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Neue Stadtführung an der Iller in Kempten: »Alles im Fluss«

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Von: Lutz Bäucker

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König-Ludwig-Brücke Kempten von Innen
Die Führung bietet auch einen Blick ins Innere der König-Ludwig-Brücke, 33 Meter hoch über der Iller. © Lutz Bäucker

Kempten – Zwei Stunden Historie und Gegenwart, vier Kraftwerke und eine Fischtreppe: Die neue Stadtführung in Kempten »Alles im Fluss« überzeugt.

Am Ende, auf dem Höhepunkt 33 Meter über dem Wasser, da waren sich alle einig: „Eine tolle Tour, die der Iller endlich den Stellenwert gibt, den sie verdient!“ So die Premieren-Teilnehmer der neuen Stadtführung von „Kempten Tourismus“ hoch oben auf der „König-Ludwig-Brücke“ einstimmig.

Vom Illersteg führt sie immer flussaufwärts, mal am linken, mal am rechten Ufer entlang, über historische Brücken, von Stadtführerin Bettina Löffeler mit vielen Anekdoten und Geschichten gut gewürzt und mit einem exklusiven Blick ins Innere der König-Ludwig-Brücke als beeindruckendem Schlussakkord gekrönt. „Alles im Fluss“ heißt dieses neue Angebot.

Die Iller als Lebensader der Stadt Kempten

„Die Iller wird seit ewigen Zeiten stiefmütterlich behandelt, das muss geändert werden“, hat sich Bettina Löffeler vorgenommen und einen interessant-amüsanten Stadtspaziergang konzipiert, der die einstige Lebensader Kemptens ins rechte Licht rückt. Unterstützt wurde sie dabei von Stefanie Schmitt, Leiterin Kempten Tourismus, und ihrem Team. „Wir möchten unsere einmalige König-Ludwig-Brücke noch mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und das mit dem Fluss verbinden“, sagt Schmitt über die Initiative zu diesem neuen stadttouristischen Angebot.

In rund zwei Stunden lässt sie die jahrhundertealte Tradition der Flößerstadt Kempten lebendig werden, erzählt vom gefährlichen Triften abertausender dicker Nadelbaumstämme („Laubholz geht unter“, weiß Löffeler) bis zum alten Holzplatz an der Engstelle zwischen Burg- und Engelhalde, von dem aus in der Flößersaison von Ende April bis Oktober rund 5.000 Holzflöße bis nach Ulm die Iller hinunterschipperten.

Kraftwerke an der Iller

Um 1900 war die Zeit der Flößerei vorbei. Immer mehr Kraftwerke mit ihren Wehren machten die Iller unpassierbar und der Tradition ein Ende. „Gegen den Strom zu schwimmen“, nutzt die Stadtführerin ein daraus resultierendes geflügeltes Wort, „das brachte nichts ein.“

Einige hundert Meter flußaufwärts ist die Rede davon, wie sich um 1866 herum zwei konkurrierende Webereien gegenseitig „das Wasser abgegraben haben“, um möglichst viel Iller auf die eigenen Mühlräder zu leiten. Wer „Oberwasser bekam“, war fein heraus: Damit liefen die Turbinen besonders gut.

Schlachthaus und Spital am Fluss

Die neue Führung für Besucher, Urlauber und „hoffentlich auch viele Kemptener“ (Löffeler) führt auch den Nutzen „fließenden Wassers“ vor Augen. Auf Höhe der St.-Mang-Brücke (Baujahr 1952) standen im Mittelalter das Schlachthaus (früher „Die Metzg“) und das Krankenspital. Beide waren aus hygienischen Gründen sehr dankbar für die „munter und eilig“ dahinfließenden Wassermassen des einst so wilden Gebirgsflusses. Der übrigens bis in unsere Zeiten sein wahres Gesicht zeigt.

Beim Hochwasser von 2005 schwappte die Iller bis auf den Rathausplatz, 2013 überschwemmte sie mithilfe des Bachtelbaches Teile des rechten Ufers. Die ganz großen Katastrophen dürften aber nicht mehr eintreten: Riesige Überflutungsflächen bei Seifen kappen die Spitzen möglicher Flutwellen und nehmen den Kemptenern die Angst, so wie an Pfingsten 1999 jämmerlich abzusaufen.

Alles im Fluss: König-Ludwig-Brücke von Innen

Dass an der Iller immer „alles im Fluss“ ist, zeigt sich auch an den Brücken der Stadt. Der altehrwürdige Illersteg muss demnächst erneuert werden, die St-Mang-Brücke (entgegen jeder Tradition gleich mit zwei Brückenheiligen bewehrt!) ist zwar „nicht schön, aber praktisch“ (Löffeler), weil sie ohne Stützpfeiler im Fluss auskommt und so keine gefährlichen Dämme aus Treibholz verursachen kann. Ihre Vorgängerin war lange Zeit der einzige Flussübergang zwischen Memmingen und Immenstadt und brachte der Stadt Unmengen an Mautgebühren ein.

Und dass am Ende der Tour ein Bummel durch das fein komponierte hölzerne Innere der König-Ludwig-Brücke steht, ist ein wirkliches „Schmankerl“ – ohne städtische Führer bleibt die schwere Stahltür nämlich verschlossen. Und dann verpasst man wirklich etwas: dicke Balken, kunstvoll, aber stabil miteinander verbunden, historische Fotos der alten Bahnlinie und den atemberaubenden Blick hinab in die Tiefe aufs türkisschimmernde oder auch mal schwarze Wasser der Iller!

Iller-Führung für Einheimische

Zwei Stunden Historie und Gegenwart, vier Kraftwerke, die mitten in der Stadt erneuerbare Energie liefern, Erinnerungen an Dutzende von Papier- und Sägemühlen, eine Fischtreppe und die Information, dass die Iller einst ganz woanders unterwegs gewesen ist als heutzutage, nämlich Richtung Freudenberg und Kronenstraße: Diesen Streifzug durch die Heimat sollte sich niemand entgehen lassen.

Am Freitag, 22. April, startet die nächste Tour.. Nähere Infos gibt es unter www.kempten-tourismus.de.

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