Medizinische Versorgung gesichert

Neue Ärzte für Isny dank flotter Sprüche

BM Rainer Magenreuter, Christine Schindler von der Agentur „Kodiak“ und Medizinberater Guntram Fischer aus Kempten.
+
Mit coolen Sprüchen gegen den Ärztemangel: v.l. BM Rainer Magenreuter, Christine Schindler von der Agentur „Kodiak“ und Medizinberater Guntram Fischer aus Kempten.

Isny – Sogar in Wien sind sie durch diese Bilder auf das Städtle im Allgäu aufmerksam geworden:

Störche über sattgrünen Wiesen, der Blick vom Schwarzen Grat, die Stadtmauer im milden Sonnenlicht, dazu rauschende Bäche und flotte Sprüche – die jüngste Kampagne zur Gewinnung neuer Ärzte hat für Aufsehen gesorgt. Nicht nur rund um den Blaserturm, sondern in ganz Mitteleuropa. Und sie war erfolgreich. Für mindestens vier Allgemeinarztpraxen sind NachfolgerInnen gefunden worden. Damit sind wegen Überalterung drohende Lücken in der medizinischen Versorgung der Stadt und des Umlandes vermieden worden.

„Neue Ärzte braucht die Stadt“, so formulierte Bürgermeister Rainer Magenreuter bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses den Ina-Deter-Hit „Neue Männer braucht das Land“ um. Ein Gutachten hatte vor vier Jahren den sich anbahnenden Medizinermangel ans Licht gebracht. Acht von elf Allgemeinärzten standen damals aufgrund ihres Alters vor dem Berufsende, die Nachfolge für ihre Praxen war ungeklärt, es musste etwas getan werden.

Arztsuche als Chefsache

„Eigentlich ist das nicht Aufgabe einer Kommune“, sagt Magenreuter, „aber irgendwer musste die Initiative ergreifen.“ Die Arztsuche wurde zur Chefsache erklärt. Zusammen mit Medizinberater Guntram Fischer aus Kempten und Kommunikationsfachfrau Christine Schindler aus Leutkirch war man sich sofort einig: Es müssen neue Wege beschritten werden, um junge MedizinerInnen für die Aufgabe in Isny zu interessieren. „Früher hat ‘ne Anzeige im Ärzteblatt gereicht und die Nachfolge war geregelt“, so Fischer, „das geht heute gar nicht mehr, das Geld für die Anzeige können Sie sich sparen.“

Starkes Interesse in Europas Großstädten

Die neue Generation von ÄrztInnen nutzt andere Medien, sie hat andere Erwartungen und Lebenspläne, so die Erkenntnis. Ihr ist die vielzitierte „Work-Life-Balance“ wichtiger als schnelles Geldverdienen, Teamarbeit als angestellter Arzt wird bevorzugt, von Bürokratie will sie möglichst verschont bleiben, das Umfeld muss stimmen. Und sie sucht neue Herausforderungen und Möglichkeiten im Internet und auf Social-Media-Kanälen.

Also wurde im Oktober vergangenen Jahres eine Homepage installiert, auf der Isny mit seinen Vorzügen warb. „Beginnen Sie Ihr neues Leben dort, wo andere Urlaub machen! Hier lebt es sich entspannt und stressfrei. Die Wege sind kurz, die Menschen herzlich und das städtische Leben ist vielfältig und bunt. Direkt vor der Haustüre ragen die Berge auf und locken zu immer neuen Erlebnissen in unvergleichlicher Natur. Wir nennen das nicht Work-Life-Balance. Wir nennen es Isny. Ihr neues Zuhause im Allgäu.“ Ein emotionales Video, viele Infos und dazu Magenreuter und Fischer als bildgewordene Ansprechpartner verfehlten ihre Wirkung nicht: „Innerhalb kurzer Zeit hatten wir elf ernsthafte InteressentInnen an der Hand“, bilanzierte Fischer. Bis zu 12.000 MedizinerInnen klickten auf www.arzt-in-Isny.de, ein Drittel davon aus Großstädten wie Wien, München oder Berlin und im Schnitt 35 bis 40 Jahre alt.

Lob für pfiffige Kampagne

„Das Echo war überraschend“, so Christine Schindler. Auch der SWR-Hörfunk wurde aufmerksam und befragte Magenreuter zu diesem neuen, ungewöhnlichen Weg, ÄrztInnen für die Nachfolge mehrerer Praxen zu finden. Nicht nur für AllgemeinmedizinerInnen wurde Isny plötzlich als Arbeitsplatz attraktiv, auch andere Fachrichtungen meldeten sich. „Es war eine sehr erfolgreiche Aktion“, freut sich Magenreuter, „wir wollen das in abgespeckter Form bei Bedarf wiederholen.“ Isnys MedizinerInnen versorgen rund 40- bis 50.000 Menschen, da sind nicht nur Allgemeinärzte wünschenswert, sondern auch weitere Facharztpraxen.

„Es war eine richtig pfiffige Kampagne“, lobte Gemeinderat Wolf-Dieter Massoth, selbst Arzt, „sie hat die Situation deutlich entspannt.“ Und Peter Clement aus Neutrauchburg sah einen nachhaltigen Werbeeffekt für das ­Städtle: „Isny ist dadurch prominent platziert worden.“

Lutz Bäucker

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker Kempten: Corona-Lage verschärft sich - Gemeinsamer Appell zur Vorsicht
Corona-Ticker Kempten: Corona-Lage verschärft sich - Gemeinsamer Appell zur Vorsicht
Trotz Demonstrationsverbot - Die Polizei spricht von bis zu 1000 „Querdenkern“
Trotz Demonstrationsverbot - Die Polizei spricht von bis zu 1000 „Querdenkern“
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht

Kommentare