Wenn Können nach Schönheit strebt – Ausstellung Kunstkabinett

Neue Bilder von Maria Farkas

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Kempten – „Warum malen Sie immer wieder Stillleben?“ „Weil es so praktisch ist.“ Mit dieser einfachen Frage und der ebenso einfachen Antwort konnte der interessierte Besucher am vergangenen Sonntag während der Vernissage im Kemptener Kunstkabinett in die Malerei der ausstellenden Künstlerin eintauchen. Maria Farkas hat ihren festen Platz in der Kemptener Kunstszene, seit längerer Zeit schon stellt sie im Abstand von ungefähr drei Jahren immer wieder in dem von ihr und ihrem Mann geleiteten Kemptener Kunstkabinett ihre neuesten Werke aus. Zu den Ölbildern gesellten sich dieses Mal eine Reihe von Aquarellen, die im Unterschied zu den Ölbildern, die im Atelier in einem zeitlich aufwändigeren Prozeß gemalt sind, in der Hauptsache bei Aufenthalten in Italien aus dem Augenblick heraus entstanden sind.

Um den zahlreichen Gästen eine kleine Einführung in ihre Kunst zu geben, erdachte sich Farkas statt einer Laudatio das Mittel eines Interviews. Dieses Mittel war gut gewählt, erzeugte es doch, indem sich Fragende und Antwortende die Bälle hin und her warfen, einen unterhaltsamen und informativen Einstieg ins Leben und Schaffen der Künstlerin. Fragestellerin war die Kunsthistorikerin und Malerin Magdalena Willems-Pisarek. Dieser gelang es, durch klug und amüsant gestellte Fragen die künstlerische Welt der Maria Farkas ein wenig für das Publikum offenzulegen. Das hatte viel mehr Charme und Tiefgang, als es die anfangs erwähnte Frage vermuten lässt. Aufschlussreiche biografische Anmerkungen leiteten hin zu künstlerischen Fragestellungen. Was lässt sie in einer Welt, in der doch schon alles gesagt ist, immer wieder zum Pinsel greifen? Auslöser, ein Bild zu malen, ist bei ihr zunächst ein zutiefst menschlicher Antrieb, nämlich der allgemeine menschliche Drang, sich etwas auszudenken, etwas Neues zu erfinden, etwas zu erschaffen, was es vorher noch nicht gegeben hat. W. Kandinsky hat es einmal auf dem Gebiet der Kunst „Malen als innere Notwendigkeit genannt,“ Sie, die in der Malerei gründlich Ausgebildete und als Kunsterzieherin auch in der Vermittlung von Kunst Erfahrene, lebt diesen Schaffenstrieb natürlich dadurch aus, dass sie Bilder malt. Als Bilder kann man gerade heutzutage vieles malen, bei Farkas jedoch geht es um die Suche nach Schönheit. Wobei hier aber nicht eine in der heutigen Welt der Hässlichkeiten und Grausamkeiten nicht mehr existente objektive Instanz gemeint ist, sondern das Erschaffen von Schönheit durch das Aufstellen von eigenen formalen Gesetzen und deren stringente Einhaltung innerhalb eines Bildes. Man könnte dies auch als visuelle Harmonie bezeichnen. Die Wirkung auf den Betrachter geht aber darüber hinaus. Auch ohne dies konkret benennen zu können, entsteht beim Betrachter der Eindruck von Stimmigkeit und Ausgeglichenheit.

Die Ölbilder bilden das Hauptwerk und das Hauptmedium der Malerei von Farkas. Fast ist man allerdings geneigt, das Wort Ölbild zu vermeiden, enthält es doch in der Assoziation der heutigen Zeit etwas Schweres, Altes und Überholtes. Nein, die Bilder von Farkas sind anders, sie sind leicht, jung und frisch. Leicht, weil sie in vielen Schichten mit stark verdünnter Ölfarbe auf eine weiß grundierte Hartfaserplatte aufgebracht sind. Jung und frisch, weil die künstlerische Auffassung, die diesen Bildern zugrunde liegt, durchaus ihren Platz in der übergroßen Bandbreite von künstlerischen Konzepten, Aussagen und Notwendigkeiten unserer multikulturellen Welt findet. Formale Einflüsse sind einige zu erkennen, man denkt an Kubismus, an Robert Delauney oder an die Art, wie Lyonel Feininger architektektonische Flächen durch Überlagerungen in Beziehung zueinander setzt. Nicht zuletzt drängt sich dem Betrachter Paul Cezanne‘s Streben nach einer „Harmonie parallel zur Natur“ auf, aber das, was transportiert wird und herüberkommt, erahnt und umschreibt der kunsthistorisch ungeschulte Betrachter mit Assoziationen wie Harmonie, Menschenliebe und Lebensbejahung. Ein zutiefst positiver Eindruck.

Man möchte jedem Besucher empfehlen, sich ein Bild auszusuchen und es sofort mitzunehmen, aber dann gäbe es sehr schnell diese Ausstellung nicht mehr. Und das wäre schade. Die Ausstellung dauert bis zum 19. März 2017. Die Öffnungszeiten sind donnerstags, freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags sowie feiertags von 11 bis 16 Uhr. 

Jürgen Kus

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