Sachstandsbericht entzündet die Gemüter

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In der Orangerie ist derzeit die Stadtbibliothek beheimatet. Die hat dort jedoch nicht genügend Platz.

Kempten – Viel Neues brachte der Sachstandsbericht von Andrea Graf, Leiterin der Kemptener Stadtbibliothek, vor dem Kulturausschuss zwar nicht. Diskussionsstoff bot er dennoch.

Das lag aber weniger an den nicht neuen Fakten: mangelnde Barrierefreiheit, Platznot, schwierige Arbeitsbedingungen für das Personal und und und. Und auch nicht daran, dass man dagegen nichts unternehmen will.

Eine hitzige Diskussion entbrannte wegen des von OB Thomas Kiechle kürzlich vorgebrachten und vom Gestaltungsbeirat prinzipiell befürworteten Vorschlags, ein neues Bibliotheksgebäude auf der Zumsteinwiese im Bereich der dortigen Tiefgarageneinfahrt zu errichten (der Kreisbote berichtete mehrfach). Dabei sollte es in dieser Sitzung längst noch nicht um die Entscheidung ob oder ob nicht gehen, sondern lediglich um Kenntnisnahme des Status quo sowie des Terminplanes für den Wettbewerb.

So zeigte sich nach dem mit Fakten unterlegten Plädoyer für besagten Neubau von Graf der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern im Gremium.

Für Alexander Hold (FW) war klar dass es einen „wunderschönen Neubau“ geben müsse und er begrüßte den Wettbewerb, dessen Ergebnis „sehr offen“ sei. Die Stadtbibliothek werde „irgendwo“ kommen, die Frage sei aber auch „wann“. Er gehe davon aus, dass alle Befürworter des Standortes in der Orangerie „schon ewig nicht mehr dort waren“. Der Kulturbeauftragten Silvia Rupp (CSU) „hat regelrecht das Herz geblutet“, als sie von einer möglichen Verlagerung der Stadtbibliothek gehört habe und sie bat um Prüfung aller Möglichkeiten, diese dort belassen zu können. Im Stadtpark müsste es zudem „ein Riesenkasten werden“. Fraktionskollege Andreas Kibler dagegen sah „eine Reihe von Gründen“, warum eine Entwicklung in der Orangerie „unheimlich schwierig“ werde. Zur Freude der SPD-Gremiumsmitglieder rief er „frei nach Willy Brand“ dazu auf, „mehr Zukunft wagen“, denn es müsse nicht immer alles so bleiben wie es ist.

Michael Hofer (ÖDP) rechnete vor, dass die Ertüchtigung für den Mindeststandard der Orangerie mit drei bis fünf Millionen Euro zu Buche schlagen würde. „Dafür ist kein Neubau möglich.“ Eine Chance wolle er dem neuen Gebäude aber dennoch geben. Sibylle Knott (FW) war sich sicher, dass trotz aller Anstrengungen der „Service immer sehr defizitär bleiben wird“, wenn die Stadtbibliothek in der Orangerie bleibe. Katharina Schrader (SPD) wollte dem Vorhaben erstmal „eine Chance“ geben, aber auch seine Grenzen im Auge behalten. Birgit Geppert (CSU) fragte, ob der Stadtpark für den Neubau aus städtebaulicher Sicht wirklich gut sei und wetterte, dass man hier „dauernd etwas Neues vor die Nase gesetzt bekommt“ und es keinem gefalle, wie „der Klotz der Sparkasse“. Und jetzt komme noch der Gestaltungsbeirat „der meint, man braucht dazu ein Gegengewicht“ was Zugzwang erzeuge, warnte sie, „den Kemptenern wieder so etwas vorzusetzen“. Als Alternative regte sie an eine ober- oder auch unterirdische Verbindung von Orangerie und dem „Klecks“-Gebäude in Erwägung zu ziehen.

Kiechle warnte „dringend“ davor bei dem „zarten Gebäude“ der Orangerie in einen Anbau zu gehen, wie in der Vergangenheit immer wieder diskutiert. „Auf die Reaktion der Bürger können wir dann gespannt sein.“ Klar sei, dass die Orangerie in jedem Fall „der Öffentlichkeit zugänglich bleiben muss“. Aber man müsse „die Chance nutzen“, die, sofern „darstellbar“, eine gute Lösung sei und „sachlich“ angegangen werden sollte. Eine neue, zeitgemäße Bibliothek „kann auch einen Schub im sozialen Bereich auslösen“, warb er dafür. Denn das jetzt „ist keine Bücherei, es ist eine Orangerie“, in die Bücherregale gestellt seien. „Wir sind es halt gewohnt“, jeder andere „schüttelt sich“, beim Betreten.

Christine Tröger

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