Kostenloses Beratungsangebot von der Bayerischen Architektenkammer jetzt auch in Kempten

Barrierefrei Bauen und mehr

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Zur Auftaktveranstaltung trafen sich im Rathaus unter anderem (v.li.) Johannes Hintersberger (Staatssekretär Soziales), Dipl.-Ing. Hans Dörr (1. Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer), Josef Leicht (Verein für Körperbehinderte), OB Thomas Kiechle und davor Albrecht Hung vom Behindertenbeirat.

Kempten – Schon seit dem 7. Oktober 2015 kommen am Bau Beteiligte vom Nutzer, über Bauherren, Verwaltungen, Sonderfachleute, Architekten, Kommunen und öffentliche Auftraggeber oder auch einfach Interessierte in den Genuss eines neuen Beratungsangebots: die Beratungsstelle „Barrierefreiheit“ der Bayerischen Architektenkammer.

Die kostenlosen Beratungen finden einmal pro Monat in Räumen der Kemptener Stadtverwaltung statt. Dort beantwortet die Fachberaterin und Architektin Dipl.-Ing. Stefanie Schleich Fragen rund um die Barrierefreiheit und informiert zudem über finanzielle Fördermöglichkeiten und Wohnformen im Alter.

Seit September dieses Jahres wird das Beratungsangebot im Rahmen des Programms „Bayern barrierefrei 2023“ sukzessive auf insgesamt 18 Standorte bayernweit ausgebaut. Der neue Standort in Kempten ist nach den Standorten Augsburg und Landkreis Lindau der nun dritte in Schwaben.

Zur offiziellen Auftaktveranstaltung trafen sich vergangenen Freitag zahlreiche Akteure rund um das Projekt oder, wie OB Thomas Kiechle in seiner Begrüßung es nannte, „geballte Kompetenz“, im Kemptener Rathaus. Wie auch Kemptens OB, bezeichnete Johannes Hintersberger, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Barrierefreiheit als „gesamtgesellschaftliches Problem“, für das immer wieder sensibilisiert werden müsse. Denn das Thema „betrifft nicht nur Menschen mit Handicap“, sondern mehr oder weniger alle, vom Rollstuhlfahrer bis zur Mutter mit Kinderwagen. So umfasse das Beratungsangebot auch nicht nur das Thema Bauen „sondern alle Lebensbereiche“. Als Partner des Beratungsnetzwerks mit im Boot ist deshalb unter anderem die „Stiftung Pfennigparade“, die zum Beispiel zu den Themen „leichte Sprache“ oder „digitale Medien“ berät.

Dipl.-Ing. Hans Dörr, Architekt und 1. Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer, bezeichnete es als frustrierend, dass weitgehende Barrierefreiheit schon seit 40 Jahren festgeschrieben, aber „trotzdem nicht so leicht durchzusetzen“ sei. Im Moment jedenfalls komme man „an der Barrierefreiheit nicht vorbei“. Für richtig halte er, dass das Thema trotz seiner Komplexität „bei uns angesiedelt ist“, da es zum großen Teil mit baulichen Problemen zu tun habe und zum Beispiel Einrichtungen für Seh- oder Hörbehinderte oder auch demente Personen seitens der Architektur „besondere Fachkenntnisse erfordern“. Keinesfalls wolle man aber Konkurrenz für Freie Architekten sein, weshalb nur Erstberatungen angeboten würden. Dieses kann, laut Schleich, aber „in jeder Phase ansetzen“ und für ein neu zu bauendes Hochhaus ebenso erfolgen, wie für den Umbau eines kleinen Badezimmers. Anhand von Beispielen ging sie auf die unterschiedlichen Anforderungen ein, die gerade bei öffentlichen Gebäuden sowohl Hör-, wie Sehgeschädigten oder auch Rollstuhlfahrern gerecht werden müssen. Deutlich wurde dabei aber auch, dass Ideal und Realität oftmals noch weit auseinanderklaffen, unter anderem weil die Grundrisse zu eng sind, Türblätter zu schwer oder Türöffnungen zu schmal. Eine eigene Herausforderung seien denkmalgeschützte Gebäude, die eine „besonders sensible Herangehensweise“ erforderlich machten, um „die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzer“ unter einen Hut zu bringen. Wie es um die rechtlichen Anforderungen beim barrierefreien Bauen bestellt ist, erläuterte Dipl.-Ing. Univ. Sabine Frohnmüller, Architektin und Baudirektorin der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr.

Die Beratungen finden an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr im Gebäude der Stadtverwaltung Kempten, Besprechungszimmer 103, 1. Stock, Kronenstraße 8 statt.

Terminvereinbarungen und Fragen zur Barrierefreiheit über die Bayerische Architektenkammer unter Tel. 089/139880-80, Email:info@byak-barrierefreiheit.de. Mehr Infos unter www.byak-barrierefreiheit.de.

Christine Tröger

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