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Wie der neue KulturKeller das kulturelle Leben in Kempten in Schwung bringen will

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Der KulturKeller möchte Künstlern die Chance geben, sich zu präsentieren und auszuprobieren. Ein offizieller Barbetrieb folgt in Kürze.

Kempten – „Kulturell hinkt Kempten extrem hinterher. Wenn ich mich innerhalb Deutschlands mit befreundeten DJs oder Künstlern unterhalte, dann kennen sie mit Sicherheit Ravensburg oder Ulm, aber fast keiner kennt Kempten. Das muss sich schleunigst ändern“, fordert Alessandro Tramontana. Er hat deshalb zusammen mit seinem Bruder Stefano und dem gemeinsamen Freund Zafer Kan vor ein paar Wochen den KulturKeller in der Kotterner Straße 74 eröffnet. Und das mitten in der Corona-Zeit.

„Corona war für uns in diesem Fall nur der Auslöser. Letztlich ist die Entscheidung, etwas für die Stadt zu tun und den Stellenwert der Kultur in Kempten zu stärken, schon vorher gefallen. Aber irgendwie ist die Idee erstmal versandet, bis wir uns durch die Coronakrise verpflichtet gefühlt haben, etwas zu unternehmen.“

Gesagt, getan. Innerhalb kurzer Zeit hat der gebürtige Kemptener Unternehmer, der beruflich seit über zehn Jahren überwiegend in Hamburg lebt und tätig ist, mit seinen beiden Partnern das Konzept für den KulturKeller entwickelt. „Wir wollten etwas liefern, was es in dieser Form noch nicht gibt. Wenn ich mir das kulturelle Leben der Stadt über die letzten Jahre so anschaue, dann hat sich da wenig Bahnbrechendes getan. Das kulturelle Angebot ist begrenzt, die Bar- und Clubkultur wirklich überschaubar. Der KulturKeller ist als so genannte Pop-Up Location gedacht. Das heißt, wir bieten eine mietbare Location an, in der Veranstaltungen aller Art stattfinden können. Wir organisieren natürlich selbst Events, aber ermöglichen jedem, der Interesse hat, sich bei uns für sein Projekt oder seine Kunst einzumieten“, erklärt der 33-jährige das Konzept. Die Räumlichkeiten in der Kotterner Straße 74 bieten Platz auf rund 400 Quadratmeter. Ein großer Bereich unten und zwei abgetrennte Räume im oberen Bereich schaffen damit ausreichend Platz, der sich flexibel einteilen lässt. „Unser Ziel war es, modular zu sein. Das bedeutet, dass wir je nach Wunsch etwas zumachen, weitere Tische aufstellen oder mehr Sitzplätze bieten können. Für jede Veranstaltung lässt sich die Raumgröße ganz einfach variieren“, schildert Tramontana. „Klar, wir sind gerade noch am Renovieren und Verschönern und es ist noch alles im Aufbau, aber ich denke mir, besser man wird aktiv und stellt was auf die Beine, bevor man gar nichts macht. Better done than perfect, das ist unser Motto.“

In Kürze offizieller Barbetrieb

Nach dem Eröffnungswochenende „Arts and Beats“ Ende August, bei dem an drei Tagen über 300 Menschen zu einer Art Kunstfestival in die neue Location gekommen sind, soll im KulturKeller nun bald der offizielle Barbetrieb aufgenommen werden. „Wir erarbeiten gerade ein besonderes Konzept, für das wir aktuell mit verschiedenen Barkeepern in Gesprächen sind. Was schon feststeht ist, dass wir von Mittwoch bis Sonntag geöffnet haben werden, von 17 oder 18 Uhr bis open end. Jeder kann vorbeikommen, wenn er mag, und wird außergewöhnliche Drinks serviert bekommen, die es so - zumindest in Süddeutschland - bislang noch nicht gibt“, verspricht Alessandro Tramontana. Ein weiteres Highlight sei auch schon in trockenen Tüchern. Jeden Donnerstag wird ein „VinylCafé“ stattfinden, für das der in der Szene als DJ TenGooD bekannte Kemptener Tankut Uensal mit seinen Plattenspielern und Platten vorbeikommen wird. „Man kann Schallplatten kaufen, tauschen, Musik außerhalb des Kommerzes hören, quatschen und natürlich was trinken. Alles das, was in Kempten bislang fehlt“, so sein Wunsch. Das gesamte Konzept obliegt natürlich den aktuellen Corona-Hygienevorschriften und es wird auf die Einhaltung des Mindestabstands und der Maskenpflicht, wenn man sich nicht an seinem Sitzplatz befindet, strikt geachtet. Eine weitere Veranstaltung, die bereits geplant ist, ist ein Dinner+Concert für den 28. Oktober. „Das Datum ist schon fix und da wollen wir nicht nur musikalisch, sondern auch kulinarisch etwas bieten. Die als Cärolein bekannte Sängerin Carolin Zengerle aus Wildpoldsried wird mit einem tollen Programm am Start sein und softe Medleys aus den 90gern dinnergerecht interpretieren. Dazu passend servieren wir ein Drei-Gänge-Menu, das Saverio Francese zubereiten wird. Vielen dürfte er als gelernter Koch in Kempten ein Begriff sein. Er war jahrelang im Restaurant 1394 tätig und hat gezeigt, dass er die Allgäuer Gaumen verwöhnen kann. Saverio wird ein internationales Menü zaubern und dazu gibt es die musikalischen Interpretationen von Cärolein & Friends, die mit einem Pianisten und Gitarristen vor Ort sein wird. Uns ist es einfach wichtig, die Sparte Kultur so weit wie möglich zu fassen. Essen ist für mich auch ein Stück weit Kultur und verbindet genauso wie Musik.“

Wollen was bewegen – mehr Vielfalt

Der KulturKeller ist eine Einrichtung in Kempten, die prinzipiell von jedem gemietet werden kann. Egal, ob das eine private Geburtstagsfeier, eine Ausstellung oder eine kulturelle oder musikalische Veranstaltung ist. „Wir möchten ein offener Ort sein, der abseits des Mainstreams allen Künstlern, Kulturschaffenden und andere Interessierten, eine Möglichkeit zur Zusammenkunft und zum Austausch bietet. Von Ausstellungen über Konzerte bis hin zur Aktionskunst. Künstler sollen die Chance haben, sich auszuprobieren und in Dialog mit ihren Konsumenten und anderen zu treten. Das fehlt in Kempten. Kultur ist bislang oft anderswo. Auch mein Bruder Stefano, unser gemeinsamer Freund Zafer und ich werden dazu beitragen, dass der Kultur in Kempten mehr Raum für Vielfalt gegeben wird. Wer uns auf Facebook oder Instagram folgt, der erhält aktuellen Informationen, über das, was ansteht. Wir sind erst am Anfang und es ist mit Sicherheit ein langer Prozess, aber wir möchten uns dauerhaft zu einem echten Geheimtipp mit Mehrwert entwickeln. Es ist an der Zeit, dass in Kempten neue Angebote zum Weggehen geschaffen werden.“

Kathrin Dorsch

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