Leben und Leben lassen?

Neubau von Exxpozed in Dietmannsried gärt in Kempten weiter

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Kempten/Dietmannsried – Für Verdruss bei der Stadt Kempten sorgt immer noch die Ansiedlung des Sportartikel-Handels „Exxpozed“ in Dietmannsried. Die Verkaufsfläche von 764 Quadratmetern widerspreche dem Bebauungsplan der Gemeinde und dem Landesentwicklungsprogramm, argumentiert die Stadt.

„Wir wollen nicht, dass dies ein Präzedenz-Fall wird“, sagt der städtische Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl, der in Exxpozed eine Gefahr für Kemptens Sportgeschäfte sieht. Der Online-Handel Exxpozed, der Kletter- und Sportartikel vertreibt, war bis 2018 in Kempten ansässig. Weil sich das Unternehmen vergrößern wollte, hatte Inhaber Andreas Bindhammer nach einem entsprechenden Standort gesucht. In der Innenstadt war er nicht fündig geworden. Im Außenbereich von Kempten durfte er sich nicht ansiedeln. Das Einzelhandelskonzept der Stadt erlaubt Sortimente, die auf der Kemptener Liste vermerkt sind, im Außenbereich nur bis zu einer Verkaufsfläche von 200 Quadratmetern. Sportartikel gehören zu ebendiesen Sortimenten.

Gelandet ist Bindhammer mit seinem Unternehmen schließ- lich in Dietmannsried, wo im Gewerbepark Ost II ein Lager-, Logistik- und Kletterbereich entstand, genauso wie eine Verkaufsfläche von 764 Quadratmetern. 

„Viele unserer Kunden waren schon dort“, sagt Stadtrat und Sportartikel-Händler Alexander Buck (CSU), der sich mit Händler-Kollegen aus der Innenstadt über dieses Thema unterhalten habe, „Einzelhändler haben es sowieso schon schwer, da merkt man jeden Bewerber, der sich in der Peripherie breit macht.“ Genauer beziffern könne er die Abnahme der Kunden aber nicht. 

Die Stadt hat nun den Handelsverband Bayern eingeschaltet. Wenn Exxpozed seine Verkaufsfläche verkleinern würde, wäre das aus Sicht der Stadt „schon wünschenswert“, sagt Wirtschaftsreferent Schießl. Laut ihm hätte das Landratsamt hier gar keine Baugenehmigung erteilen dürfen. Der Bebauungsplan für das Gebiet erlaubt Verkaufsstätten nur, sofern sie einem produzierenden Gewerbe zugeordnet werden können, „und eine Fläche von weniger als 200 Quadratmetern aufweisen“. Was hier beides nicht zutrifft.

Dietmannsrieds Bürgermeister Werner Endres versteht die Aufregung indes nicht. „Es gab ein großes klärendes Gespräch im August. Wir dachten, die Sache ist jetzt vom Tisch“, sagt er gegenüber dem Kreisbote. „95 Prozent des Geschäfts läuft online“, sagt Endres, „daher ist Exxpozed keine direkte Konkurrenz. An jedem anderen Standort in Deutschland wäre der Effekt der Gleiche.“ Er verweist darauf, dass es sich hier um einen „atypischen Betrieb“ handle. 

Landratsamt-Pressesprecher Andreas Kaenders erklärt, dass gerade die Verbindung von Kletterhalle, Online-Versand und Verkauf atypisch sei. Insbesondere wegen der starken Orientierung auf den Onlinehandel habe das Landratsamt eine Befreiung vom Bebauungsplan erlaubt. Wichtig sei hier auch das Einvernehmen mit der Gemeinde Dietmannsried gewesen, so Kaenders. Hätte das Landratsamt die Befreiung vom Bebauungsplan nicht erteilt, hätte die Gemeinde den Bebauungsplan auch ändern können, so das Argument aus Sonthofen. Da dies aber umständlicher gewesen wäre, hätte das Amt die Baugenehmigung sofort erteilt. 

Dem widerspricht Kemptens Wirtschaftsreferent Schießl und beruft sich auf das Landesentwicklungsprogramm (LEP). Dietmannsried hätte Einzelhandel in diesem Gewerbegebiet nicht zulassen dürfen, da es sich an einer Autobahnanschlussstelle befindet und nicht an den Ortskern angebunden ist. In diesem Fall erlaube das LEP keinen Einzelhandel. 

Ein weiterer Dorn im Auge ist der Stadt Kempten, dass die Sportartikel von Exxpozed aus ihrer Sicht mitnichten der „Versorgung der Nahbereiche mit Gütern und Dienstleistungen des Grundbedarfs“ (Begründung Ziele und Grundsätze A III) dienen, wie es der Regionalplan fordert. Das Landratsamt beruft sich in seiner Erwiderung aber ebenfalls auf Regionalplan und LEP. Es argumentiert, dass sehr wohl berücksichtigt worden sei, dass Einzelhandelsgroßprojekte nur an zentralen Orten ausgewiesen werden dürfen (LEP) und darauf zu achten ist, dass sie die Funktionsfähigkeit der zentralen Orte – wie Kempten – nicht wesentlich beeinträchtigen. Und groß seien Einzelhandelsprojekte erst ab einer Geschossfläche von 1200 und eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern (Urteil BVG). 

Aber was sagt ein Stadtrat dazu, der nicht selbst einen Sportartikel-Laden betreibt? Siegfried Oberdörfer von der SPD freut sich, dass das Thema zur Sprache kommt, um es einmal in den Ausschüssen zu beraten. Er sei aktuell nicht mit der Angelegenheit befasst, weiß aber, dass es ein schwieriges Thema sei und viele Regelungen im LEP sehr schwammig seien. „Die Vorgaben müssen ja für viele Orte und Städte gelten.“ Auch wenn nach Oberdörfers Meinung partnerschaftlich mit dem Umland umgegangen werden müsse, müsse die Stadt nach Möglichkeiten suchen, wie Fehlentwicklungen vermieden werden könnten, stößt er ins gleiche Horn wie Buck. 

Dass Kempten Dietmannsried in letzter Konsequenz verklagt, schließt Wirtschaftsreferent Schießl nicht aus. „Aber wir gehen nicht gleich davon aus“, schiebt er nach. Wichtig sei ihm, an diesem Beispiel eine gemeinsame Sichtweise zu erlangen.

Susanne Kustermann

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