeicherung integriert in den Straßenraum als naturnahe Grünfläche mit günstigen kleinklimatischen Auswirkungen. 

Unter der Grünfläche befindet sich die Rigole, die aus hochbelastbaren Kunststoffboxen mit einem 96-prozentigen Volumenwirkungsgrad bestehe. Die Boxen seien wartungsfreundlich und können gefilmt und gespült werden. Bei Regen entsteht ein Oberflächenabfluss, der zunächst in die Tiefbeete geleitet wird, welche sich langsam mit Wasser füllen. Das Wasser wird dann beim Durchsickern in die Rigolen-Boxen gefiltert und gereinigt. So laufen die Boxen langsam mit dem gereinigten Regenwasser voll. Mithilfe einer Drossel wird das Wasser verzögert in die Kanalisation eingeleitet. Nach Regenende entleert sich die Anlage allmählich über viele Stunden und zurück bleibt ein durchfeuchtetes Substrat mit spezieller Bepflanzung, welches für eine lange Verdunstungszeit sorgt.

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