Selbstbestimmt, fest verwurzelt und gesellig bis ans Lebensende

Neue Angebote in St. Mang

Senioren Beratung und Begegnung_Symbolbild.
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Symbolbild.
  • VonAntonia Knapp
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Kempten – In der städtischen Quartiersarbeit in St. Mang begegnen die Menschen in jüngster Zeit „vielen neuen Gesichtern“, berichtete Cornelia Sauter vom Amt für Integration dem Ausschuss für soziale Fragen. Das Mehrgenerationenhaus hat mit Angela Isop seit April eine neue Leiterin. Die Nachfolgerin von Gerda Renner-Hesse hatte zuvor die Volkshochschule Marktobderdorf geleitet. Cordula Amann, Koordinatorin des „Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts“ und der Anlaufstellen für ältere Menschen, betonte, das lange etablierte Mehrgenerationenhaus (MGH) sei „ein wichtiger Ort der Begegnung“.

Nach den Einschränkungen der Pandemiezeit und dem Wechsel an der Spitze des Hauses will das MGH-Team „Bewährtes fortführen“, aber auch „Neues gestalten“ und vor allem den Zusammenhalt in St. Mang stärken.

Keine leichte Aufgabe, denn das Quartier setzt sich aus zwei sehr unterschiedlichen Bezirken zusammen. Insgesamt sind in den Stadtbezirken 72 und 73 20 Prozent der Bewohner mindestens 65 Jahre alt, 32 Prozent leben in einem Ein-Personen-Haushalt. 

Wer sich vergegenwärtigt, dass die drei Hausarztpraxen im Quartier notorisch ausgebucht sind und die immerhin recht zahlreichen Gastronomiebetriebe wohl überwiegend ein jüngeres Publikum ansprechen, bekommt eine Ahnung davon, wie wichtig das Mehrgenerationenhaus und die Arbeit des neuen Ansprechpartners für Ältere, David Seidel, sind. Der frisch gebackene Sozialwirt, der seine neue „Anlaufstelle für ältere Menschen in St. Mang“ zum 1. Juli angetreten hat, wird künftig regelmäßig Beratungen im MGH und im Stadtteilbüro St. Mang anbieten. Bereits während seines Studiums war er für sein Praxissemester und ehrenamtlich in der hiesigen Quartiersarbeit tätig, wie Amann berichtete.

Seidel wird im MGH nicht nur „Kennenlern-Stündchen“ anbieten, sondern sich den älteren Anwohnern auch per Brief vorstellen, nicht zuletzt um präventive Hausbesuche anzubieten. Denn „der tiefere Sinn der Quartiersarbeit“ sei, dass die Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben können und eine „wohnortnahe Versorgung“ bekommen. Gemeinsame Freizeitvergnügen, gemeinschaftliche Projekte und informative Veranstaltungen, etwa zur Gesundheitsvorsorge, sollen „das Wir-Gefühl stärken“, die Menschen zusammenbringen und zeigen, dass alle Generationen teilhaben und ihre Umgebung mitgestalten können. 

Neben den Anlaufstellen für Ältere bietet die Stadt älteren Menschen, Menschen mit Behinderung sowie allen, die rechtzeitig vorbeugen wollen, auch eine Fachstelle für Wohnberatung und Wohnraumanpassung. Dort, im Margaretha- und Josephinenstift, verfügt Sozialarbeiter Berthold Klein, der seit Kurzem zertifizierter Wohnberater ist, über ein Musterbad, in dem er seinen Klienten die Möglichkeiten, die ein „bodengleiches“ Badezimmer bietet, vorführen kann. 

Klein ist überzeugt, dass mit der altersgerechten Umgestaltung von Wohnungen eine umfangreiche Aufgabe von enormer Bedeutung „auf uns zukommt“, vergleichbar mit der vieldiskutierten energetischen Gebäudesanierung.

Mit einem Infostand bei den Altbautagen 2020 und der Wanderausstellung „Daheim wohnen bleiben – sicher und selbstbestimmt“, die u.a. in den Schaufenster des Verwaltungsgebäudes in der Kronenstraße zu sehen war, hat der frisch zertifizierte Wohnberater bereits versucht, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, Vorbehalte und Bedenken zu entkräften. Gerade „die ältere Generation hat starke Beharrungstendenzen: sie arrangieren sich“ mit ihrer Wohnsituation, obwohl sie es eigentlich leichter haben könnten – „‚passd scho‘“. Für den kommenden Herbst plant Klein daher ein Bürgerforum, das dem Erfahrungsaustausch dienen soll. Außerdem will er unter dem Arbeitstitel „Heute schon an morgen denken“ Architekten einladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

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