Parkgebühren für Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Schulzentrums Kempten eine "finanzielle Belastung"

Der frühe Vogel fängt den... kostenfreien Parkplatz

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Der Parkplatz an der Allgäuhalle ist nun kostenpflichtig. Für viele Schüler des nahen BSZ heißt es Früh aufstehen, um noch einen der letzten freien Parkplätze in der Nähe des BSZ zu er- gattern.

Kempten – Wenn Oberbürgermeister Thomas Kiechle zu Bürgerversammlungen eilt, dann werden er und die Vertreter der Stadt nicht müde, von den Zielen der Agenda 2020, nun 2030, zu sprechen. Eine der wesentlichen Zielsetzungen ist es Kempten schuldenfrei zu bekommen. Lag die Schuldenlast im Jahr 2002 bei rund 41,2 Millionen, so waren es 2015 noch 8,2 Millionen Euro. „Die Tilgung der Schulden verschafft uns Spielräume für die Haushalte der Zukunft, dies dient unter anderem der Generationengerechtigkeit“, verteidigt Kiechle das Vorhaben.

Erreicht werden konnte die Reduzierung der Schulden auch durch Erhöhung von Gebühren. Das spürten zu Beginn des Jahres die automobilen Besucher der Stadt Kempten. Parken ist teurer geworden. Die Parkgebühren wurden verdoppelt und die bisherigen freien Parkplätze an der Allgäuhalle, am Illerdamm, am Feuerwehrhof, am Bahnhofsvorplatz sowie an der Alpenstraße wurden gebührenpflichtig. Hier kostet das Tagesticket nun drei Euro. Im Vergleich zu anderen Städten ist Parken in Kempten bezahlbar, aber es gibt Problemfälle.

"Passende ÖPNV-Angebote fehlen"

Besonders prekär stellt sich die Situation am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kempten dar. Waren bis Ende letzten Jahres ab 8 Uhr keine Parkplätze an der Allgäuhalle mehr zu bekommen, herrscht nun weitaus weniger Gedränge. Die Gründe hierfür liegen an den eingeführten Parkgebühren, die nicht von jedem der 6500 Schüler des BSZ erbracht werden können. „Kempten gibt sich gerne als Bildungsstadt, aber bezahlbare Parkangebote für Schüler des BSZ gibt es leider nicht“, sagt eine Schülerin der Fachoberschule und ihre Freundin pflichtet ihr bei: „Nach Kempten pendeln täglich Tausende von Schülern. Dabei sind sie auf das Auto angewiesen, weil die passenden Angebote des ÖPNV leider fehlen.“ Für die Schüler, die permanent das BSZ besuchen und kein Lehrlingsgehalt erhalten, sind die Parkgebühren eine finanzielle Belastung und für die Berufsschüler, die nicht täglich das BSZ aufsuchen, sind die angebotenen Monats-, Vier-Monats-, Halbjahres- und Jahrestickets nicht attraktiv. „Ohne Anspruch auf einen Parkplatz nützt mir ein solches Ticket wenig“, sagt ein frustrierter Schüler. Besonders bitter ist die gegenwärtige Situation für die Schüler der Technikerschule, denn die zahlen bereits Schulgeld. Momentan gilt daher das Motto: „Früher Vogel fängt den Wurm.“ 7 Uhr gilt als morgendliche Deadline nahe dem BSZ auf den drei kostenfreien Parkflächen noch einen Parkplatz zu ergattern.

Keine Rabatte für Schüler angedacht

„Die Parkplatzsituation an unserem Schulzentrum ist prekär.“ Zu diesem Urteil kommt auch Hanns Deniffel, Schulleiter der Berufsschule I. Gemeinsam mit den vier anderen Schuldirektoren des BSZ und dem Geschäftsführer des Zweckverbands der Beruflichen Schulen Kempten, Sven Linse, arbeitet man an einer Lösung, die es in der Zeit von 7 bis 17 Uhr nur noch Schülern des BSZ ermöglicht auf den drei Parkflächen am Zusatzheizkraftwerk und in den Parkbuchten an der Wies- und Kotterner Straße zu parken. Dauerparker sollten nach Möglichkeit grundsätzlich von diesen Parkflächen verschwinden. „Unsere Schüler sollen Pickerl erhalten, die sie als Besucher des BSZ ausweisen“, erklärt Deniffel. Über diese Zeiten hinaus soll Parken beispielsweise für Besucher der bigBOX möglich sein. Nach Kenntnis der Oberstudiendirektorin Helga Traut von der FOS/BOS hat auch der betroffene Elternbeirat Kontakt zur Stadt Kempten aufgenommen und um spezielle Angebote für Schüler nachgefragt. Die Anfrage wurde von Seiten der Stadt wohl aus Gründen des „Umweltschutzes“ negativ beschieden. Grundsätzlich sei nicht angedacht den Schülern Rabatte zu gewähren. Vielleicht schafft ein neues Parkhaus Abhilfe, das von der Firma Immobilien Wirth auf dem Telekomgelände in ein bis zwei Jahren errichtet werden soll? Dort werden laut Geschäftsführer Thomas Wirth auf acht Etagen rund 320 Parkplätze entstehen. Kostenpflichtig wird das Parken dort freilich auch sein.

Spricht man mit Vertretern der mona, wird auch seitens des neu gegründeten Verkehrsverbundes keine zeitnahe, für Schüler günstigere Lösung angepeilt. „An ein Park&Ride System, bei dem Schüler außerhalb der Innenstadt parken und mit einem Shuttle das BSZ erreichen können, sei aufgrund der zu klärenden Kostenübernahme nicht gedacht“, so ein Sprecher der mona. Zu diesem Thema werde man sich aber grundsätzlich im Sommer äußern, wenn erste belastbare Zahlen vorliegen.

Erst in der vergangenen Woche hatte sich gezeigt, dass ein in Aussicht gestelltes „Jobticket“ an der Kostenverteilung zu scheitern droht. Derweil arbeitet die Stadt Kempten weiter am Mobilitätskonzept 2030, das sicherlich auch Antworten hinsichtlich der Verbesserung der Situation am BSZ liefern wird. Bliebe bis dahin als Notnagel eine bis dato ungenutzte Tiefgarage im ehemaligen Bauloch, aber bis die zugänglich ist, hat Berlin wohl einen neuen Flughafen. 

Jörg Spielberg

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