Zweckverband beschließt Planungskonzept für 30-Millionen-Projekt

Neubau der FOS BOS soll bis 2022 stehen

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Östlich des Rundbaus (links im Bild) soll auf dem Schulparkplatz des Berufsschulcampus ein Neubau für die FOS BOS entstehen.

Kempten – Die Fachoberschule und Berufsoberschule (FOS BOS) Kempten platzt seit Jahren aus allen Nähten. Die Schülerzahlen sind rasant angestiegen. Anstelle der vor Jahren kalkulierten elf Klassen gibt es aktuell 37 Klassen mit mehr als 1000 Schülern.

Die Raumnot ist groß. Nun hat der Zweckverband Berufliches Schulzentrum Kempten das Planungskonzept für einen Neubau beschlossen. Die notwendige Sanierung der Bestandsbauten soll erst in einem zweiten Schritt erfolgen.

Viele Schüler der FOS BOS können nicht in dem eigentlich dafür vorgesehenen Rundbau unterrichtet werden, sie müssen auf Räumlichkeiten der benachbarten Berufsschulen ausweichen. Dies soll sich endlich ändern. Rainer Lindermayr vom Kemptener Architektur- und Stadtplanungsbüro f64 stellte in der Verbandsversammlung des Zweckverbands den aktuellen Planungsentwurf vor.

Künftig 10.000 qm Fläche

Demzufolge soll an der Ostseite des Rundbaus ein dreigeschossiger, kubischer Querbau mit breiten Fensterfronten und einer Bruttogeschossfläche von 7000 Quadratmeter (qm) entstehen (die aktuelle Bestandsfläche der FOS BOS liegt bei 3132 qm). Bei der Außenfassade schlagen die Architekten eine einheitliche Gestaltung, angelehnt an den Rest des Campus vor. „Der Rundbau wird als architektonischer Sonderling so belassen.“ Da ein eigenes Versickerungssystem für Regenwasser zu teuer wäre, wird das Flachdach des Neubaus begrünt. „Für den Bau müssen einige Bäume weichen“, so Lindermayr, es soll jedoch Ersatzpflanzungen geben. Die ohnehin schon angespannte Parkplatzsituation wird sich durch den Wegfall zahlreicher kostenfreier Stellplätze am Schulparkplatz an der Kotterner Straße weiter verschärfen. „Die baurechtlichen Stellplatzanforderungen werden wir trotzdem einhalten.“ Für den Bau seien Befreiungen vom Bebauungsplan an der Kotterner Straße nötig. „Diese scheinen möglich zu sein.“

Der Verbandsvorsitzende, Landrat Anton Klotz, betonte: „Mit diesen Plänen tragen wir dem Klassenraumbedarf und anderen Anforderungen Rechnung.“ Die Schule selbst sei dauerhaft in die Planungen involviert. Man versuche, größtmögliche Flexibilität im Hinblick auf zukunftsgerichtete Unterrichtsmethoden, soweit vorhersehbar, zu gewährleisten. Der städtische Bauausschuss habe bereits Kenntnis von dem Entwurf und diesen ohne Einwände zur Kenntnis genommen.

"An der Untergrenze"

Dr. Björn Nohe vom beauftragten Projektmanagement- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer stellte den aktuellen Kosten- und Terminrahmen für die Maßnahme dar. Der Fahrplan: Der erste Förderantrag wird diese Woche bei der Regierung von Schwaben eingereicht. Ein Abstimmungsgespräch habe bereits stattgefunden. „Der Bedarf wurde von der Regierung von Schwaben anerkannt und sogar an der eher unteren Grenze dessen, was förderfähig wäre, eingestuft“, so Klotz. „Wir dürfen nicht den Fehler begehen, zu knapp zu bauen, um nicht in ein paar Jahren wieder anbauen zu müssen, aber wir wollen das Ganze auch nicht unnötig aufblähen.“ Parallel wird eine Bauvoranfrage bei der Stadt Kempten eingereicht. Der Vorentwurf wird in den kommenden Monaten weiter fortgeschrieben. Im April/Mai 2019 erfolgt die Einreichung des endgültigen Förderantrages, für den ein schlüssiges Gesamtkonzept (inklusive der anstehenden Sanierungsmaßnahmen der Bestandsgebäude) vorliegen muss. Um nicht förderschädlich zu handeln, ist ein europaweites Vergabeverfahren nötig.

Baubeginn 2019

Der Baubeginn der neuen FOS BOS ist für das dritte Quartal 2019 anvisiert, die Fertigstellung soll im zweiten oder dritten Quartal 2022 erfolgen. „Eine Sanierung der anderen Schulen ist vor Fertigstellung des Neubaus nicht sinnvoll“, so Nohe. Die Gesamtkostenschätzung bezifferte er mit 30,45 Millionen Euro brutto. Davon schlägt der Neubau mit knapp 22,2 Millionen Euro zu Buche, die Bestandssanierung mit rund 8.25 Millionen Euro. Für unvorhergesehene Ausgaben wurden Rücklagen in Höhe von 5,075 Millionen Euro berücksichtigt. Kostenträger sind zu je 50 Prozent der Landkreis und die Stadt Kempten. Anton Klotz: „Der Anteil des Landkreises wird bei ca. acht bis neun Millionen Euro liegen. Der Zweckverband schafft hierfür bereits Umlagen im Kreishaushalt.“ Laut Nohe ist von einem mittleren Gesamtfördersatz von 40 Prozent auszugehen. „Die Entscheidung über die tatsächliche Förderung liegt aber bei der Regierung von Schwaben.“

Die Verbandsversammlung beschloss die Konstituierung einer Projektgruppe als Lenkungs- und Beratungsgremium. Diese soll den Entscheidungsweg verschlanken, um Verzögerungen in Planung und Bauablauf zu vermeiden. Der Vorschlag für die personelle Besetzung lautet: Reinhard Reitzner (Kreiskämmerer LRA OA), Eberhard Mangold (Geschäftsführer Zweckverband Berufliches Schulzentrum), Tim Oliver Koemstedt (Baureferent Stadt Kempten), Antje Schlüter (Amtsleiterin Stadtplanungsamt Stadt Kempten), Christian Buck (Amt für Gebäudewirtschaft Stadt Kempten), Matthias Haugg (Amt für Finanzen, Stadt Kempten), Anton Klotz und Kemptens OB Thomas Kiechle. Die genaue Besetzung, Aufgaben und Befugnisse werden gesondert festgelegt.

Die Leiterin der FOS BOS, Helga Traut, dankte der Versammlung für das Engagement zugunsten der Schule. Verbandsmitglied Erna Kathrein Groll (Grüne) lobte, „das Geld, das man da in die Hand nimmt, ist gut angelegt“. Auch Anton Klotz zeigte sich überzeugt: „Wir gehen damit einer guten Zukunft entgegen. Im Bereich der beruflichen Weiterbildung müssen wir dran bleiben.“

Sabine Stodal

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