"Würdiges Andenken"

Neue Stele erinnert an Kemptens letzte "Hexe" 

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Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Elisabeth Brock. Die ehemalige Stadträtin der Kempt‘ner Frauenliste lachen erleichtert. Die Stele in Erinnerung an Anna Maria Schwegelin, die „letzte Hexe“ ist wirklich gelungen.

Kempten – Unübersehbar, an prominenter Stelle, nahe der Residenz und nahe der 2002 Anna Maria Schwegelin gewidmeten Brunnenschale informiert nun eine beidseitig gestaltete Stele über den Leidensweg dieser Frau.

Sie ergänzt in würdiger Weise das eher armselige „Täfele“, das 2002 auf einem zum Draufsitzen einladenden Steinblock angebracht wurde.

Wer sich auf der neuen kleinen Steinbank niederlässt und sich mit den Stelen-Texten befasst, erfährt viel über das Schicksal der „letzten Hexe“, viel über die Hexenverfolgung im Allgäu und viel über das Rechtswesen im Jahr 1775 im Stift Kempten. Zwei ausgewiesene Fachleute haben dafür gesorgt, dass die Beschreibungen wissenschaftlich makellos sind: Birgit Kata vom Stadtarchiv, deren Forschungsschwerpunkt die Hexenverfolgung in unserer Region ist, und der Kemptener Historiker Dr. Wolfgang Petz. Ihm ist es 1995 gelungen, den Irrtum von der Hinrichtung der Anna Maria Schwegelin zu korrigieren. Im Sterbebuch der Pfarrei St. Lorenz entdeckte er den Eintrag von 1781 zu ihrem Todestag. Petz konnte erstmals die vollständigen Verhörprotokolle studieren und so das Lebensbild einer Frau aus der unteren Volksschicht nachzeichnen, die, wie er sagt, „in das Räderwerk einer unbarmherzigen und reaktionären Justizmaschinerie geriet“. An zahlreichen Gebäuden der Stadt befinden sich „Täfele“ im Andenken an die „großen Söhne“ in der Stadtgeschichte, die Bürgermeister, Fürstäbte und hohen Militärs. Das Leben des einfachen Volks wurde von der Geschichtsschreibung kaum erfasst, das Leben der einfachen Frauen erst recht ignoriert. Und doch waren sie es, die unter den Kriegen und Verfolgungen zu leiden hatten.

Viele Köchinnen und Köche haben zwei Jahre lang zusammengewirkt, um diesen Erinnerungsort am Residenzplatz zu gestalten. Heraus kam ein stimmiger Text und eine spannend bebilderte und gestaltete Tafel. „Eine würdige Form der Erinnerung an Anna Maria Schwegelin, zum Gedenken und zur Mahnung“, wie Oberbürgermeister Thomas Kiechle bei der Übergabe betonte. 

Elisabeht Brock 

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