1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kempten

Neue Ortsmitte in Dietmannsried: Kirche blockiert weitere Planungen

Erstellt:

Von: Sabine Stodal

Kommentare

Pfarrhof Dietmannsried
Hier sollen der neue Dorfplatz sowie der Pfarr- und Bürgersaal entstehen. Links im Bild der denkmalgeschützte Pfarrhof © Sabine Stodal

Dietmannsried – Dietmannsried soll eine neue Ortsmitte mit zentralem Dorfplatz bekommen. Die örtliche Kirchenverwaltung hat jedoch ihre Zustimmung zurückgezogen.

Im April vergangenen Jahres konnten es alle Bürgerinnen und Bürger Dietmannsrieds in einer an alle Haushalte verschickten Informationsbroschüre lesen: Dietmannsried soll eine neue, schöne Ortsmitte bekommen, mit zentralem Dorfplatz zwischen Kirche, Bäckerei, Pfarrhof und Rathaus und einem neuen Pfarr- und Bürgerzentrum.

Im Vorwort der besagten Infobroschüre, in der die Ergebnisse des Planungswettbewerbs „Die neue Ortsmitte Dietmannsried“ vorgestellt wurden, hatten Erster Bürgermeister Werner Endres, der katholische Pfarrer Dr. Martin Awa und Kirchenpfleger Rainer Lenzenhuber damals geschrieben, in der Gestaltung stecke „für unsere Markt- und Kirchengemeinde bedeutendes Potential für eine weitere zukünftige und nachhaltige Ortsentwicklung – lassen Sie uns diese Chance gemeinsam nutzen.“

Zustimmung zurückgezogen

Von Gemeinsamkeit kann jedoch keine Rede mehr sein: die örtliche Kirchenverwaltung hat ihre Zustimmung zu den Planungen zurückgezogen. Die Kommunikation zwischen Gemeinde und Kirche gestaltet sich mehr als schwierig. Auch beim Thema Kindertagesstätte ist die Kommunikation zwischen Gemeinde und Kirche ins Stocken geraten.

Rückblick: Die Planungen zur Neugestaltung der Dietmannsrieder Ortsmitte laufen schon seit 2015. Da sich die Grundstücke in kirchlichem und gemeindlichem Besitz befinden, erfolgte dabei stets eine enge Abstimmung zwischen den Vertretern der Marktgemeinde, der Katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Blasius, der Bischöflichen Finanzkammer und der Regierung von Schwaben. 2019 fand ein Architektenwettbewerb statt.

Neues Pfarr- und Bürgerzentrum Dietmannsried

Man einigte sich auf einen Entwurf des Architekturbüros Wilhelm und Wilhelm Müller Landschaftsarchitekt, der weiter verfolgt werden sollte. Jener sieht vor, den alten, sanierungsbedürftigen und von Schimmel befallenen Pfarrsaal abzureißen und an dessen Standort einen offenen, zentralen Platz mit Aufenthaltsqualität und Blick auf die denkmalgeschützten Gebäude zu schaffen.

Etwas weiter östlich hangabwärts, direkt an der Hauptdurchgangsstraße, neben dem ehemaligen Gasthof Bären, soll das neue Pfarr- und Bürgerzentrum mit großem Saal errichtet werden. Der Baubeginn war für Herbst 2022 angedacht.

„Das Gebäude kann von Vereinen, von der Kolpingfamilie, der ­Katholischen Landjugend, dem Kirchenchor, der Kinderkirche, der Jugendleiterrunde und den Ministranten sowie für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden. Im Obergeschoss soll ein Trauzimmer angesiedelt werden“, erklärt Bürgermeister Werner Endres im Gespräch mit dem Kreisboten.

Sonderförderprogramm

„Dadurch, dass es sehr nah an den ‚Bären‘ gerückt werden würde, würde nur zirka ein Fünftel des jetzigen Pfarrgartens wegfallen“, betont er. „Auf dem Platz oben könnten die Menschen nach dem Gottesdienst noch beisammen stehen, hier könnte der Wochenmarkt und der Kirchenkaffee stattfinden und der Maibaum aufgestellt werden.“ Zur Finanzierung steht ein Sonderförderprogramm der Regierung von Schwaben offen, das einen 80-prozentigen Zuschuss ermöglicht. Doch nun geht nichts voran.

„Im Juli 2020 hatte die Marktgemeinde alle kirchlichen Gruppierungen zu einer Vorstellung der Pläne in die Festhalle eingeladen, also Pfarrer Dr. Awa, Benefiziat Ambrose Alisa und den Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Xaver Wölfle, den Pfarrgemeinderat sowie Kolpingfamilie, Ministranten, Pfarrsekretärin, Mesnerin, Landjugend und andere“, so Endres weiter.

Zustimmung plötzlich widerrufen

„Am 7. Dezember 2020 gab die Katholischen Kirchenverwaltung ihre Zustimmung zur weiteren Planung. Aber am 5. Mai 2021 wurde diese dann plötzlich per Beschluss widerrufen.“ Als Grund wurde der Lärmschutz für den Pfarrhof genannt, in dem sich auch die Priesterwohnung befindet. Dem hält Endres entgegen: „Wir bauen das neue Gebäude immissionstechnisch nach neuesten Standards. Der Ein- und Ausgang für die Vereine wird auf der dem Pfarrhof abgewandten Gebäudeseite, beim Gasthof ‚Bären‘ liegen.“

Zum Parken soll der nahegelegene Feuerwehrparkplatz am Carry-Le-Rouet-Platz dienen, sodass der Publikumsverkehr auf jener Seite abgewickelt werden würde. Die Gemeinde sei auch bereit, Schallschutzfenster in den Pfarrhof einzubauen. „Insgesamt würde es also sogar weniger Lärm um den Pfarrhof geben. Der einzige ‚Lärm‘ käme noch von den Menschen, die den Platz nutzen – und genau das scheint für den Pfarrer ein Problem darzustellen“, so Endres kopfschüttelnd.

Pfarrer Awa nicht gesprächsbereit

„Wir haben von Gemeindeseite immer wieder das Gespräch gesucht, um herauszufinden, wo genau die Kritikpunkte liegen und um eine einvernehmliche Lösung zu finden“, so der Rathauschef. Alle Bemühungen seien jedoch ins Leere gelaufen, bedauert er. Im September 2021 habe Pfarrer Awa sich zu einem Termin am 26. Januar 2022 bereit erklärt. „Der wurde jedoch ohne Angabe von Gründen wenige Tage vorher abgesagt. Angeblich kam die Absage aus Augsburg. Eine Nachfrage dort hat aber ergeben, dass in Wirklichkeit der Pfarrer selbst den Termin storniert hatte.“

Man bleibe auf jeden Fall mit den Verantwortlichen in Augsburg in Kontakt. Woran es liege, dass seitens der örtlichen Kirchenverantwortlichen weder eine Kommunikation noch eine Problemlösung gewünscht seien, sei nicht zu klären. Es widerstrebe ihm, das Thema über die Medien in der Öffentlichkeit auszubreiten. „Aber die Bevölkerung sollte wissen, wie schwierig die Lage sich gestaltet – und wer dafür die Verantwortung trägt.“

Den Interviewwunsch des Kreisboten wies Pfarrer Awa zurück mit der Bitte, Anfragen an die Pressestelle des Bistums Augsburg zu richten.

Auch interessant

Kommentare