Neue Attraktion im Archäologischen Park Cambodunum

Mit 15 Erlebnisstationen und einer interaktiven App das antike Kempten im Römerpark erleben

Rundgang im APC mit Altbürgermeister Dr. Josef Höß, Dr. Gerhard Weber, 3. Bürgermeisterin Erna Kathrein Groll, Dr. Maike Sieler, und ganz rechts OB Thomas Kiechle.
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Sichtlich erfreut über den neuen Rundgang im APC: Altbürger-meister Dr. Josef Höß, Dr. Gerhard Weber, 3. Bürgermeisterin Erna Kathrein Groll, Dr. Maike Sieler, und ganz rechts OB Thomas Kiechle.

Kempten – Bei strahlendem, aber sehr kaltem Herbstwetter fand am vergangenen Mittwoch im Archäologischen Park Cambodunum (APC) die Einweihung des neuen Rundwegs „Reise in die Römerzeit“ statt. Mit verschiedenen Erlebnisstationen und einer multimedialen „Cambodunum App“ hat damit der größte Römerpark im Süddeutschen Raum eine neue Attraktion. Der neu gestaltete Rundgang bietet Informationen, Tastmodelle und Gebärdensprachvideos, die einen interaktiven Einblick in die Geschichte der ältesten schriftlich erwähnten Stadt Deutschlands ermöglichen.

Mit virtuellen 360 Grad Videos, umgeben von den beeindruckenden Monumenten und den Bewohnern der Römerstadt, werden die BesucherInnen in die Antike versetzt. Auf einer zusätzlichen Quiz-Tour tritt sogar der „Römer“ Tiberius Claudius Satto in Erscheinung, dessen Existenz zur Zeit der Römer in Kempten belegt ist. Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle durfte zahlreiche geladene Gäste begrüßen, darunter auch seinen Amtsvorgänger, Altbürgermeister Dr. Josef Höß, in dessen Amtszeit in den 1980er Jahren die Entstehung des Cambodunumparks liegt. Mit Dr. Gerhard Weber, damals Stadtarchäologe und Kulturamtsleiter, hatte alles angefangen.

Kiechle bedankte sich bei den Sponsoren, die dieses Projekt erst ermöglichten, namentlich das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern sowie aus der Bürgerschaft, u.a. der Beirat für Menschen mit Behinderung, Heimatverein Kempten und die Römergruppe, der Ballistarii Camboduno. Dank der Kooperation mit der Hochschule in Kempten, mit dem wissenschaftlichen Beirat des Archäologischen Parks Camobodunum und vor allem dessen Vertreter Professor Dr. Salvatore Ortisi von der LMU in München verdankt die Stadt zudem eine Vernetzung in den Wissenschaftsbereich.

Besonders bedankte sich der OB bei Dr. Maike Sieler, unter deren fachkundlichen Leitung die Kuratierung und Umsetzung der Reise in die Römerzeit im APC erst möglich geworden sei. Die musikalische Umrahmung auf antiken Instrumenten gestaltete Thomas Frasch von der Stadtkapelle mit seiner Gruppe, die Kiechle kurzerhand „Musica Archaeologica“ taufte. Nach dem musikalischen Leckerbissen moderierte Kulturamtsleiter Martin Fink, der darauf hinwies, dass der APC das erste LEADER geförderte Projekt in Kempten sei, eine Gesprächsrunde und stellte damit die Projektbeteiligten vor. Christof Endreß, Bürgermeister von Blaichach und Vorsitzender der Leader LAG Oberallgäu berichtete über die Gründung der LAG Oberallgäu im Jahre 2004. Zuerst sollten nur ländliche Gebiete gefördert werden, ab 2014 auch größere Städte, wie z. B. Kempten. Laut AELF-Leiter Dr. Alois Kling, wurde das Leader Projekt Cambodunum Park mit 102.600 Euro gefördert. Gefragt nach ihren Visionen, möchte die Leiterin des APC, Dr. Maike Sieler an diesem authentischen Ort, der den vollständigsten bekannten Grundriss einer römischen Stadt aufweist, Informationen vermitteln.

Er soll neben touristischer Attraktion und außerschulischem Lernort auch Jugendtreff und Begegnungsstätte für Menschen aller Altersgruppen werden. Sie möchte das Schaffen und Wirken des früheren Kulturamtsleiters und Begründers des APC, Dr. Gerhard Weber weiterführen. Dr. Christof Flügel vom Landesamt für nichtstaatliche Museen in Bayern konnte persönlich zwar nicht anwesend sein, da München aufgrund der Corona-Krise zum Risikogebiet erklärt worden war. Aber er richtete eine Audio-Botschaft an alle Anwesenden. Im Anschluss an die offizielle Begrüßung begleiteten Sieler und zwei weitere Führer die Anwesenden in drei Gruppen durch das Freigelände zu den einzelnen Stationen bis zu den kleinen Thermen. Dort konnten die TeilnehmerInnen bei einem Umtrunk und kleinen Snacks die Vorführung der 360-Grad-Videos der Römerstadt auf Großleinwand erleben.

Auch für die künftigen BesucherInnen heißt das, virtuelle Realität und ein neuer interaktiver Rundweg durch das Parkgelände am Originalschauplatz der ältesten schriftlich erwähnten Stadt Deutschlands die in den Alltag der Einwohnerinnen und Einwohner der antiken Römerstadt eintauchen lassen. So wird die Römerstadt nach 2000 Jahren zum inklusiven Erlebnis. Auf dem neuen Rundweg der „Reise in die Römerzeit im APC“ animieren 15 interaktive Infostationen barrierefrei und inklusiv zum Erleben mit allen Sinnen. So lassen sich an unterschiedlichen Tast-Stationen u.a. Halbreliefs römischer Objekte ertasten oder römische Baumaterialien erfühlen. Außerdem können die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel an der Station „Paradiesisches Grün“ erfahren, wie Pflanzen der Römerzeit dufteten.

Oder sie können an der Rundwegstation beim Tempelbezirk verweilen, die hoch über der Iller thront und einen grandiosen Blick über das moderne Kempten eröffnet. Der Blick durch eines der Ferngläser ist insbesondere für Kinder ein Highlight. Mit der Cambodunum App wird die Atmosphäre der antiken Stadt und der umgebenden Kulturlandschaft dann auf unvergleichliche Weise lebendig. Mit ihr werden Tablets und Smartphones zum digitalen Fenster in die Vergangenheit und zum „Luftfahrzeug“ für einen virtuellen Rundflug über die ideal rekonstruierte Römerstadt Cambodunum. Virtuelle 360- Grad-Panoramen lassen direkt in das antike Leben eintauchen und die Dimensionen der damaligen Baukunst erleben. Außerdem lernt man den ältesten namentlich bezeugten „Kemptener“ kennen – den Römer Tiberius Claudius Satto. Sein Grabstein wurde in Budapest gefunden und do-kumentiert ein wahrlich bewegtes Leben.

In der spielerischen „Quiz-Tour“ der App kehrt dieser weit gereiste Römer keltischer Herkunft in seine Heimatstadt zurück. So lässt die Cambodunum App das Rundgang-Erlebnis noch ein wenig realer werden. Die Cambodunum App bietet zum einen eine Info-Tour über das Gelände mit beeindrucken-den Filmsequenzen und digitalen 360-Grad-Panoramen, und zum anderen animiert sie Jung und Alt mit einer Quiz-Tour zum Spielen und Ausprobieren. Wie der gesamte Rundgang ist auch sie barrierearm angelegt – mit Gebärdensprachvideos und Audiodeskription. Sie kann ab jetzt in allen gängigen App-Stores her-untergeladen werden. Das neue Besucherleitsystem ist zudem besonders barrierearm.

Dank berollbarer Wege kommen auch mobilitäts-eingeschränkte Menschen in den Genuss der neuen APC-Highlights. Weitere Teile des neuen Leitsystems sind barrierefreie Orientierungstafeln an den Eingängen Tempelbezirk und Kleine Thermen so-wie tragbare taktile Pläne zum Mitnehmen ins Gelände. Die Videos der Cambodunum App sind mit Gebärdensprache hin-terlegt.

Uschi Ostermeier-Sitkowski/kb

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