Abschluss des Sitzungsjahres

Gestaltungsbeirat: Abschied und drei Bauprojekte

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Die geplante Wärmedämmung an der Pförtner-Villa der ehemaligen Weberei war Gegenstand der Diskussion im Gestaltungsbeirat.

Kempten – Mit einer unspektakulären, dafür eher in Details gehenden Runde sowie einer Verabschiedung schloss der Gestaltungsbeirat das Sitzungsjahr 2017 ab.

Nach zwei Jahren als Vorsitzender verabschiedete OB Thomas Kiechle unter Applaus des Gremiums Prof. Carl Fingerhuth, der „ein vorzüglicher Ratgeber gewesen“ sei. Er macht seinen Stuhl frei für die Architektin Bü Prechter. Dass alle zwei Jahre Mitglieder des Beirats ausgetauscht werden, sei laut Satzung so vorgesehen, betonte Kiechle.

Neubau Ecke Memminger-/Madlenerstraße

Nicht ganz einfach hat es die Sozialbau mit dem ersten der beiden Anfang der Woche besprochenen Projekte: dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes mit Arztpraxen (denkbar sei auch eine andere Nutzung) an der Ecke Memminger-/Madlenerstraße, neben dem Gebäude des einstigen Kreiskrankenhauses. Die horizontale Fassadengliederung des Bestandsgebäudes will Architekt Stephan Walter vom Büro f64 dabei aufnehmen und als „eine Art Referenz an das Klinikgebäude“ beim Neubau durch den Schattenwurf von Fassadensprüngen optisch fortlaufen lassen. Gestaltungsbeirat Werner Binotto war wenig begeistert davon, dass der Eingang an der Madlenerstraße liegen soll. Er sei „bewusst so gewählt“ worden, begründete Sozialbau-Chef Herbert Singer die „zweckmäßige“ Ausrichtung zur Seite von Tiefgarage und Hospiz, das ab Mai 2018 an der Madlenerstraße gebaut werden soll. Auch das geplante Flachdach gefiel dem Gestaltungsbeirat nicht sonderlich und Binotto empfahl es „nochmals zu prüfen“. Ein Problem hatte das Gremium aber vor allem mit den rund 40 oberirdischen Parkplätzen zwischen Hospiz und dem diskutierten Neubau. Schließlich handle es sich hier um eine offene Stadtfläche, fragte Fingerhuth, ob das mit Parkplätzen „wirklich so verblecht werden“ müsse. „Prinzipiell“ sah Singer das nicht anders, verwies aber auf die vorgeschriebene Anzahl von Stellplätzen, die durch die Kombination von Arztpraxen mit dem Hospiz die „Richtung 40 Stellplätze“ für Patienten und Besucher ergebe. Die 21 Tiefgaragenplätze sollen ausschließlich für die Mitarbeiter beider Einrichtungen vorbehalten sein. „Optisch würden wir uns auch gerne eine andere Lösung wünschen, aber funktional ist es nicht anders darstellbar“, bedauerte er. „Es ist ein Jammer was da oben passiert“, konnte Gestaltungsbeirätin Prof. Hannelore Deubzer nicht glauben, dass das so in der Satzung stehe, wurde aber von Baureferent Tim Koemstedt über den „klaren Teiler“ aufgeklärt. Fingerhuth bat dennoch darum zu prüfen, ob nicht wenigstens „zehn Stellplätze verzichtbar“ sein könnten, denn, pflichtete ihm Beiratskollege Norbert Dietzinger bei, „attraktiv“ sei auch der Eingangsbereich so zwischen den Parkplätzen nicht.

Ehemalige Pförtner-Villa

Es soll eine „ruhige Sanierung“ werden und das Gebäude in seiner Substanz erhalten bleiben, betonte Architekt Stephan Bartzack, Technischer Leiter Neubau bei der Sozialbau, die Herangehensweise bei der ehemaligen Pförtner-Villa an der Keselstraße, die mit der ehemaligen Weberei und der Sheddachhalle ein Ensemble bildet. In dem ursprünglich nur zweigeschossigen, später auf drei Geschosse aufgestockten Gebäude sollen Wohnungen und Büroräume entstehen. Dass die Sozialbau die wegen der beiden getrennten Bauphasen unterschiedlichen Fensterreihen angleichen will, sah der Gestaltungsbeirat allerdings skeptisch und sowohl Fingerhuth als auch Dietzinger wollten auf jeden Fall den Sockel als Erdgeschoss erhalten wissen. Vor allem aber stieß den Beiräten die bis sechs Zentimeter dicke Wärmedämmung auf, die laut Bartzack „leider Vorschrift“ sei. „Da können Sie auch die Architektur neu erfinden“, schüttelte Binotto den Kopf. Das Haus erzähle doch eine interessante Geschichte, aber „auf Ihren Skizzen sehe ich nur eine Vereinheitlichung“, eine „Banalisierung der Geschichte“ meinte Fingerhuth und ahnte vermutlich nicht, dass er damit bei Bartzack und Singer offene Türen einrannte, die „gerne“ einer Sanierung für eine jetzige Nutzung zustimmten, die so nahe wie möglich an der Gebäudeform wie auf einem Bild von 1921 zu sehen sein soll. Und weil es laut Dietzinger ein „so außergewöhnliches Projekt ist“, soll es im Gremium nach der Überarbeitung nochmals gezeigt werden.

Grundstücksbebauung in Lenzfried

Herausfinden was an Bebauung möglich ist, darum ging es bei den von Architekt Hans-Peter Müller von msw architekten im Auftrag eines Kaufinteressenten vorgelegten Plänen für den Bau eines Einzel- und eines Doppelhauses auf dem Grundstück mit 3000 Quadratmetern Freifläche und einem leerstehenden Bestandsgebäude Am Alpenblick 8. Das Einzelhaus will der potentielle Bauherr selbst bewohnen, das Doppelhaus vermieten.

Bei einer früheren Vorlage waren die Flachdächer beanstandet worden, die in den von Architekt Müller vorgestellten Alternativen erneut Zündstoff boten: die Nebengebäude sollen laut Plan ein flaches Gründach erhalten, die Hauptgebäude ein, wie auf der Skizze zu sehen eher angedeutetes, Walm- oder Zeltdach aus Blech. Im Grunde nur „Alibidächer“, kritisierte Dietzinger und wünschte sich dass „hier am Ortsrand“ etwas interessanteres geschaffen würde, räumte aber auch ein: „ich kann Sie nicht zwingen“. Auch die anderen Gremiumsmitglieder zeigten sich wenig beeindruckt von Müllers Aussage, dass seinem Interessent eben ein „Flachdach sehr am Herzen liegt“ und er „keine Schräge innerhalb des Gebäudes sehen“ wolle. Laut Koemstedt ist derzeit noch keine Erschließung gesichert und so lange werde es auch im Bauausschuss nicht behandelt.

Christine Tröger

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